{"id":6189,"date":"2021-12-15T16:45:57","date_gmt":"2021-12-15T15:45:57","guid":{"rendered":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/?page_id=6189"},"modified":"2021-12-15T18:37:26","modified_gmt":"2021-12-15T17:37:26","slug":"buch-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/de\/statuten\/buch-3\/","title":{"rendered":"Buch 3"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Buch 3<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c21\">Kapitel 21<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die t\u00e4gliche Feier der Liturgie<a href=\"\/moines\/de\/statuten\/buch-2#c20\">\u00ab<\/a><a href=\"#c22\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Nach den Ausf\u00fchrungen \u00fcber das pers\u00f6nliche Leben des M\u00f6nches, der in der Zelle und bei der Arbeit auf Gott lauscht, wollen wir nun mit Gottes Hilfe vom Konvent sprechen. Die Gnade des Heiligen Geistes ver\u00adeinigt die Einsiedler n\u00e4mlich so miteinander, da\u00df sie in der Liebe zu einer Gemeinschaft nach dem Bild der Kirche werden, die an vielen Orten als die Eine be\u00adsteht.<\/li><li>Als unser heiliger Vater Bruno zusammen mit sechs Gef\u00e4hrten die Ein\u00f6de betrat, folgte er den Spuren jener alten M\u00f6nche, die sich ganz dem Schweigen und der Armut im Geiste hingaben. Jedoch bestand die besondere Gnade unserer V\u00e4ter darin, da\u00df sie in diese Lebensform die t\u00e4gliche Liturgie einf\u00fchrten. Diese sollte ihr Leben ausdr\u00fccklicher mit dem Lobgesang, den Christus, der Hohepriester, seiner Kirche \u00fcbergeben hat, vereini\u00adgen, jedoch ohne da\u00df etwas von der Strenge des Einsied\u00adlerlebens verlorenging. Wir bewahren sie als die uns eigent\u00fcmliche Liturgie, da sie dem beschaulichen und einsamen Leben entspricht.<\/li><li>Wie bei den gottesdienstlichen Zusammenk\u00fcnften der alten M\u00f6nche haben in unserer Liturgie die Nachtwachen mit dem folgenden Morgenlob, die gemein\u00adschaftliche Feier der Eucharistie und das Abendlob den Vorrang. Zu diesen Offizien versammeln wir uns in der Kirche. A Wenn wir uns zur Feier der Eucharistie versammeln, findet die Einheit der Kart\u00e4userfamilie im gegenw\u00e4rtigen und betenden Christus ihre Vollendung. Diese Ged\u00e4chtnisfeier des Herrenopfers vereinigt jeden Tag alle Zellenm\u00f6nche und jene Br\u00fcderm\u00f6nche, die es w\u00fcn\u00adschen. Au\u00dferdem feiern die Priester in Vereinigung mit der ganzen Kirche das Eucharistische Opfer in der Ein\u00adsamkeit. Dann wird das dem\u00fctige Opfer ihres Lebenswan\u00addels in der W\u00fcste in Christus hineingenommen zur Ehre Gottes des Vaters. An Tagen, an denen das gemeinsame Leben mehr ge\u00adpflegt wird, k\u00f6nnen die M\u00f6nche, vereint in dem einen Priestertum, konzelebrieren.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"5\"><li>W\u00e4hrend des Nachtoffiziums verharren wir auf g\u00f6tt\u00adlichem Wachtposten. Dabei warten wir auf die R\u00fcck\u00adkehr des Herrn, um ihm sogleich zu \u00f6ffnen, sobald er anklopft. Das Abendlob aber wird zu einem Zeitpunkt gesungen, da der Tag sich neigt und die Seele zum geistlichen Sabbat einl\u00e4dt.<\/li><li>Die \u00fcbrigen kanonischen H\u00f6ren der Liturgie beten wir f\u00fcr gew\u00f6hnlich in der Zelle. An Sonntagen und Hochfesten jedoch singen wir die Terz, Sext und Non im Chor.<\/li><li>Die in der Verborgenheit der Zelle gefeierte Li\u00adturgie ist dem einsamen Leben, das in der Freiheit der Seele besteht, angepa\u00dft. So kann sie am besten mit der Neigung des Herzens \u00fcbereinstimmen und ist dennoch immer eine Handlung unseres gemeinsamen Lebens. Auf den Klang der Glocke hin beten alle gleichzeitig und machen so das ganze Haus zu einem einzigen Lob der Herrlich\u00adkeit Gottes.<\/li><li>Bei der Feier des g\u00f6ttlichen Offiziums werden die M\u00f6nche Stimme und Herz der Kirche. Diese bringt durch sie Gott dem Vater in Christus den Kult der Anbetung, des Lobes und der F\u00fcrbitte dar und fleht f\u00fcr die S\u00fcnden dem\u00fctig um Verzeihung. Diese wichtige Aufgabe erf\u00fcllen die M\u00f6nche zwar durch ihr ganzes Leben, aber ausdr\u00fccklicher und \u00f6ffentlich tun sie es durch die Feier der heiligen Liturgie.<\/li><li>Der M\u00f6nch ist verpflichtet, best\u00e4ndig die Heiligen Schriften zu betrachten, bis sie ihm gleichsam zur Natur werden. Darum nehmen wir sie an als Brot Christi, wenn sie uns in der heiligen Liturgie durch die Kirche dargeboten werden.<\/li><li>Die Liturgie im Konvent wird immer gesungen. Der uns eigene Gregorianische Gesang ist ein altes und stets bewahrtes Erbgut unseres Ordens. Wir wissen, da\u00df er die Innerlichkeit und N\u00fcchternheit des Geistes f\u00f6rdert.<\/li><li>Die Zellenm\u00f6nche sind an die Form des heiligen Offiziums gebunden, wie sie in unseren litur\u00adgischen B\u00fcchern beschrieben ist. Die Teilnahme der Br\u00fcderm\u00f6nche an der heiligen Liturgie kann jedoch auf verschiedene Weise geschehen, wie an anderer Stelle gesagt wird (49.10); aber auch sie vollziehen in jedem Fall das \u00f6ffentliche Gebet der Kirche.<\/li><li>Neben dem g\u00f6ttlichen Offizium haben uns unsere V\u00e4ter das Offizium der Seligen Jungfrau Maria \u00fcberliefert, dessen H\u00f6ren f\u00fcr gew\u00f6hnlich der entspre-,chenden H\u00f6re des g\u00f6ttlichen Offiziums vorangehen. Durch [dieses Gebet feiern wir das stets neue Geheimnis, durch die Selige Jungfrau geistigerweise Christus in den fHerzen gebiert.<\/li><li>Da uns der Herr dazu berufen hat, vor ihm alle Gesch\u00f6pfe zu vertreten, m\u00fcssen wir f\u00fcr alle F\u00fcr-1 bitte einlegen: f\u00fcr unsere Br\u00fcder, Verwandten, Wohl-\u00bbt\u00e4ter und alle Lebenden und Verstorbenen.<\/li><li>Wir feiern h\u00e4ufig die Liturgie der Wiedervers\u00f6h\u00adnung, durch die das immerw\u00e4hrende Ostergeheimnis des Herrn uns S\u00fcnder, die wir sein Angesicht suchen, erneuert. Vom eifrigen und gewissenhaften pers\u00f6nlichen Empfang des Bu\u00dfsakramentes h\u00e4ngt n\u00e4mlich unser geistli\u00adches Leben ab.<\/li><li>Da es unsere Berufung ist, ohne Unterla\u00df vor Gott zu wachen, wird unser ganzes Leben gleichsam zu einer einzigen Liturgie. Bei gewissen Gelegenheiten geschieht dies nun ausdr\u00fccklicher, sei es, da\u00df wir im Namen der Kirche in vorgeschriebener Weise Gebete dar\u00adbringen, sei es, da\u00df wir der Eingebung des eigenen Herzens folgen. Aber durch diese Verschiedenheit werden wir nicht gespalten; denn derselbe Herr \u00fcbt in uns stets sein Priestertum aus, indem er durch denselben Geist zum Vater betet.