{"id":3638,"date":"2021-08-27T21:01:17","date_gmt":"2021-08-27T19:01:17","guid":{"rendered":"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/?page_id=3638"},"modified":"2023-05-03T15:16:58","modified_gmt":"2023-05-03T13:16:58","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/de\/geschichte\/","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<div id=\"toc_container\">\n<ul class=\"toc_list\">\n  <li><a href=\"#Les-origines\">1. Die Urspr\u00fcnge<\/a><\/li>\n  <li><a href=\"#evolutions-recentes\">2. J\u00fcngste Entwicklungen<\/a><\/li>\n  <li><a href=\"#Quelques-figures\">3. Einige Gestalten<\/a><\/li>\n        <ul><li><a href=\"#Sainte-Roseline-de-Villeneuve\">Heilige Rosalinde von Villeneuve<\/a><\/li>\n        <li><a href=\"#Bienheureuse-Beatrice-dOrnacieux\">Selige Beatrix von Ornacieux<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#Marguerite-doingt\">Marguerite d\u2019Oingt<\/a><\/li>\n   <\/ul>\n  <li><a href=\"#Les-maisons-au-cours-des-ages\">4. Die H\u00e4user im Laufe der Zeit<\/a><\/li>\n\n<\/ul>\n<\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"Les-origines\">1. Die Urspr\u00fcnge<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-medium is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Consecr-Vig-2-redim800-195x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-900\" width=\"246\" height=\"378\" srcset=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Consecr-Vig-2-redim800-195x300.jpg 195w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Consecr-Vig-2-redim800.jpg 520w\" sizes=\"auto, (max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Existenz der Kart\u00e4userinnen geht fast bis zu den Urspr\u00fcngen des Kart\u00e4userordens zur\u00fcck. Dieser weibliche Zweig hat den Orden seitdem immer begleitet. Er blickt auf eine Tradition von achteinhalb Jahrhunderten zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Heilige Bruno und seine Gef\u00e4hrten kamen im Jahr 1084 in die Ein\u00f6de von La Chartreuse. Sie suchten einen einsamen Ort, um die Tradition der alten W\u00fcstenv\u00e4ter im Abendland wiederzubeleben: ein Leben, das dem Gebet, der Einsamkeit, der Bekehrung und der Armut gewidmet war. Der Eifer und die Treue zur eremitischen Ausrichtung der allerersten Gemeinschaft sollten bald eine echte Ausstrahlung haben: Ab 1115 baten mehrere Gemeinschaften darum, sich der vom heiligen Bruno eingef\u00fchrten Lebensweise anzuschlie\u00dfen. Auf ihre Bitten und die des heiligen Bischofs Hugo von Grenoble hin verfasste Guigues, der f\u00fcnfte Prior der Chartreuse, die erste Regel der Kart\u00e4user, die <em>Gewohnheiten der Chartreuse<\/em>. Dieses 1127 fertiggestellte Werk ist bis heute die Grundlage der kartusianischen Gesetzgebung. Im Jahr 1140 trat das erste Generalkapitel unter der Leitung des heiligen Anthelm zusammen, das alle H\u00e4user durch das Band der Liebe vereint und dar\u00fcber wacht, dass die kartusianische Observanz \u00fcber die Zeitalter hinweg erhalten bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur gleichen Zeit, um 1145, baten die Nonnen von Pr\u00e9bayon in der Provence in S\u00fcdfrankreich, die nach einer lokalen Regel lebten und sich von dieser neuen Lebensweise angezogen f\u00fchlten, um die Aufnahme in den Kart\u00e4userorden. Sie wurden vom heiligen Anthelm, dem siebten Prior der Chartreuse, in den Orden aufgenommen, wodurch der weibliche Zweig des Ordens entstand. Seitdem bilden die Kart\u00e4userinnen mit den Kart\u00e4userm\u00f6nchen einen einzigen Orden unter der Leitung desselben Generalministers, dem Prior der Grande Chartreuse.