{"id":3642,"date":"2021-08-27T21:03:00","date_gmt":"2021-08-27T19:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/?page_id=3642"},"modified":"2023-05-03T15:11:00","modified_gmt":"2023-05-03T13:11:00","slug":"der-rahmen-des-lebens","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/de\/der-rahmen-des-lebens\/","title":{"rendered":"Der \u00e4u\u00dfere Rahmen"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\"><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div id=\"toc_container\">\n<ul class=\"toc_list\">\n  <li><a href=\"#Le-d\u00e9sert\">1. Die Abgeschiedenheit (\u201eW\u00fcste\u201c)<\/a><\/li>\n  <li><a href=\"#La-cl\u00f4ture\">2. Die Klausur<\/a><\/li>\n  <li><a href=\"#La-cellule\">3. Die Zelle<\/a><\/li> \n <\/ul>\n<\/div>\n<\/div><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"267\" src=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/reillanneADF063.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-977 size-full\" srcset=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/reillanneADF063.jpg 400w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/reillanneADF063-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"Le-d\u00e9sert\">1. Die Abgeschiedenheit (\u201eW\u00fcste\u201c)<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Kart\u00e4userinnen und Kart\u00e4user sind dazu berufen, Gott in Einsamkeit und Stille im Rahmen einer kleinen Gemeinschaft zu suchen, die diese Suche unterst\u00fctzen. Brennend vor g\u00f6ttlicher Liebe hat der heilige Bruno die verg\u00e4nglichen Dinge der Welt verlassen, um einzig und allein an dem festzuhalten, was ewig ist. Um sein Leben in einer Kartause zu verbergen, muss man die intime Gewissheit haben, dass sich im Scho\u00df der Einsamkeit eine unvergleichliche Liebe verbirgt, eine Liebe, die von keiner anderen Liebe \u00fcbertroffen werden kann. In seinem Brief an seinen Freund Raoul beschrieb der heilige Bruno seine Erfahrungen in der W\u00fcste:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Hier k\u00f6nnen feurige Menschen so viel wie sie wollen bei sich selbst einkehren und dort verbleiben; entschlossen die Tugenden wachsen lassen und sich von den Wonnen der Paradieses-Fr\u00fcchte &nbsp;ern\u00e4hren. Hier wird eifrig nach dem Auge gesucht, dessen klarer Blick den Br\u00e4utigam der Liebe verletzt, nach der reinen und klaren Liebe, die Gott schaut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hier dringt eine sehr gesch\u00e4ftige Mu\u00dfe auf uns ein und wir verharren in ruhiger T\u00e4tigkeit. Hier gibt Gott seinen K\u00e4mpfern f\u00fcr die Schmerzen des Kampfes den erwarteten Lohn: einen der Welt unbekannten Frieden und die Freude im Heiligen Geist.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einsamkeit und die Spiritualit\u00e4t der W\u00fcste setzen eine tats\u00e4chliche Trennung von der Welt voraus, damit sich das Gebetsleben frei entfalten kann. Denn Gott \u201e<em>hat uns verf\u00fchrt und in die W\u00fcste gef\u00fchrt, um zu unserem Herzen zu sprechen<\/em>\u201c (Hos 2, 16). Unsere Einsamkeit wird durch drei W\u00e4lle gesch\u00fctzt, die sowohl au\u00dfen als auch innen liegen: die Einsamkeit der W\u00fcste, die Einsamkeit innerhalb der Klausur und die Einsamkeit im Geheimen der Zelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser dreifache Schutzwall ist notwendig, damit die Kart\u00e4userin ihren tiefsten Wunsch, das anbetende Herz der Kirche und das liebende Herz der Menschheit zu werden, vollst\u00e4ndig verwirklichen kann. In diesem Rahmen des einsamen Lebens kann sie das Lob Gottes zum Himmel erheben und die N\u00f6te ihrer Br\u00fcder und Schwestern in der totalen Hingabe ihrer selbst darbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um den abgegrenzten geografischen Rahmen &#8211; der die Einsamkeit und das Schweigen des Klosters umgibt und sch\u00fctzt &#8211; zu bezeichnen, sprechen wir gerne von einer <strong><em>\u201eW\u00fcste\u201c.