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c22\">Kapitel 22<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Das Gemeinschaftsleben<a href=\"#c21\">\u00ab<\/a><a href=\"#c23\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Durch das einsame Leben in der Zelle oder in den Obedienzen wird das Herz vom Feuer der g\u00f6ttlichen Liebe entflammt und gen\u00e4hrt. Sie ist das Band der Vollkommenheit und macht uns zu Gliedern eines einzigen Leibes. Diese gegenseitige Liebe k\u00f6nnen wir, wenn wir zu den festgesetzten Zeiten zusammenkommen, in Wort und Tat freudig unter Beweis stellen und dabei uns selbst zugunsten der Mitbr\u00fcder verleugnen.<\/li><li>Die heilige Liturgie ist der w\u00fcrdigste Teil des gemeinschaftlichen Lebens; sie schafft am meisten Gemeinschaft unter uns, wenn wir, t\u00e4glich vereint, so an ihr teilnehmen, da\u00df wir einm\u00fctig vor Gott stehen k\u00f6nnen.<\/li><li>Ein Ort von nicht geringer W\u00fcrde ist der Kapitel\u00adsaal des Hauses. Dort, wo ein jeder einstmals als dem\u00fctigster Diener aller aufgenommen wurde, bekennt er vor den Br\u00fcdern die seitdem begangenen Fehler. Dort h\u00f6ren wir die heilige Lesung und beraten uns \u00fcber alles, was sich auf das Gemeinwohl bezieht.<\/li><li>An einigen Hochfesten kommen wir alle im Kapitel\u00adsaal zusammen, um die Predigt zu h\u00f6ren, die der Prior oder ein anderer in seinem Auftrag h\u00e4lt.<br>An Sonntagen und Hochfesten begeben wir uns nach der Non in den Kapitelsaal, um aufmerksam die Lesung aus dem Evangelium oder aus den Statuten zu vernehmen; ausgenommen sind die Hochfeste Weihnachten, Ostern und Pfingsten sowie alle Hochfeste, die auf einen Wochentag der Fastenzeit fallen. Jede zweite Woche oder einmal im Monat &#8211; nach dem jeweiligen Brauch der H\u00e4user &#8211; bekennen wir dort \u00f6ffentlich unsere Fehler. Jeder kann sich seiner Fehler gegen die Mitbr\u00fcder, die Statuten oder auch gegen die allgemeine Pflicht als Diener Gottes anklagen. Wer aber das Stillschweigen gebrochen hat, soll das Vergehen jedesmal anklagen und eine dem Brauch entsprechende \u00f6ffentliche Bu\u00dfe verrichten; denn die Einsamkeit des Herzens wird nur durch die Mauer des Stillschweigens gesch\u00fctzt. Nach der Anklage hat der Prior g\u00fcnstige Gelegenheit, Ermahnungen zu geben.<\/li><li>Die Br\u00fcder versammeln sich am Sonntag zu einer passenden Zeit im Kapitelsaal oder an einem ande\u00adren Ort. Dort werden ihnen die Statuten vorgelesen und erkl\u00e4rt, oder ein vom Prior bestimmter Pater unterweist sie in der christlichen Glaubenslehre. Sie bekennen ebenfalls ihre Fehler, wenn sie nicht schon zusammen mit den Patres am Kapitel teilgenommen haben.<\/li><li>Der Prior l\u00e4\u00dft die M\u00f6nche in den Kapitelsaal kom\u00admen, sooft \u00fcber eine Angelegenheit entschieden werden soll oder er den Rat des Konventes w\u00fcnscht.<\/li><li>An Sonntagen und Hochfesten essen wir im Refekto\u00adrium gemeinsam zu Mittag. An diesen Tagen kommen wir \u00f6fters zusammen und haben Gelegenheit, Trost aus dem Familienleben zu sch\u00f6pfen. Das Refektorium, das wir nach dem Offizium in der Kirche betreten, ruft uns das durch Christus geheiligte Abendmahl in Erinnerung. Dort gibt der Priester, der die Konventmesse gefeiert hat, den Tischsegen, und w\u00e4hrend wir die leibliche Speise einnehmen, weiden wir uns zugleich an der geistlichen Lesung.<\/li><li>Den Patres wird eine gemeinsame Unterhaltung nach dem auf die Non folgenden Kapitel gew\u00e4hrt; den Br\u00fcdern, die es w\u00fcnschen, an jedem Hochfest; doch ent\u00adscheidet dar\u00fcber der Prior. Einmal im Monat aber ist f\u00fcr alle Br\u00fcder eine gemeinsame Unterhaltung. An diesem Tag k\u00f6nnen mit Zustimmung des Priors Patres und Br\u00fcder gemeinsame Erholung haben. Dazu k\u00f6nnen auch die Novizen und Jungprofessen gerufen werden.<\/li><li>Bei der gemeinsamen Erholung sollen wir uns an den Rat des Apostels erinnern, uns . zu freuen, eines Sinnes zu sein und in Frieden zu leben, damit der Gott der Liebe und des Friedens bei uns bleibe. Die gemein\u00adsame Unterhaltung ist die Zusammenkunft des Konvents an einem Ort. Daher sollen wir es vermeiden beiseite zu gehen und, von einigen Worten abgesehen, nur dort sprechen, wo alle beisammen sind.<\/li><li>Wie der heilige Bruno sagt, wird der allzu schwa\u00adche Geist, wenn er durch die strenge Zucht und das geistliche Bem\u00fchen erm\u00fcdet ist, oft durch die Lieblich\u00adkeit der Ein\u00f6de und die Sch\u00f6nheit der Flur aufgerichtet und neu belebt. Daher gehen die Patres einmal in der Woche spazieren, ausgenommen die Karwoche. Die Br\u00fcder aber haben einmal im Monat einen Spaziergang. Die Teil\u00adnahme ist ihnen freigestellt; sie sollen sich aber wenigstens drei- bis viermal im Jahr daran beteiligen. Bei diesem Spaziergang k\u00f6nnen nach dem Urteil des Priors Patres und Br\u00fcder zusammen gehen.<\/li><li>Nach alter Gepflogenheit im Orden wird einmal j\u00e4hrlich ein gr\u00f6\u00dferer Spaziergang gestattet. Wenn es dem Prior angezeigt scheint, k\u00f6nnen dabei Patres und Br\u00fcder und auch die Novizen und Jungprofessen zusammen gehen. An diesem Tag d\u00fcrfen wir die vom Generalkapitel bewilligten Spaziergangsgrenzen \u00fcberschreiten und k\u00f6nnen auch etwas Mundvorrat mitnehmen. Doch soll auch auf diesem Spaziergang die kartusianische Einfachheit gewahrt werden, und zum Essen sollen wir uns weit genug von Fremden entfernen. Au\u00dferdem kann der Prior noch einen zweiten \u00e4hnlichen Spaziergang erlauben, auf dem wir jedoch nicht essen.<\/li><li>Unsere Spazierg\u00e4nge sollen dazu dienen, da\u00df sie die Einheit unserer Seelen und ihren geistlichen Fortschritt f\u00f6rdern. Darum sollen alle denselben Weg zusammen gehen, damit abwechselnd ein jeder mit dem anderen sprechen kann. Scheint es aber aus einem ver\u00adn\u00fcnftigen Grund besser, kann man auch zwei oder drei Gruppen bilden. Mu\u00df man unterwegs notgedrungen durch benachbarte D\u00f6rfer gehen, soll man sich damit begn\u00fcgen durchzugehen und gro\u00dfe Bescheidenheit wahren. Niemals soll man die H\u00e4user von Weltleuten betreten. Man soll sich mit Fremden in kein Gespr\u00e4ch einlassen und nichts an sie verteilen. Auf den Spazier gangen soll man auch nicht essen oder trinken au\u00dfer frisches Wasser, falls man an einen Brunnen kommt.