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Entscheidung, zu einer gr\u00f6\u00dferen Einsamkeit \u00fcberzugehen, wurde vom seligen Johannes von Spanien (\u20201160), M\u00f6nch und Prior von Montrieux, unterst\u00fctzt und geleitet, der den Nonnen von Pr\u00e9bayon eine Abschrift der <em>Gewohnheiten der Chartreuse<\/em> gab. Als er nach Savoyen geschickt wurde, um das Kart\u00e4userkloster Le Reposoir zu gr\u00fcnden, kopierte er mehrere Jahre lang f\u00fcr die Nonnen die liturgischen B\u00fccher, die in der Kartause verwendet wurden. Schlie\u00dflich trug er zur Ratifizierung der Aufnahme der Nonnen in den Orden bei, vermutlich w\u00e4hrend des zweiten Generalkapitels im Jahr 1155, an dem er als Prior des Kart\u00e4userklosters Le Reposoir teilnahm. Seine Rolle war also entscheidend f\u00fcr die Annahme der vom heiligen Bruno initiierten Tradition durch die Nonnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00dcbernahme aller Merkmale der Kartause durch die Nonnen erfolgte schrittweise im Laufe der Jahrhunderte. Die Nonnen von Pr\u00e9bayon f\u00fchrten ein z\u00f6nobitisches Leben nach den damals \u00fcblichen Gebr\u00e4uchen in einer abgelegenen und einsamen Gegend, in der es jedoch keine Hinweise auf den Bau von Einsiedeleien gibt. Sie lebten nach einer monastischen Regel, die in der Tradition mit der des heiligen Caesarius von Arles in Verbindung gebracht wird, ohne dass es daf\u00fcr sichere Beweise gibt. Sie brachten die Tradition der Jungfrauenweihe mit. Dass sie in Schlafs\u00e4len schliefen, gemeinsam ihre Mahlzeiten einnahmen und arbeiteten, wird noch lange nach ihrem Beitritt zum Kart\u00e4userorden durch eine Verordnung des Generalkapitels von 1320 belegt, die unter anderem vorschreibt, dass \u201ejede allein schl\u00e4ft\u201c. Dieser \u00dcbergang vom Z\u00f6nobitentum zum Eremitentum durchlief Phasen der Anpassung, die den monastischen Lebensstand, die Verst\u00e4rkung der Klausur und die Bewahrung der Einsamkeit betrafen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"656\" src=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Consecr-Virg-1-redim1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-901\" srcset=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Consecr-Virg-1-redim1024.jpg 1024w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Consecr-Virg-1-redim1024-300x192.jpg 300w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Consecr-Virg-1-redim1024-768x492.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Jungfrauenweihe der Kart\u00e4userinnen, von Mathias von Visch (1748)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Nonnen hatten \u00fcber mehrere Jahrhunderte hinweg einen gr\u00f6\u00dferen Anteil an gemeinschaftlichem Leben als die M\u00f6nche. Durch aufeinander folgende Konstitutionen wurden die gleichen Prinzipien von Einsamkeit und Armut zunehmend gest\u00e4rkt. Diese entscheidende Ver\u00e4nderung kam im 17. Jahrhundert voll zur Geltung durch das Interesse von Dom Innocent Le Masson an den Nonnen seines Ordens, denen er als erster Generalprior eigene aus den Ordensstatuten abgeleitete Statuten sowie eine Reihe von Beschl\u00fcssen des Generalkapitels zukommen lie\u00df. Man ging nun von den <em>Antiqua Statuta<\/em> aus dem Jahr 1271, die nur zehn kurze Paragraphen \u00fcber die Nonnen enthielten, \u00fcber zu den <em>Statuten der Kart\u00e4user-Nonnen, abgeleitet aus den Ordensstatuten und einigen Beschl\u00fcssen