<\/em><\/strong> Unsere Kl\u00f6ster werden an einem m\u00f6glichst einsamen Ort angesiedelt, der oft bergig und von Sch\u00f6nheit gepr\u00e4gt ist. Die W\u00fcste trennt, aber sie bringt uns auch n\u00e4her zusammen. Gott spricht bereits durch die Sch\u00f6nheit der Sch\u00f6pfung zu uns, die unser Herz weitet. Jede Woche beim Spaziergang (der auf Franz\u00f6sisch \u201eSpaciement\u201c genannt wird), unternehmen wir eine lange Wanderung au\u00dferhalb des Klosters. Wir \u00fcberschreiten nicht die Grenzen dessen, was als unsere \u201eW\u00fcste\u201c angesehen wird, aber es kann sich dennoch um ein paar Kilometer handeln!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/moniales-spaciement-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-830\" srcset=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/moniales-spaciement-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/moniales-spaciement-300x169.jpg 300w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/moniales-spaciement-768x432.jpg 768w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/moniales-spaciement-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/moniales-spaciement.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"#toc_container\" class=\"returnToTop\"> nach oben \u2191 <\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"La-cl\u00f4ture\">2. Die Klausur<\/h3>\n\n\n\n<p>Symbol der Einsamkeit, die wir suchen, ist unsere <strong><em>strenge Klausur<\/em><\/strong>. Die Kart\u00e4userin hat nicht die Aufgabe, soziale Dienste zu leisten, zu erziehen oder gar vorbeikommende G\u00e4ste zu empfangen. Sie lebt normalerweise im Inneren der Mauern des Klosters, das oft mehrere Hektar gro\u00df ist. Eine \u201eKlausur\u201c besteht darin, innerhalb einer Umgrenzung zu leben, die man nur aus au\u00dfergew\u00f6hnlichen Gr\u00fcnden oder wegen des w\u00f6chentlichen Spaziergangs verl\u00e4sst. Dieser jahrhundertealte Brauch ist durch das Kirchengesetz sanktioniert. Sie ist ein \u201eheiliger Bezirk\u201c, der sichtbar unsere ausschlie\u00dfliche Zugeh\u00f6rigkeit zum Herrn bezeichnet (Johannes Paul II., <em>\u201eDas geweihte Leben\u201c,<\/em> Nr. 59). Man kann es als eine R\u00fcckkehr in den Garten sehen, wo der erste Mensch die Stimme des Vaters h\u00f6rte (vgl. Gen 3, 8), oder als die W\u00fcste, wo der Herr seinen Propheten rief, um ihm seine Herrlichkeit zu zeigen (vgl. 1 K\u00f6n 19, 5-13). Aber es ist auch der Garten Gethsemane, wo die v\u00f6llige Selbsthingabe in der Dunkelheit stattfindet (vgl. Mt 26, 36-40), in Erwartung des Gartens von Ostern, wo Jesus jede bei ihrem Namen rufen wird (vgl. Joh 20, 11-18).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Klausur schafft ein g\u00fcnstiges Umfeld (vgl. <em>Cor Orans<\/em>, Nr. 156), einen privilegierten Ort f\u00fcr eine Begegnung, eine M\u00f6glichkeit, das Passah des Herrn zu erleben und das Herz st\u00e4ndig auf ihn gerichtet zu halten. <\/p>\n\n\n\n<p>In der Kartause f\u00fchrt die Klausur, die Trennung von der Welt, zu einer sehr gro\u00dfen Zur\u00fcckhaltung gegen\u00fcber den sozialen Kommunikationsmitteln. Wir haben weder Fernsehen noch Radio und die Nutzung von Internet und Telefon ist denjenigen vorbehalten, die einen Dienst im Kloster zu verrichten haben. Der Briefverkehr bleibt selten und auf die engsten Familienangeh\u00f6rigen beschr\u00e4nkt. Dennoch empfangen wir sie jedes Jahr zwei Tage lang im G\u00e4stehaus des Klosters. Mit der Zeit erfahren sowohl wir als auch unsere Familien meist eine Verbindung, die nicht durch h\u00e4ufige Kontakte gespeist wird, sondern weit tiefer ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/MonialesPontGC-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-836\" srcset=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/MonialesPontGC-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/MonialesPontGC-300x169.jpg 300w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/MonialesPontGC-768x432.jpg 768w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/MonialesPontGC-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/MonialesPontGC.