<\/li><li>Diese Unterhaltungen sind eingef\u00fchrt, damit sie die gegenseitige Liebe f\u00f6rdern und eine Hilfe f\u00fcr die Einsamkeit -bieten. Wir sollen uns in acht nehmen vor Geschw\u00e4tzigkeit, Schreien und ungeb\u00fchrlichem La\u00adchen. Unsere Gespr\u00e4che seien weder leer noch weltlich, sondern gottbezogen. Selbst den blo\u00dfen Anschein von \u00fcbler Nachrede oder Murren sollen wir sorgf\u00e4ltig mei\u00adden. Bei Meinungsverschiedenheiten sollen wir f\u00e4hig sein, auf den anderen zu h\u00f6ren, und uns bem\u00fchen, seine Ansicht zu verstehen, damit das Band der Liebe unter allen Umst\u00e4nden fester werde.<\/li><li>Dreimal j\u00e4hrlich haben die Patres nach der Ent\u00adscheidung des Priors gemeinsame Arbeiten, der sie auch ausfallen lassen kann. Diese Arbeiten, die sich bis zu drei Tagen hinziehen k\u00f6nnen, verrichten sie ge\u00admeinschaftlich zwischen Non und Vesper unter Wahrung des Stillschweigens, wie oben gesagt (5.6). Au\u00dfer den Arbeiten f\u00fcr den Sakristan kann der Prior auch eine Arbeit anordnen, die den Br\u00fcdern Erleichterung ver\u00adschafft. Dann sollen sich die Patres \u00fcber die erhaltene Gelegenheit freuen, am Dienst der Br\u00fcder teilzunehmen. In der Woche der gemeinsamen Arbeiten kann jeder Pater dem Spaziergang fernbleiben.<\/li><li>Jene Patres, die es wollen, k\u00f6nnen auch einmal im Monat mit Zustimmung des Priors die Spaziergangs\u00adzeit f\u00fcr eine Arbeit \u00e4hnlich den gemeinsamen Arbeiten verwenden. Dabei ist es jedoch erlaubt, sich zu unter\u00adhalten.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c23\">Kapitel 23<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Der Prior<a href=\"#c22\">\u00ab<\/a><a href=\"#c26\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die Wahl des Priors<\/h4>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Jedes Haus des Ordens mit wenigstens sechs wahl\u00adberechtigten Professen kann seinen Prior w\u00e4hlen. Doch hat die Wahl innerhalb von vierzig Tagen zu geschehen. Ist diese Zeit verstrichen, \u00fcbernimmt der Reverendus Pater oder das Generalkapitel die Sorge f\u00fcr einen neuen Prior.<br>Aktives Stimmrecht f\u00fcr die Wahl haben alle feier\u00adlichen Prof essen, die im Haus wohnen, nach Ma\u00dfgabe von Kapitel 38.2.<\/li><li>Als erstes entscheidet der Konvent in geheimer Ab\u00adstimmung (nach Ma\u00dfgabe von Canon 119 2\u00b0), ob er w\u00e4hlen will. Will er das nicht, sorgt das Generalkapi\u00adtel oder der Reverendus Pater f\u00fcr das verwaiste Haus. Schreitet der Konvent zur Wahl, mu\u00df der k\u00fcnftige Prior mehr als die H\u00e4lfte aller tats\u00e4chlich abgegebenen W\u00e4hlerstimmen auf sich vereinigen. Ist nach dem vierten Wahlgang noch keiner gew\u00e4hlt, bestellt der Reverendus Pater dem Haus einen Hirten (vgl. 38.1, 14 und 15).<\/li><li>Die Best\u00e4tigung der Wahl geschieht durch zwei vom Generalkapitel oder vom Reverendus Pater beauf\u00adtragte M\u00f6nche, wie im 38. Kapitel der Statuten darge\u00adlegt wird; in diesem Kapitel sind auch besondere Richt\u00adlinien f\u00fcr die Form der Wahl enthalten.<\/li><li>Es kann nicht gew\u00e4hlt werden, wer nicht zum Prie\u00adster geweiht ist, wer noch nicht f\u00fcnf Jahre nach der Ablegung der feierlichen Profe\u00df im Orden gelebt hat und wer durch irgendeines von den in Kapitel 38.7 genannten besonderen Hindernissen betroffen ist.<br>Kein Prior aber kann sein Amt niederlegen, wenn er nicht Barmherzigkeit erhalten hat.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das Dienstamt des Priors<\/h4>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"5\"><li>Der Prior ist nach dem Beispiel Christi unter sei\u00adnen Br\u00fcdern wie einer, der dient, und er leitet sie im Geist des Evangeliums und gem\u00e4\u00df der Art des Ordens, die ihm selbst \u00fcberliefert worden ist. Er soll allen durch Wort und Wandel zu n\u00fctzen suchen. In beson\u00adderer Weise soll er den Zellenm\u00f6nchen, aus deren Reihe er genommen ist, das Beispiel der Ruhe, der Best\u00e4ndig\u00adkeit, der Einsamkeit und der anderen \u00dcbungen ihres Lebens geben.<\/li><li>Sein Platz, wo immer er ihn einnimmt, und seine Kleidung unterscheiden ihn sozusagen in nichts durch Ehrenstellung und Prunk von den anderen. Auch tr\u00e4gt er nichts an sich, was ihn als Prior erkenntlich macht.<\/li><li>Dem Prior obliegt die sch\u00f6ne und w\u00fcrdige Gestal\u00adtung des Gottesdienstes, wie in den liturgischen B\u00fcchern der Statuten gesagt werden wird.<\/li><li>Als gemeinsamer Vater aller im Kloster bezeige der Prior Br\u00fcdern und Patres die gleiche Sorge und be\u00adsuche sie hin und wieder in ihren Zellen und Obedien-zen. Mit aller Liebe nehme er auf, wer zu seiner Zelle kommt, und h\u00f6re jeden immer bereitwillig an. Er verhal\u00adte sich so, da\u00df die M\u00f6nche, zumal in ihrer Tr\u00fcbsal, bei ihm wie am g\u00fctigen Herzen eines Vaters Zuflucht suchen und auch, wenn sie es w\u00fcnschen, ihm frei und von sich aus ihr Herz er\u00f6ffnen k\u00f6nnen. Nicht nach Menschenweise urteilend, sei er bestrebt, mit seinen M\u00f6nchen auf den Geist zu horchen durch die gemeinsame Suche nach dem Willen Gottes, den er gem\u00e4\u00df seinem Auftrag seinen Br\u00fcdern auslegen soll.<\/li><li>Der Prior darf nicht die kl\u00f6sterliche Zucht lok\u00adkern, um sich beliebt zu machen. Das hie\u00dfe nicht, die Herde h\u00fcten, sondern verderben. Vielmehr soll er die M\u00f6nche als Kinder Gottes leiten und ihre freiwilli\u00adge Unterordnung f\u00f6rdern, damit sie sich in der Einsam\u00adkeit dem gehorsamen Christus vollkommener gleichgestal\u00adten.<\/li><li>Die M\u00f6nche ihrerseits sollen ihren Prior in Chri\u00adstus lieben und achten und ihm stets dem\u00fctigen Gehorsam entgegenbringen. Sie sollen dem, der im Herrn die F\u00fcrsorge f\u00fcr ihre Seelen \u00fcbernommen hat, Vertrauen schenken und alle Sorge auf ihn werfen, der als Stell\u00advertreter Christi gilt. Sie sollen sich nicht selbst f\u00fcr weise halten und nicht auf eigene Klugheit bauen, sondern ihr Herz der Wahrheit zuneigen und auf die Mahnungen ihres Vaters h\u00f6ren.