der Generalkapitel<\/em>, verfasst von Dom Le Masson, um die Praktiken des Ordens, einschlie\u00dflich des weiblichen Zweiges, zu vereinheitlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kart\u00e4userinnen mussten in ihrer Geschichte die gleichen harten Pr\u00fcfungen durchstehen wie die M\u00f6nche. Im Jahr 1794 wurden aufgrund der Franz\u00f6sischen Revolution alle Kartausen f\u00fcr Frauen geschlossen; doch 1816 erweckten die wenigen Kart\u00e4userinnen, die \u00fcberlebt hatten, unter beschwerlichen Umst\u00e4nden den weiblichen Zweig des Ordens zu neuem Leben, ohne Unterbrechung bis heute.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"evolutions-recentes\">2. J\u00fcngste Entwicklungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Damals glaubte man, dass das weibliche Temperament nicht geeignet sei, die ganze Strenge der Einsamkeit der M\u00f6nche zu ertragen. Im Zuge der Erneuerung, die das Zweite Vatikanische Konzil um 1970 ausl\u00f6ste \u2013 aufgrund der dringenden Bitten der Nonnen, das kartusianische Leben in seiner ganzen F\u00fclle f\u00fchren zu k\u00f6nnen \u2013, kam es zu einer Entwicklung hin zu einem einsameren Leben, so dass das Leben der Nonnen heute mit dem der M\u00f6nche identisch ist. Seit 1973 haben sie auch ein eigenes Generalkapitel, das alle zwei Jahre in der Grande Chartreuse abgehalten wird, sowie eigene vollst\u00e4ndige Statuten, bleiben jedoch in organisatorischer und spiritueller Einheit mit den M\u00f6nchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der weibliche Zweig des Kart\u00e4userordens umfasst heute vier H\u00e4user in Europa: zwei in Frankreich (im Zentralmassiv und in der Provence), eines in Italien und eines in Spanien, sowie ein Haus in Korea. Auf den Spuren der ersten Kart\u00e4user, auf den Heiligen Geist h\u00f6rend und unterwiesen durch die Erfahrung, wollen die Kart\u00e4userinnen dem Charisma ihres Vaters, des heiligen Bruno, in der Nachfolge Christi treu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#toc_container\" class=\"returnToTop\"> nach oben \u2191 <\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"Quelques-figures\">3. Einige Gestalten<\/h3>\n\n\n\n<p>Viele Nonnen wurden unbemerkt in ihren Kartausen zu Heiligen, aber drei au\u00dfergew\u00f6hnliche Frauen haben einen Namen in der geistlichen und hagiographischen Geschichte des Kart\u00e4userordens hinterlassen, die wir kurz erw\u00e4hnen wollen:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"Sainte-Roseline-de-Villeneuve\"><strong>Heilige Rosalinde von Villeneuve<\/strong><\/h4>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ste-Roseline-par-Sublet-a-VA2-redim1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-894\" width=\"343\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ste-Roseline-par-Sublet-a-VA2-redim1024.jpg 685w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ste-Roseline-par-Sublet-a-VA2-redim1024-201x300.jpg 201w\" sizes=\"auto, (max-width: 343px) 100vw, 343px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die heilige Rosalinde, <br>von A. Sublet (um 1894)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Rosalinde wurde 1262 als Tochter von Giraud von Villeneuve, dem Lehnsherrn von Les Arcs, im Schloss von Les-Arcs-sur-Argens in der Provence, Frankreich, geboren. Schon als Kind fiel Rosalinde durch ihre Wohlt\u00e4tigkeit und ihre gro\u00dfe Liebe zu den Armen auf. Als Jugendliche unternahm sie mit ihrem Bruder eine Pilgerreise zur Abtei auf der Insel L\u00e9rins, wo die