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"La-cellule\">3. Die Zelle<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Einsiedelei oder <strong><em>Zelle<\/em><\/strong> ist eigentlich ein kleines Haus mit einem Garten. Sie ist mit allem Notwendigen ausgestattet, um allein zu leben und zu arbeiten, ohne sie verlassen zu m\u00fcssen. Das ist das Universum der Kart\u00e4userin. Essen, Schlafen, Arbeiten, Lesen und Beten haben keinen anderen \u00fcblichen Rahmen. Es ist der Ort der Gegenwart, des einsamen Gebets, der einsamen Arbeit&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Erscheinen die Stunden nicht endlos und die Tage langweilig? Sie w\u00e4ren es, wenn die Kart\u00e4userin mit sich selbst allein w\u00e4re. Doch sie ist nicht allein, sie liebt. Sie liebt einen verborgenen Gott, das ist wahr, aber seine sichere Gegenwart erf\u00fcllt sie mit Leben und Freude.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wenn Gott zu verschwinden scheint, was wird dann aus ihr? Wie soll sie die Einsamkeit und die W\u00fcste ertragen? F\u00fcr ihn hat sie alles verlassen, ohne ihn bleibt nur der Durst. Jesus lebte durch den Geist in der W\u00fcste, die Versuchung \u00fcberfiel ihn. Er hat sie besiegt und er gibt derjenigen, die ihm nachgefolgt ist, Kraft. Auf sein Wort hin und aus Liebe zu ihm hat sich die Schwester aufgemacht. In seinem Wort und aus Liebe verharrt sie, in Erwartung des Tages.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Glaube sagt ihr, dass Gott in der Bibel immer und jetzt zu ihr spricht. Christus in seiner frohen Botschaft. Christus in all ihren Br\u00fcdern, in all ihren Schwestern. Sie wei\u00df, dass das Schweigen Marias, die alle Dinge in ihrem Herzen betrachtete, eine unersch\u00f6pfliche Quelle des Lichts und der Kraft ist. Das hilft ihr Gott zu finden, der sich im Alltag verbirgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sieht der Alltag aus? Im Laufe der Tage nur Kleinigkeiten: eine Naht zu n\u00e4hen, ein Buch zu \u00f6ffnen, eine Mahlzeit zu sich zu nehmen. Einfach, aber Gott ist da. Auch in der Werkstatt in Nazareth gab es nichts au\u00dfer Bretter und Sp\u00e4ne, und Gott war da. Mit all ihrer Kraft glaubt ihm die Kart\u00e4userin. Sie widmet ihre ganze Aufmerksamkeit dem N\u00e4hen, dem Buch und dem Essen. Wird Gott ihr sagen, dass sie ihm dadurch Freude macht? Er sagt es, aber in einer solchen Stille, dass sie es oft nicht h\u00f6ren kann. Sie wei\u00df es durch den Glauben, wie Maria.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer gibt der Schwester die Gewissheit, dass sie sich in ihrer W\u00fcste nicht verirrt? Welche Wolke wird sie leiten? Die Hoffnung ist in ihr verankert: Sie glaubt, dass Gott Gutes aus B\u00f6sem ziehen und es zu seiner Ehre wenden kann. Jesus, im Gebet in der W\u00fcste oder auf dem Berg, war im Heiligen Geist ganz der Liebe seines Vaters hingegeben, wie auch der Liebe der Menschen. Die Kart\u00e4userin macht dieses Geheimnis gegenw\u00e4rtig. Ihre Lippen fl\u00fcstern die Psalmen und sie wei\u00df, dass sie das ganze Flehen und Loben des Menschensohns, das ganze menschliche Leiden und die menschliche Freude ausdr\u00fcckt. In Jesus erleidet sie jeden Schmerz. In ihm steht sie wieder auf und bringt die im Universum abgelegten Samen der Auferstehung zum Bl\u00fchen, Bitten und Loben. Ihre Zelle hallt wider von den Rufen der Welt. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie einige alte Schwestern zu sagen pflegten: \u201eGott wird dir entgegenkommen und dein Leben in der Einsamkeit zu einem besonderen Ort der Gemeinschaft machen\u201c. \u201eNach und nach verl\u00e4sst uns alles, aber Gott kommt&#8230;\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/moniale-en-priere-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-831\" srcset=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/moniale-en-priere-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/moniale-en-priere-300x169.jpg 300w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/moniale-en-priere-768x432.jpg 768w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/moniale-en-priere-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/moniale-en-priere.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"#toc_container\" class=\"returnToTop\"> nach oben \u2191 <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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