<\/li><li>Die jungen M\u00f6nche, die in der Gemeinschaft der Professen mit feierlichen Gel\u00fcbden zu leben begin\u00adnen, die Konversen, die eben die feierlichen Gel\u00fcbde abgelegt haben, die Donaten, die nicht mehr unter der Obhut des Novizenmeisters stehen, sie alle darf der Prior nicht sich selbst und der Willk\u00fcr ihres Eigen\u00adwillens \u00fcberlassen. Denn erfahrungsgem\u00e4\u00df ist in diesen Jahren unsere Berufung am meisten gef\u00e4hrdet, und das ganze sp\u00e4tere Leben h\u00e4ngt von ihnen ab. Vielmehr stehe ihnen der Prior in schlichtem pers\u00f6nlichem Gespr\u00e4ch wie ein Vater, ja wie ein Bruder hilfreich zur Seite. Nach M\u00f6glichkeit vermeide er es auch, die M\u00f6nche nach abge\u00adschlossenem Studium zu schnell in \u00c4mter, zumal in das des Prukurators, einzusetzen.<\/li><li>Der Prior achte darauf, da\u00df den Br\u00fcdern regelm\u00e4\u00dfig Kapitel gehalten wird. Ferner trage er daf\u00fcr Sor\u00adge, da\u00df ihnen einmal in der Woche die christlichen Glaubenswahrheiten oder die Statuten erkl\u00e4rt werden. Und da dies seine strenge Pflicht ist, wache er mit Flei\u00df dar\u00fcber, da\u00df die Br\u00fcder eine gediegene Ausbildung erhalten und ihnen daf\u00fcr passende B\u00fccher zur Verf\u00fcgung gestellt werden.<\/li><li>Er nehme sich auch der Kranken, Versuchten und Ge\u00adpr\u00fcften an, hat er doch selbst erfahren, wie schwer uns mitunter die Einsamkeit fallen kann.<\/li><li>Die Exklaustrierten und selbst jene, die den Orden vielleicht von sich aus verlassen haben, umfasse er mit t\u00e4tiger Liebe und helfe ihnen nach Kr\u00e4ften, den Willen Gottes zu erkennen und zu befolgen. Immer sei er bereit, sie liebevoll aufzunehmen, doch lasse er sie nicht unterschiedslos mit allen verkehren.<\/li><li>Weil die B\u00fccher unsere st\u00e4ndige Seelenspeise sind, soll der Prior sie seinen M\u00f6nchen bereitwillig ge\u00adw\u00e4hren. Vor allem sollen sie in der Heiligen Schrift, bei den Kirchenv\u00e4tern und anerkannten monastischen Schriftstellern ihre Weide finden. Daneben gestatte er ihnen auch andere gediegene B\u00fccher, die sorgsam zum Nutzen eines jeden ausgew\u00e4hlt wurden. Denn in der Ein\u00adsamkeit betreiben wir die Lesung nicht deshalb, um uns \u00fcber alle beliebigen neuen Lehrmeinungen zu unterrich\u00adten, sondern damit der Glaube in Frieden gen\u00e4hrt und das Gebet gef\u00f6rdert wird. Wenn n\u00f6tig, kann der Prior seinen M\u00f6nchen auch ein Buch verbieten.<\/li><li>Der Prior mu\u00df die oberste Leitung \u00fcber die Angele\u00adgenheiten und Gesch\u00e4fte seines Hauses innehaben und in jeder Hinsicht die allgemeine F\u00fcrsorge und Auf\u00adsicht besitzen. Er soll die G\u00fcter den Absichten Gottes, seinem Gewissen und dem Geist des Ordens entsprechend weise verwalten und gewissenhaft daf\u00fcr sorgen, da\u00df keine nutzlosen Ausgaben gemacht werden. Dennoch darf ihn die eifrige Sorge um die zeitlichen Dinge nicht derart belasten, da\u00df er sich den geistlichen Belangen nicht mehr geb\u00fchrend widmen kann. Darum sei er bem\u00fcht, die einzelnen Obedienzen solchen Amtstr\u00e4gern zuzuwei\u00adsen, deren Obhut er sie sicher anvertrauen kann.<\/li><li>Als Oberer eines im Sinne der Statuten selbst\u00e4ndi\u00adgen Klosters ist der Prior damit auch h\u00f6herer Obe\u00adrer im Sinne des Kirchenrechts. Ihm steht es zu, alle Amtstr\u00e4ger, Patres wie Br\u00fcder, nach reiflicher \u00dcberle\u00adgung einzusetzen, abzusetzen oder auszutauschen. Auch die Visitatoren k\u00f6nnen ihn au\u00dferhalb der Visitation nicht daran hindern. Bei der Vergebung einer Obedienz aber soll er andere zu Rate ziehen, besonders diejeni\u00adgen, in deren Gemeinschaft jener lebte, dem er das Amt anzuvertrauen gedenkt. Auch dem Betreffenden gestatte er gern, seine Meinung zu \u00e4u\u00dfern, bevor etwas festge\u00adsetzt wird.<\/li><li>Wer f\u00fcr ein Amt bestimmt wird, gehorche einf\u00e4ltig dem Auftrag, im Wissen, da\u00df er durch sein Str\u00e4uben nicht allein den Gehorsam, sondern zuweilen auch die Liebe zum Prior verletzen w\u00fcrde, der oft die Last schwerer Sorgen tr\u00e4gt. Er erblicke in seiner Anordnung ein Zeichen des g\u00f6ttlichen Willens, nehme die B\u00fcrde auf sich und wirke mit dem Prior nach Kr\u00e4ften zusammen, im Bewu\u00dftsein, damit zum Aufbau des Leibes Christi nach Gottes Absicht beizutragen.<\/li><li>Der Prior bestrebe sich aber, nur nach R\u00fccksprache und im Einvernehmen mit den Amtstr\u00e4gern \u00fcber wich\u00adtige Angelegenheiten, die in ihren Aufgabenbereich fallen, eine Entscheidung zu f\u00e4llen. Diese hingegen sollen sich seinen Anordnungen immer mit kindlicher Gesinnung unterwerfen. Der Prior suche sie und ihre Schwierigkeiten mit v\u00e4terlichem Herzen kennenzulernen; er sei ihnen behilflich und f\u00f6rdere ihr allgemeines Ansehen. Wenn es sein mu\u00df, tadle er sie liebevoll. Er verhalte sich so, da\u00df es nicht den Anschein hat, er sei nur um die \u00e4u\u00dfere Ordnung besorgt, sondern, auch seinerseits dem Geist gehorsam, erweise er allen die Liebe Christi. Denn der Friede und die Eintracht im Haus h\u00e4ngen zum Gro\u00dfteil davon ab, da\u00df gerade die Amtstr\u00e4ger mit dem Prior einm\u00fctig und eintr\u00e4chtig sind.<\/li><li>Eine Erlaubnis, die der Prior abgeschlagen hat, kann der Vikar oder der Prokurator sp\u00e4ter nicht mehr erteilen, au\u00dfer in einem neuen dringenden Fall. Daher mu\u00df der Bittsteller auch ungefragt angeben, da\u00df der Prior ihm die Erlaubnis verweigert hat. Ebenso mu\u00df jemand, wenn er eine Erlaubnis, die der Vikar oder Prokurator verweigert hat, sp\u00e4ter vom Prior erfragen will, diesen von der Ablehnung in Kenntnis setzen.<\/li><li>Gesch\u00e4fte, die ein anderer besorgen kann, soll der Prior nicht selbst erledigen. Sein st\u00e4ndiger Platz sei im Haus bei denen, aus deren Mitte er genommen wurde, und er verlasse das Haus nur, wenn eine wirk\u00adliche Notwendigkeit ihn dazu dr\u00e4ngt. Vom Beginn des Advents bis zum ersten Tag nach Erscheinung und von Quinquagesima bis nach der Oktav von Ostern bedarf es wegen der strengeren Bewachung seiner selbst und der gr\u00f6\u00dferen Sorge f\u00fcr seine Herde einer noch dringenderen Notwendigkeit zum Ausgehen.<\/li><li>Der Prior speise in seinem Haus nicht wahllos und beliebig mit G\u00e4sten, sondern nur mit Personen, de\u00adnen er dies nicht gut abschlagen kann. Und auch dann gilt: Je seltener er dies tut, desto besser.