Begegnung mit dem Vater Abt ihre religi\u00f6se Berufung entschied. Einige Zeit sp\u00e4ter verzichtete sie auf die Pracht der Welt, um sich Gott als Ordensfrau im Kart\u00e4userorden zu weihen. Rosalinde begann ihr Leben als Nonne in der Kartause Saint-Andr\u00e9-de-Rami\u00e8res in der Di\u00f6zese Gap (Vaucluse), in die Anfang des 13. Jahrhunderts die allererste Gemeinschaft von Kart\u00e4user-Nonnen, die Gemeinschaft von Pr\u00e9bayon, umgezogen war. Sie schloss ihr Noviziat in der Kartause von Bertaud ab, in derselben Region. F\u00fcnf Jahre nach ihrer Ordensprofess schloss sich Rosalinde auf Wunsch ihrer alternden Tante Jeanne von Villeneuve, der ersten Priorin des Kart\u00e4userklosters La Celle-Roubaud in der N\u00e4he von Les-Arcs-sur-Argens, um 1285 diesem Kloster an, um dort endg\u00fcltig ihr Leben als kontemplative Nonne zu f\u00fchren. Ihr Leben war ein heiliges und reichlich ausgef\u00fclltes Leben, das sehr in ihrer Zeit verankert war. Um 1300 folgte sie ihrer Tante in der Leitung des Klosters nach und blieb Priorin bis zu ihrem R\u00fccktritt im Jahr 1325. Sie hatte eine gro\u00dfe Ausstrahlung sowohl innerhalb als auch au\u00dferhalb ihres Klosters, sowie einen gro\u00dfen Einfluss auf weltliche F\u00fcrsten und kirchliche W\u00fcrdentr\u00e4ger und damit auf die lokalen Ereignisse ihrer Zeit. Sie zog um sich und ihr Kloster herum den Segen Gottes an und man schrieb ihr einige Wunder zu, darunter die landwirtschaftlichen Ernten in der Region, die Heilung von Blinden oder die Befreiung ihres Bruders, des Ritters Helion, der w\u00e4hrend der Kreuzz\u00fcge gefangen genommen worden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie starb am 17. Januar 1329 im Alter von fast 67 Jahren. Als man ihren K\u00f6rper f\u00fcnf Jahre nach ihrem Tod exhumierte, fand man ihn unversehrt und die Augen so lebhaft und strahlend, als w\u00e4re sie noch am Leben. Bis zum heutigen Tag blieben ihre sterblichen \u00dcberreste im Zustand der Unverweslichkeit und wurden mehrmals an unterschiedliche Orte transferiert; heute wird sie in einem Schrein in einer Kapelle ihres Dorfes Les Arcs in der Provence verehrt, ebenso wie der Reliquienschrein mit ihren Augen. Ihre unverweste Pleura wird im Kloster der Grande Chartreuse aufbewahrt. Die ununterbrochene Verehrung durch die Gl\u00e4ubigen ist in der Di\u00f6zese Toulon-Fr\u00e9jus noch immer in Gange. Rosalinde ist die erste heiliggesprochene Kart\u00e4userin und ein Vorbild f\u00fcr die Vollkommenheit der Kart\u00e4user-Tugenden der Demut, der Reinheit, des Gebetsgeistes und der N\u00e4chstenliebe.<\/p>\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Pb060992ret-redim768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1837\" width=\"343\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Pb060992ret-redim768.jpg 584w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Pb060992ret-redim768-228x300.jpg 228w\" sizes=\"auto, (max-width: 343px) 100vw, 343px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sel. Beatrix von Ornacieux, <br>von P. Mignard (17. Jahrhundert) <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"Bienheureuse-Beatrice-dOrnacieux\"><strong>Selige Beatrix von Ornacieux<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Beatrix wurde um 1260 in Ornacieux als Tochter einer Adelsfamilie geboren. Im Alter von 13 Jahren trat sie in das Kart\u00e4userkloster von Parm\u00e9nie (Is\u00e8re, Frankreich) ein, das sie vom Schloss ihrer Familie aus sah. Dort gl\u00e4nzte sie durch ihre Tugenden, ihr Gebetsleben und eine gl\u00fchende Liebe zur Passion Christi, die sie dazu brachte, ein Leben von ungew\u00f6hnlich gro\u00dfer Selbstverleugnung zu f\u00fchren. Visionen, Ekstasen und \u00fcbernat\u00fcrliche Mitteilungen sowie innere und \u00e4u\u00dfere K\u00e4mpfe waren in ihrem Leben h\u00e4ufig anzutreffen. Sp\u00e4ter wurde sie zur Priorin ihrer Gemeinschaft. Im Jahr 1300 wurde sie ausgesandt, um das Kart\u00e4userkloster von Eymeux (Dr\u00f4me) zu gr\u00fcnden, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1303 lebte. Ihre sterblichen \u00dcberreste wurden um 1309 nach Parm\u00e9nie zur\u00fcckgebracht, wo sich ihr Grab im Laufe der Jahrhunderte einer volkst\u00fcmlichen Verehrung erfreute, die von Papst Pius IX. anerkannt wurde, der sie 1869 selig sprach. Ihr werden verschiedene Wunder w\u00e4hrend ihres Lebens und nach ihrem Tod zugeschrieben. Sie hinterlie\u00df die Spuren einer Heiligkeit, die wesentlich von der eucharistischen Kontemplation, einer z\u00e4rtlichen Verehrung der Jungfrau Maria und einer Mystik au\u00dfergew\u00f6hnlicher Ph\u00e4nomene gepr\u00e4gt war, in der Tradition der Kreuzesverehrung, die die abendl\u00e4ndische Spiritualit\u00e4t vom 13. bis zum 15. Jahrhundert pr\u00e4gte. Ihr Leben wurde kurz nach ihrem Tod von der Kart\u00e4userin Marguerite d&rsquo;Oingt aufgeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"Marguerite-doingt\"><strong>Marguerite d\u2019Oingt<\/strong><\/h4>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Milan-Marguerite01corr-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1736\" width=\"245\" height=\"467\" srcset=\"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Milan-Marguerite01corr-1.jpg 420w, https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Milan-Marguerite01corr-1-158x300.jpg 158w\" sizes=\"auto, (max-width: 245px) 100vw, 245px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Marguerite d&rsquo;Oingt, <br>von D. Crespi (1629)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Das Geburtsdatum von Marguerite ist nicht bekannt, wird aber auf etwa 1240 datiert. Sie geh\u00f6rte der Lyoner Adelsfamilie d&rsquo;Oingt an. Als Tochter des Gutsherrn Guichard hatte sie zwei Br\u00fcder und drei Schwestern, von denen zwei, wie sie selbst, Ordensfrauen wurden. Sie trat in das Kart\u00e4userkloster Poleteins in den Domben ein, indem sie einem g\u00f6ttlichen Ruf folgte und nicht \u2013 wie es damals oft der Fall war \u2013 um dem v\u00e4terlichen Willen zu gehorchen. Im Jahr 1288 wurde sie Priorin ihrer Gemeinschaft und blieb es bis zu ihrem Tod am 11. Februar 1310. Nach ihrem Tod wurde sie wie eine Selige verehrt, doch wurde diese Verehrung w\u00e4hrend der franz\u00f6sischen Revolution unterbrochen, als alle H\u00e4user der Kart\u00e4userinnen aufgel\u00f6st wurden. Diese Unterbrechung verhinderte, dass man sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts f\u00fcr die Seligsprechung vorschlagen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Marguerite hinterlie\u00df einige geistliche Schriften, die nicht nur aufgrund ihres Inhalts, sondern auch aus literarischer Sicht von gro\u00dfem Wert sind, da sie eines der wenigen Zeugnisse der frankoprovenzalischen Sprache sind, die im 13. Jahrhundert in Lyon gesprochen wurde. Als gebildete Frau, die sowohl auf Latein als auch in der Sprache des Volkes schrieb, war sie die erste Lyoner Autorin, die ihre Muttersprache gebrauchte, um ihre eigenen Gedanken niederzuschreiben. Zu ihren Werken geh\u00f6ren die <em>Meditationen<\/em> (auf