<\/li><li>Ist ein Prior wegen Alter oder Krankheit nicht mehr in der Lage, seine Herde zu weiden und ihr das Beispiel eines regeltreuen Lebens zu geben, so er\u00adkenne er dies dem\u00fctig an und begehre, ohne das n\u00e4chste Generalkapitel abzuwarten, vom Reverendus Pater Barm\u00adherzigkeit. Die Definitoren ermahnen wir aber, keinen im Priorenamt zu belassen, der durch Alter oder Krank\u00adheit hinf\u00e4llig geworden ist.<\/li><li>Der Rektor eines Ordenshauses nimmt die Profe\u00df der M\u00f6nche entgegen.Beiseinem Amtsantritt verspricht man ihm zwarkeinenGehorsam,doch gehorcht man ihm in allem als dem Oberen.<\/li><li>Der Prior, dessen Amt keine geringe Selbstverleug\u00adnung verlangt, beziehe auf sich die Worte Guigos, der sagt: Du bist von deinem Herrn zum Dienst an deinen S\u00f6hnen bestellt. La\u00df sie deshalb nicht tun, was dir gef\u00e4llt, sondern was ihnen n\u00fctzt. Zu ihrem Nutzen mu\u00dft du dich hinneigen, nicht sie zu deinem Willen. Denn sie sind dir anvertraut, nicht damit du ihnen vorstehst, sondern damit du ihnen n\u00fctzt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>[\u2026]<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c26\">Kapitel 26<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Der Prokurator<a href=\"#c23\">\u00ab<\/a><a href=\"#c27\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Zum Vorgesetzten f\u00fcr die Br\u00fcder des Hauses wird vom Prior einer aus den M\u00f6nchen mit feierlichen Gel\u00fcbden als gewissenhafter Prokurator bestimmt, wie wir ihn nennen wollen. Obwohl er nach dem Beispiel der Martha, deren Aufgabe er auf sich genommen hat, sich um vieles sorgen und k\u00fcmmern mu\u00df, darf er doch das Schweigen und die Ruhe der Zelle nicht ganz aufgeben oder Abneigung dagegen empfinden. Soweit es die Ge\u00adsch\u00e4fte des Hauses zulassen, kehrt er vielmehr immer in seine Zelle zur\u00fcck als in den sichersten und ruhig\u00adsten Hafen. Dort kann er durch Lesung, Gebet und Be\u00adtrachtung die Herzensruhe wiedergewinnen, die durch die aufw\u00fchlenden Gesch\u00e4fts- und Verwaltungssorgen gest\u00f6rt wurde. So vermag er denn auch in den geheimen Tiefen seines Herzens heilsame Gedanken zu bewahren, die er den ihm anvertrauten Br\u00fcdern liebensw\u00fcrdig und ver\u00adst\u00e4ndlich mitteilen soll.<\/li><li>Was die Statuten f\u00fcr nur einen Prokurator festset\u00adzen, findet in H\u00e4usern mit mehreren Prokuratoren auf jeden von ihnen Anwendung, und jeder erf\u00fcllt dann in der ihm vom Prior \u00fcbergebenen Obedienz seine Pflich\u00adten in bezug auf Sachen und Personen unter unmittelba\u00adrer Leitung des Priors.<\/li><li>In der Besorgung des ihm vom Prior \u00dcbertragenen h\u00e4lt sich der Prokurator bei allen Gesch\u00e4ften und Ausgaben immer an die Weisung des Priors. Ohne dessen Erlaubnis ma\u00dfe er sich nicht an, etwas von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung zu unternehmen, zu verkaufen, zu kaufen, zu leihen oder zu verschenken. F\u00fcr die Gesch\u00e4fte des Hau\u00adses kann er kleinere Geschenke geben und annehmen.<\/li><li>Was uns von Seiten des Ordens zusteht, sollen wir vom Prokurator und nicht vom Prior erbitten. Indes ist das f\u00fcr die Patres kein Grund, die Zelle des Proku\u00adrators zu betreten oder sich sonst mit ihm zu- unterhal\u00adten. Nach dem Brauch des jeweiligen Hauses kann man mit ihm an dem vom Prior bezeichneten Ort sprechen. Man soll sich aber nach M\u00f6glichkeit lieber schriftlich an ihn wenden. Der Prokurator aber bem\u00fche sich wie ein dem\u00fctiger Diener, das Gew\u00fcnschte ohne zu langes Warten zu beschaffen, und immer zeige er ein heiteres Gesicht. Die M\u00f6nche hingegen sollen dem Prokurator nicht mit zudringlichen Bitten zur Last fallen, sondern sich dankbar gegen ihn erweisen, der seine Zeit und Kraft dem Wohl seiner Br\u00fcder opfert. Hat jedoch der Prokura\u00adtor etwas abgeschlagen, was im Rahmen der allgemeinen Bed\u00fcrfnisse liegt, so k\u00f6nnen wir uns an den Prior wen\u00adden. Und das m\u00fcssen wir sogar stets, wenn es sich um etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches handelt.<\/li><li>Der Prokurator soll allezeit mit Liebe und G\u00fcte die kranken M\u00f6nche besuchen, die am Gottesdienst in der Kirche nicht mehr teilnehmen k\u00f6nnen. Sonst be\u00adsucht er ohne Erlaubnis keine Patres und betritt ihre Zellen nicht. Ebensowenig darf er au\u00dferhalb der Zelle mit ihnen reden, es sei denn, er trifft sie bei einem vom Vorsteher erlaubten Gespr\u00e4ch an. An der Zellent\u00fcr jedoch kann er ein paar Worte wechseln. Gewissenhaft achte er darauf, keine weltlichen Neuigkeiten im Haus zu verbreiten; denn seine ihm eigene Aufgabe besteht darin, daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df die M\u00f6nche sich der Ruhe der Beschauung hingeben k\u00f6nnen.<\/li><li>Der Prokurator soll sich um die Obedienzen und das gesundheitliche Wohlbefinden der Br\u00fcder k\u00fcmmern und sich ihnen mit aller Liebe widmen. Vor allem gebe er ihnen ein gutes Beispiel; denn Taten spornen sie mehr an als Worte. Einen Prokurator, der selbst ein Nachahmer Christi ist, werden sie gern nachahmen. Besonders sorge er daf\u00fcr, da\u00df die Br\u00fcder nicht mit Arbei\u00adten \u00fcberladen werden. Ihre Arbeitszeit soll in der Re\u00adgel sieben Stunden nicht \u00fcberschreiten, damit sie auch noch gen\u00fcgend Zeit in der Zelle der Sammlung widmen k\u00f6nnen.<\/li><li>Jeder Bruder soll die Verantwortung f\u00fcr seine Obe-dienz tragen. Der Prokurator aber soll seinerseits die Autorit\u00e4t des Bruders in dessen Arbeitsbereich f\u00f6r\u00addern. Die Br\u00fcder sollen den Prokurator wegen ihrer Ar\u00adbeiten um Rat fragen und sich seinen Anordnungen unter\u00adwerfen. Der Prokurator aber l\u00e4\u00dft ihnen, soweit es zu\u00adtr\u00e4glich ist, die n\u00f6tige Handlungsfreiheit, damit sie ihre Aufgaben besser erf\u00fcllen. Will er in ihren Obedi-enzen etwas \u00e4ndern, \u00fcberlege er dies zuerst mit ihnen oder setze sie wenigstens davon in Kenntnis.<\/li><li>Der Prokurator &#8211; und das gilt auch f\u00fcr die anderen Amtstr\u00e4ger des Hauses &#8211; mu\u00df wachsam sein, da\u00df er sich nicht unter Mi\u00dfbrauch seines Amtes Ausnahmen oder unn\u00f6tige Dinge bewilligt, die er anderen nicht gestat\u00adten w\u00fcrde.