Lateinisch verfasst), <em>Der Spiegel<\/em>, das <em>Leben der heiligen Beatrix, Jungfrau von Ornacieux<\/em>, und einige <em>Briefe<\/em>. Ihr Ziel war es nicht, etwas zu ver\u00f6ffentlichen, sondern die von Gott in ihrem Herzen erweckten Gedanken schriftlich festzuhalten, um sie nicht zu vergessen und mit Hilfe der Gnade erneut dar\u00fcber nachdenken zu k\u00f6nnen, wie sie selbst erkl\u00e4rt; oder auch um ihre Mitschwestern auf Wunsch ihres Beichtvaters zu erbauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Zentrum ihrer Spiritualit\u00e4t ist die Person Jesu aus einer br\u00e4utlichen Perspektive. Mit einer feinsinnigen und sehr weiblichen Sensibilit\u00e4t nennt Marguerite Christus \u201eMutter\u201c, denn die Leiden seiner Passion sind wie die Geburtswehen, die uns das Leben der Gnade erlangen. Christus wird auch in seiner Herrlichkeit als Auferstandener betrachtet, als leuchtender Spiegel der g\u00f6ttlichen Herrlichkeit. Marguerite ist von Demut durchdrungen und dr\u00fcckt sich in einer Sprache aus, die von der Heiligen Schrift sowie von der Liturgie und einigen gro\u00dfen geistlichen Gestalten ihres Jahrhunderts gen\u00e4hrt wird. Sie ist von Bedeutung f\u00fcr all jene, die sich f\u00fcr die Mystik interessieren: Papst Benedikt XVI. widmete ihr seine Generalaudienz vom 3. November 2010 und bezeichnete sie als \u201eheilige und weise Frau, die mit einem gewissen Humor eine ganz geistliche Sensibilit\u00e4t auszudr\u00fccken vermag\u201c; er zitierte ausf\u00fchrlich aus ihren Schriften, was deren Originalit\u00e4t und Qualit\u00e4t beweist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls zu nennen w\u00e4ren:<\/p>\n\n\n\n<p>Schwester <strong>Anne Griffon<\/strong> (\u20201641) aus dem Kart\u00e4userkloster von Gosnay (Pas-de-Calais), die gro\u00dfe mystische Gaben empfing. Und Mutter <strong>Albertine de Briois<\/strong>, Priorin des Kart\u00e4userklosters von Gosnay, die w\u00e4hrend der franz\u00f6sischen Revolution am 27. Juni 1794 in Arras als M\u00e4rtyrerin starb.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Wiederherstellung des weiblichen kartusianischen Lebens im Jahr 1816 und bis heute erhielten 18 Kart\u00e4userinnen nach ihrem Tod den lateinischen Titel \u201elaudabiliter vixit\u201c (\u201esie lebte lobenswert\u201c), die letzte von ihnen war Schwester Maria Veronica Caldirola aus der Kartause der Heiligen Herzen, die 2015 nach 78 Jahren im Orden als Hundertj\u00e4hrige starb. Ohne eine Quasi-Kanonisation zu sein, wird dieser Titel vom Generalkapitel mit einstimmigem Beschluss seiner Teilnehmer an Ordensm\u00e4nner und Ordensfrauen verliehen, die sich durch ihre Tugenden und ihre Ausstrahlung besonders hervorgetan haben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"Les-maisons-au-cours-des-ages\">4. Die H\u00e4user im Laufe der Zeit<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td><em><strong>Kartause<\/strong><\/em><\/td><td><em><strong>Patron(in)<\/strong><\/em><\/td><td><em><strong>Land<\/strong><\/em><\/td><td><em><strong>Daten<\/strong><\/em><\/td><\/tr><tr><td>Pr\u00e9bayon<br>(Saint-Andr\u00e9-de-Rami\u00e8res)<\/td><td><br><\/td><td>Vaucluse, Frankreich<\/td><td>1145?-1336<\/td><\/tr><tr><td>Bertaud<\/td><td>Unsere liebe Frau<\/td><td>Hautes-Alpes, Frankreich<\/td><td>1188-1446<\/td><\/tr><tr><td>Buonluogo<\/td><td>Unsere liebe Frau<\/td><td>Turin, Italien<\/td><td>1223-1303<\/td><\/tr><tr><td>Pr\u00e9mol<\/td><td>Unsere liebe Frau<\/td><td>Is\u00e8re, Frankreich<\/td><td>1234-1792<\/td><\/tr><tr><td>Poleteins<\/td><td>Selige Maria<\/td><td>Ain, Frankreich<\/td><td>1245?-1605<\/td><\/tr><tr><td>Parm\u00e9nie<\/td><td>Heilige Maria<\/td><td>Is\u00e8re, Frankreich<\/td><td>1257-1391<\/td><\/tr><tr><td>La Celle-Roubaud<\/td><td><br><\/td><td>Var, Frankreich<\/td><td>1260-1420<\/td><\/tr><tr><td>Belmonte di Busca<\/td><td><br><\/td><td>Turin, Italien<\/td><td>1274?-1285?<\/td><\/tr><tr><td>Bricherasio<\/td><td><br><\/td><td>Turin, Italien<\/td><td>1277?-1303<\/td><\/tr><tr><td>M\u00e9lan<\/td><td>Unsere liebe Frau<\/td><td>Haute-Savoyen, Frankreich<\/td><td>1282-1793<\/td><\/tr><tr><td>Salettes<\/td><td>Saal oder Hof-unserer-lieben-Frau<\/td><td>Is\u00e8re, Frankreich<\/td><td>1299-1792<\/td><\/tr><tr><td>Eymeux<\/td><td><br><\/td><td>Dr\u00f4me, Frankreich<\/td><td>1300-1309<\/td><\/tr><tr><td>Val de Susa<\/td><td><br><\/td><td>Susa, Italien<\/td><td>1323-1338<\/td><\/tr><tr><td>Mont-Sainte-Marie (Gosnay)<\/td><td>Heilige Maria<\/td><td>Pas-de-Calais, Frankreich<\/td><td>1329-1792<\/td><\/tr><tr><td>Bruges<\/td><td>Heilige Anna in der W\u00fcste (Sint-Anna-ter-Woestyne)<\/td><td>Flandern, Belgien<\/td><td>1348-1796<\/td><\/tr><tr><td>Murviedo&nbsp;?<\/td><td>Heiliger Geist<\/td><td>Valencia, Spanien<\/td><td>1389?-1610?<\/td><\/tr><tr><td>Les \u00c9couges (Le Revesti)<\/td><td>Unsere liebe Frau der Aufpasser (Excubiarum)<\/td><td>Provence, Frankreich<\/td><td>1391-1418<\/td><\/tr><tr><td>Durbon<\/td><td>Unsere liebe Frau<\/td><td>Hautes-Alpes, Frankreich<\/td><td>1446-1601<\/td><\/tr><tr><td>Beauregard<\/td><td>Heiliges Kreuz<\/td><td>Is\u00e8re, Frankreich<\/td><td>1822-1978<\/td><\/tr><tr><td>La Bastide-Saint-Pierre<\/td><td>Heilige Herzen von Jesus und Maria<\/td><td>Tarn-et-Garonne, Frankreich<\/td><td>1854-1903<\/td><\/tr><tr><td>Le Gard<\/td><td>Unsere liebe Frau vom Gard<\/td><td>Somme, Frankreich<\/td><td>1871-1906<\/td><\/tr><tr><td>Riva<\/td><td>Heilige Herzen von Jesus und Maria<\/td><td>Turin, Italien<\/td><td>1903-1998<\/td><\/tr><tr><td>San Francesco<\/td><td>Heiliger Antonius von Padua<\/td><td>Turin, Italien<\/td><td>1904-1994<\/td><\/tr><tr><td>Burdinne<\/td><td><br><\/td><td>Li\u00e8ge, Belgien<\/td><td>1906-1928<\/td><\/tr><tr><td>Nonenque<\/td><td>Kostbares Blut<\/td><td>Aveyron, Frankreich<\/td><td>1928-<\/td><\/tr><tr><td>Benifa\u00e7\u00e0<\/td><td>Unsere liebe Frau<\/td><td>Castell\u00f3n de la Plana, Spanien<\/td><td>1967-<\/td><\/tr><tr><td>Vedana<\/td><td>Heiliger Markus<\/td><td>Belluno, Italien<\/td><td>1977-1994; 1998-2013<\/td><\/tr><tr><td>Reillanne<\/td><td>Unsere liebe Frau<\/td><td>Haute-Provence, Frankreich<\/td><td>1978-<\/td><\/tr><tr><td>Dego<\/td><td>Dreifaltigkeit<\/td><td>Savone, Italien<\/td><td>1994-<\/td><\/tr><tr><td>Annonciation<\/td><td>Verk\u00fcndigung<\/td><td>S\u00fcdkorea<\/td><td>2002-<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n\n\n<p><a href=\"#toc_container\" class=\"returnToTop\"> nach oben \u2191 <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Die Urspr\u00fcnge 2. J\u00fcngste Entwicklungen 3. Einige Gestalten Heilige Rosalinde von Villeneuve Selige Beatrix von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3638","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3638"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3638\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3939,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3638\/revisions\/3939"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moniales\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}