<\/li><li>Der Prokurator trage auch Sorge f\u00fcr die G\u00e4ste; er begr\u00fc\u00dfe sie als erster bei ihrer Ankunft und besu\u00adche sie. Ist der Prior abwesend, kann er ihretwegen dem Refektorium fernbleiben. Doch speist er nicht wahllos und beliebig mit allen, sondern nur mit solchen Perso\u00adnen, denen er dies nicht gut abschlagen kann. Und je seltener er dies tut, desto besser. Bei der Mahlzeit der G\u00e4ste darf kein anderer M\u00f6nch zugegen sein als der Prokurator und, in Abwesenheit des Priors, der Vikar.<\/li><li>Wenn das Priorenamt nicht besetzt ist, nimmt der Prokurator die Priorenzelle in seine Obhut und sorgt daf\u00fcr, da\u00df alles darin unber\u00fchrt bleibt.<\/li><li>Das Amt des Hauschronisten \u00fcbertr\u00e4gt der Prior dem Prokurator oder einem anderen geeigneten M\u00f6nch.<\/li><li>Scheidet der Prokurator aus seinem Amt aus, soll er alle Sorgen und alles \u00dcberfl\u00fcssige zur\u00fccklas\u00adsen, um dem allem entbl\u00f6\u00dften Christus in die W\u00fcste zu folgen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c27\">Kapitel 27<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Kranken<a href=\"#c26\">\u00ab<\/a><a href=\"#c28\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Krankheit oder Alter regen uns zu einem neuen Akt des Glaubens an den Vater an, der uns durch diese Beschwerden ausdr\u00fccklicher Christus gleichgestaltet. Somit dem Erl\u00f6sungswerk in einzigartiger Weise verei\u00adnigt, werden wir inniger mit dem ganzen Mystischen Leib Christi verbunden.<\/li><li>Besondere Sorge und Barmherzigkeit zeige der Prior den Kranken, Alten und Gepr\u00fcften. Dasselbe legen wir auch allen ans Herz, denen die Kranken zur Pflege anvertraut sind. Alles Notwendige und N\u00fctzliche werde nach den Mitteln des Hauses liebevoll f\u00fcr sie be\u00adschafft. Alle Dienste aber, auch noch so pers\u00f6nlicher Art, die die einzelnen sich selbst nicht zu leisten verm\u00f6gen, sollen andere ihnen voll Demut erweisen und sich \u00fcber einen solchen Auftrag gl\u00fccklich sch\u00e4tzen. Auch sollen wir auf jede Weise jene ertragen, die an einer Nervenkrankheit leiden, die in der Einsamkeit besonders l\u00e4stig ist. Denn sie sollen begreifen, da\u00df sie zur Ehre Gottes beitragen k\u00f6nnen, wenn sie sich nur selbstvergessen und voll Zuversicht dem Willen dessen anheimstellen, der Vater ist.<\/li><li>Die Kranken aber werden nach dem heiligen Benedikt ermahnt, sorgf\u00e4ltig darauf zu achten, da\u00df sie nicht durch unn\u00f6tige oder unerf\u00fcllbare W\u00fcnsche oder etwa durch Murren ihre Pfleger betr\u00fcben. Im Bewu\u00dftsein ihrer erw\u00e4hlten Lebensweise m\u00f6gen sie bedenken, da\u00df sie sich wie als Gesunde von den gesunden so auch als Kranke von den kranken Weltleuten unterscheiden m\u00fcssen. Sonst werden sie &#8211; was Gott verh\u00fcte! &#8211; infolge ihrer Krankheit engherzig und vergeblich von Gott heimge\u00adsucht.<\/li><li>Daher wird den einen geraten, auf das Leiden Chri\u00adsti zu blicken, den anderen auf seine Erbarmungen. So seien die einen stark im Dulden, die anderen bereit im Helfen. Jene m\u00f6gen bedenken, da\u00df sie Christus zu\u00adliebe bedient werden, diese, da\u00df sie um Seinetwillen dienen. Dann werden die ersteren sich nicht \u00fcberheben und die letzteren nicht ermatten. Denn die einen wie die anderen erwarten vom gleichen Herrn den Lohn f\u00fcr ihren Dienst: jene f\u00fcr den Dienst ihres Leidens, diese f\u00fcr den Dienst ihres Erbarmens.<\/li><li>Als Arme Christi sollen wir uns mit unserem ge\u00adw\u00f6hnlichen Hausarzt oder notfalls mit einem Fach\u00adarzt aus den umliegenden St\u00e4dten zufriedengeben. Mu\u00df aber ein Pater neben dem gewohnten Arzt einen Spezial-arzt aufsuchen, so kann der Prior ihm erlauben, eine von den benachbarten St\u00e4dten aufzusuchen, die die Visitatoren in \u00dcbereinstimmung mit dem Generalkapitel oder dem Reverendus Pater angegeben haben. Er mu\u00df dann allerdings noch am gleichen Tag zur\u00fcckkehren. Der Prior kann auch erlauben, da\u00df ein M\u00f6nch ins Krankenhaus ein\u00adgeliefert wird. Es geziemt sich aber, den Reverendus Pater dar\u00fcber zu unterrichten.<\/li><li>Da unsere Kranken die Einsamkeit lieben, l\u00e4\u00dft man ihnen die n\u00f6tige Pflege soweit als m\u00f6glich in ihrer eigenen Zelle zukommen. Nach den Vorschriften gewisser \u00c4rzte aber, die unter Umst\u00e4nden das Ausgehen bef\u00fcrworten oder uns Behandlungen und Heilmittel ver\u00adschreiben, die zu unserem Leben nicht passen, brauchen wir uns nicht zu richten. Denn wir allein m\u00fcssen uns \u00fcber unser Gel\u00fcbde vor Gott verantworten. Ferner sollen wir darauf achten, da\u00df wir nicht durch Mi\u00dfbrauch von Arzneimitteln unserer Vollkommenheit und auch unserer Gesundheit schaden und dem Haus zur Last fallen.<\/li><li>In all dem wollen wir uns mit gelehrigem Herzen dem g\u00f6ttlichen Willen \u00fcberlassen, und bedenken, da\u00df wir uns durch die Pr\u00fcfung der Krankheit auf die ewige Freude vorbereiten. Und so la\u00dft uns mit dem Psal-misten sprechen: Ich freute wicht als man mir sagte: Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c28\">Kapitel 28<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Armut<a href=\"#c27\">\u00ab<\/a><a href=\"#c29\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der M\u00f6nch hat die Wahl getroffen, dem armen Christus zu folgen, um mit seiner Armut bereichert zu werden. Sich nicht auf Irdisches, sondern auf Gott st\u00fctzend, besitzt er im Himmel einen Schatz, nach dem sein Herz verlangt. Da er nichts als sein eigen be\u00adtrachtet, ist er innerlich bereit, alles ihm Gew\u00e4hrte freiwillig und ohne Umschweife in die H\u00e4nde des Priors zur\u00fcckzugeben, sooft dieser es w\u00fcnscht.<\/li><li>Die Professen mit feierlichen Gel\u00fcbden haben au\u00dfer dem, was ihnen der Orden zum blo\u00dfen Gebrauch be\u00adwilligt, nichts gesondert. Sie haben sogar auf die M\u00f6g\u00adlichkeit verzichtet, irgendetwas ohne Erlaubnis zu er\u00adbitten, anzunehmen, zu verschenken oder zu ver\u00e4u\u00dfern. Auch untereinander d\u00fcrfen wir ohne Erlaubnis gar nichts tauschen oder annehmen.<\/li><li>Hingegen behalten die Professen mit zeitlichen Ge\u00adl\u00fcbden und die Donaten das Eigentumsrecht \u00fcber ihre G\u00fcter und die F\u00e4higkeit zum Neuerwerb. Gleichwohl haben sie wie auch die Novizen nichts Pers\u00f6nliches bei sich. Der Magister belehre seine Neulinge in besonderer Weise \u00fcber die Trennung von den zeitlichen G\u00fctern und Annehmlichkeiten und \u00fcber die Liebe zur Armut.<\/li><li>Bekommt ein M\u00f6nch, sagt Guigo, von einem Freund oder Verwandten ein Kleidungsst\u00fcck oder derglei\u00adchen geschickt, so gibt man es nicht ihm, sondern lie\u00adber einem anderen, um nicht den Anschein zu erwecken, als besitze er etwas Eigenes. Kein Ordensmitglied ma\u00dfe sich daher an, von B\u00fcchern oder sonstigen Sachen, deren Erwerb der Orden ihm verdankt, das Nutzungsrecht oder einen anderen Rechtsanspruch geltend zu machen. Wenn es ihm gestattet wird, nehme er diese Dinge nicht als sein pers\u00f6nliches, sondern als fremdes Eigentum unter Dank\u00adsagung an zum Gebrauch. Keiner aber darf jemals Geld zu seiner Verf\u00fcgung haben oder bei sich aufbewahren.<\/li><li>Weil der Menschensohn keinen Ort hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte, m\u00fcssen in unseren Zellen in jeder Hinsicht die Einfachheit und die Armut gewahrt werden. Mit beharrlichem Eifer sollen wir \u00dcberfl\u00fcssiges und Auff\u00e4lliges daraus entfernen und auch gern das Ur\u00adteil des Priors einholen.<\/li><li>Wer einen anderen in der Obedienz vertritt, darf ohne Erlaubnis gar nichts darin \u00e4ndern. Aber auch die M\u00f6nche d\u00fcrfen von sich aus in ihren Zellen und Obedienzen nichts ver\u00e4ndern oder unternehmen, was nicht vorher gezeigt und genehmigt worden ist.<\/li><li>Der Prior soll daf\u00fcr sorgen, da\u00df alle M\u00f6nche die notwendige Kleidung haben. Alle Ordenspersonen tragen wei\u00dfen Habit und wei\u00dfe Kukulle. Sie erhalten zwei Habite und zwei bis drei Kukullen. Die Zellenm\u00f6n\u00adche legen Cilicium und Cingulum an, nicht aber die Konversen und Donaten. Alle Novizen tragen bei jeder Konventhandlung einen schwarzen Mantel. Wenn wir die Grenzen \u00fcberschreiten, tragen wir ebenfalls einen Mantel.<\/li><li>Unsere Kleidung soll nichts Auff\u00e4lliges und \u00dcber\u00adfl\u00fcssiges an sich haben, was der kl\u00f6sterlichen Einfachheit und Armut widerspricht. Denn bei alledem k\u00fcmmerten sich unsere V\u00e4ter nur darum, da\u00df die K\u00e4lte abgewehrt und die Bl\u00f6\u00dfe bedeckt wurde, in der Meinung, abgenutzte Kleider und Gebrauchsgegenst\u00e4nde eigneten sich sicher f\u00fcr Kart\u00e4user. Wenn wir auch in ihrem Geist wandeln, wollen wir doch daf\u00fcr sorgen, da\u00df die Kleidung und die Zelle eines jeden sauber und anst\u00e4ndig sind. Unser Bett richten wir der monastischen Strenge entsprechend, au\u00dfer wenn wir krank oder auf der Reise.<\/li><li>Wertvollere Ger\u00e4te sind nur denen gestattet, f\u00fcr die der Prior sie notwendig findet. Musikinstru\u00admente und Spiele jeglicher Art aber sind mit unserer Lebensweise nicht vereinbar. Doch k\u00f6nnen zum Erlernen unseres Gesangs Instrumente zugelassen werden, die die Stimme f\u00fchren oder aufzeichnen. Radioapparate hingegen sind bei uns g\u00e4nzlich ausgeschlossen.<\/li><li>H\u00e4ufig sind die einzelnen Gegenden derart ver\u00adschieden, da\u00df das, was in der einen Gegend notwen\u00addig, in einer anderen \u00fcberfl\u00fcssig ist, so da\u00df keine feste, allgemein g\u00fcltige Regel f\u00fcr alle aufgestellt werden kann. Daher mahnen wir die Prioren, sich ent\u00adsprechend den Mitteln ihrer H\u00e4user ihren M\u00f6nchen in allem, was sie notwendig brauchen, entgegenkommend zu zeigen. Von der Liebe Christi gedr\u00e4ngt sollen sie in keiner Weise dulden, da\u00df man ihnen in dieser Hinsicht einen berechtigten Vorwurf machen kann, und nicht durch ihre Hartn\u00e4ckigkeit die M\u00f6nche zum Laster des Eigenbe\u00adsitzes verleiten. Denn die Armut wird Gott um so ange\u00adnehmer sein, je freiwilliger sie ist. Nicht der Verlust der weltlichen Annehmlichkeiten ist lobenswert, sondern der Verzicht auf sie.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c29\">Kapitel 29<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Verwaltung der zeitlichen G\u00fcter<a href=\"#c28\">\u00ab<\/a><a href=\"#c30\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Prior verwaltet nicht G\u00fcter, die-ihm oder an\u00adderen Menschen geh\u00f6ren, sondern die G\u00fcter des ar\u00admen Christus, dem er einmal \u00fcber alles Rechenschaft geben mu\u00df. Daher ist es seine Pflicht, die Amtstr\u00e4ger und ihre Gehilfen in der Verwaltung der G\u00fcter zu lei\u00adten, die G\u00fcter dem Willen Gottes und seinem Gewissen entsprechend sowie im Geist des Ordens und unserer Statuten weise zu verwalten und sorgf\u00e4ltig darauf zu achten, da\u00df keine ungerechtfertigten Ausgaben gemacht werden.<\/li><li>Hat ein Prior neu sein Amt angetreten, legt ihm der Prokurator die Bestandsaufnahme der haupts\u00e4ch\u00adlichen beweglichen und unbeweglichen G\u00fcter des Hauses vor, die vom Prior selbst und von seinem Rat zu unter\u00adschreiben und als Urkunde im Hausarchiv aufzubewahren ist.<\/li><li>Das f\u00fcr den t\u00e4glichen Gebrauch ben\u00f6tigte Geld wird zur Verf\u00fcgung des Priors oder Prokurators aufbe\u00adwahrt. Bei bedeutenden Gesch\u00e4ften m\u00fcssen die betreffen\u00adden Papiere au\u00dfer vom Prior auch vom Prokurator unter\u00adzeichnet werden.<\/li><li>Zu Beginn des Jahres oder nach dem Brauch des Hau\u00adses zu einem anderen Zeitpunkt lasse der Prior den Prokurator vor sich und dem Rat des Hauses einen allge\u00admeinen Rechenschaftsbericht \u00fcber die Gesamteinnahmen und -ausgaben des verflossenen Jahres geben. Und zusam\u00admen mit dem Prior sollen alle pr\u00fcfen, ob die von den Statuten anempfohlene Armut auch wirklich im Haus beobachtet wird.<\/li><li>Unsere V\u00e4ter haben festgesetzt, zum Unterhalt un\u00adserer H\u00e4user nicht auf Almosen zu bauen, sondern daf\u00fcr einige j\u00e4hrliche Eink\u00fcnfte zu haben, die Gott gibt. Sie hielten es n\u00e4mlich nicht f\u00fcr recht, im Verla\u00df auf unsichere Wohltaten sichere Lasten auf sich zu nehmen, die dann ohne gro\u00dfe Gefahr weder getragen noch abgesch\u00fcttelt werden k\u00f6nnen. Zudem verabscheuten sie die Sitte, umherzuziehen und zu betteln.<\/li><li>Wir glauben jedoch, da\u00df bescheidene Mittel mit Gottes Hilfe f\u00fcr uns gen\u00fcgen, wenn wir in Nahrung, Kleidung und den \u00fcbrigen Gebrauchsgegenst\u00e4nden die Demut, Armut und Bescheidenheit mit dem Eifer unserer V\u00e4ter bewahren, und wenn wir endlich in der Gering\u00adsch\u00e4tzung der Welt und in der Liebe zu Gott, um des-sentwillen wir alles tun und tragen sollen, st\u00e4ndig wachsen. Gerade an uns sind ja die Worte des Herrn gerichtet: Sorgt euch nicht um morgen; euer Vater wei\u00df ja, da\u00df ihr das alles braucht. Sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit!<\/li><li>Der Prokurator achte mit Sorgfalt darauf, da\u00df vor den Toren des Hauses oder sogar innerhalb des Klo\u00adsters kein Handel getrieben wird. Wo ein solcher Handel aber schon besteht und es ohne \u00c4rgernis und ohne gro\u00dfe Aufregung geschehen kann, werde er ganz eingestellt.<\/li><li>Den in unseren H\u00e4usern besch\u00e4ftigten Weltleuten gegen\u00fcber erf\u00fclle man, auch wenn sie unentgeltlich arbeiten, gewissenhaft die Pflicht der Gerechtigkeit und beachte aufmerksam die gesetzlichen Vorschriften. Der Prior k\u00fcmmere sich auch um ihr geistliches Wohl. Doch vergr\u00f6\u00dfere man nicht die Zahl solcher Helfer, da der h\u00e4ufige Umgang mit ihnen dem monastischen Geist der Br\u00fcder zuweilen schadet.<\/li><li>Der Prior ma\u00dfe sich nicht an, ohne Zustimmung sei^-ner Ratgeber \u00fcber die vom Generalkapitel festge-setzte Summe hinaus Geld ganz oder in Teilbetr\u00e4gen zu verleihen oder zu geben. Ferner sollen sich die Prioren h\u00fcten, Verwandten und Freunden zu gro\u00dfe Geschenke zu machen, wodurch die Gerechtigkeit verletzt, der Friede gef\u00e4hrdet und das Haus belastet w\u00fcrde.<\/li><li>G\u00fcter, die zum Stammverm\u00f6gen des Hauses geh\u00f6ren, darf niemand ver\u00e4u\u00dfern, es sei denn zum gro\u00dfen Nutzen des Hauses und unter Wahrung der Rechtsbestim\u00admungen. Handelt es sich aber um G\u00fcter, die die vom Generalkapitel festgesetzte Summe \u00fcbersteigen, so soll nichts unternommen werden, bevor der Rat des Hauses in geheimer Abstimmung sowie die Visitatoren und der Reverendus Pater ihr Einverst\u00e4ndnis erkl\u00e4rt haben. Die selben F\u00f6rmlichkeiten sind zu beachten, wenn Geld auf einmal oder in Teilbetr\u00e4gen geliehen werden mu\u00df, das \u00fcber der vom Generalkapitel festgesetzten Summe liegt. F\u00fcr Ausgaben jedoch, die sich nicht auf Lebensunter halt, Bekleidung und andere gew\u00f6hnliche Kosten bezie\u00adhen, ist der Rat des Hauses zu befragen.<\/li><li>Verliert ein Haus durch Absetzung oder Tod des Priors die Hilfe seines Hirten, darf gar nichts von den unbeweglichen oder auch beweglichen G\u00fctern ver\u00e4u\u00dfert werden, wenn die Ankunft des neuen Priors ohne Nachteil f\u00fcr das Haus abgewartet werden kann.<\/li><li>Was ein M\u00f6nch mit feierlichen Gel\u00fcbden als Gast eines anderen Hauses geschenkt bekommt, erwirbt das Haus, in dem er lebt. Hingegen fallen Erbschaften immer dem Profe\u00dfhaus zu. Der Ertrag aus der Arbeit eines M\u00f6nches geh\u00f6rt aber dem Haus, in dem der M\u00f6nch diese Arbeit geleistet hat. Betr\u00e4ge aus einer Rente oder Versicherung, die ein Professe oder Donat erh\u00e4lt, erwirbt das Haus, in dem er gerade zu Gast ist. Dieses Haus bezahlt auch die erforderlichen Beitr\u00e4ge. In Zwei\u00adfelsf\u00e4llen lasse man den Reverendus Pater von der Gro\u00dfen Kartause oder das Generalkapitel entscheiden.<\/li><li>Die Prioren und Prokuratoren sollen soweit als m\u00f6glich Prozesse und Gerichtsverfahren meiden. Denn zu prozessieren geziemt sich nicht f\u00fcr die Diener dessen, der gesagt hat: Wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann la\u00df ihm auch den Mantel.<\/li><li>Wohl darf das Haus all das besitzen, was f\u00fcr das Leben der Gemeinschaft gem\u00e4\u00df unserer Lebensweise notwendig ist, doch mu\u00df jede Form von Luxus, ungeordne\u00adtem Gewinnstreben und G\u00fcteranh\u00e4ufung vermieden werden, damit das Zeugnis wahrer Armut gegeben wird. Es ist n\u00e4mlich nicht damit getan, da\u00df die M\u00f6nche im Gebrauch der G\u00fcter von den Oberen abh\u00e4ngig sind, sie m\u00fcssen auch wie Christus tats\u00e4chlich Arme sein, deren Schatz im Himmel ist. Nicht allein den Luxus sollen .wir fliehen, sondern auch zu gro\u00dfe Bequemlichkeit, auf da\u00df alles in unseren H\u00e4usern die Einfachheit unserer Lebensweise atme.<\/li><li>Daher sollen Fahrzeuge, Maschinen und Werkzeuge nur gekauft werden, wenn die Angelegenheit vorher reiflich erwogen und diese Dinge sich als notwendig oder n\u00fctzlich erwiesen haben. Dies ist vor allem dann in Betracht zu ziehen, wenn sie zum Schutz der Einsam\u00adkeit der Br\u00fcder beitragen oder deren Arbeitskraft scho\u00adnen.<\/li><li>Unsere Geb\u00e4ude sollen zwar ausreichend und unserer Lebensform angepa\u00dft sein, doch soll in ihnen \u00fcber\u00adall die Einfachheit gewahrt bleiben. Denn nicht von eitler Pracht oder Kunst sollen unsere H\u00e4user Zeugnis geben, sondern von der Armut nach dem Evangelium.<\/li><li>Daher verbieten wir in jedem Fall von vornherein jegliches auff\u00e4llige und unn\u00f6tige Geb\u00e4ude. Was n\u00fctzliche und zweckm\u00e4\u00dfige Geb\u00e4ude betrifft, so ma\u00dfe sich kein Prior an, solche ohne Einverst\u00e4ndnis seines Konventes oder zumindest seines Rates zu errichten. Au\u00dferdem mu\u00df die schriftliche Genehmigung der Visitato-ren der Provinz vorliegen, die die Angelegenheit mit Klugheit pr\u00fcfen und feststellen sollen, ob das Haus nicht mit Schulden belastet ist. Sollten die Baukosten die vom Generalkapitel festgesetzte Summe \u00fcbersteigen, ist au\u00dferdem die Erlaubnis des Reverendus Pater erfor\u00adderlich. Will aber einer der beiden Visitatoren bauen, ist er verpflichtet, unter Einhaltung der vorstehenden Bedingungen zuerst seinen Convisitator und einen ande\u00adren besonnenen Prior kommen zu lassen. Diese sollen alle obengenannten Punkte pr\u00fcfen und ihm dann schrift\u00adlich die Baugenehmigung erteilen oder sie bei Nichtbe\u00adwilligung des Bauvorhabens verweigern. Diese Bestimmun\u00adgen gelten nicht nur f\u00fcr Neubauten, sondern ebenso f\u00fcr die Instandsetzung alter Geb\u00e4ude, wenn diese eine be\u00admerkenswerte bauliche Ver\u00e4nderung zur Folge hat.<\/li><li>Der Bau eines neuen Hauses kann nur mit Zustimmung und nach den Richtlinien des Generalkapitels be\u00adgonnen werden. Nach dem alten Brauch unserer V\u00e4ter sol\u00adlen neuzugr\u00fcndende H\u00e4user weitab vom Stra\u00dfenl\u00e4rm in abgelegener Gegend gebaut werden. Handelt es sich um Errichtung und Bau eines neuen Hauses, sollen die Definitoren entscheiden, doch nicht ohne vorhergende Beratung der Vollversammlung. In gleicher Weise geht man bei der Aufhebung irgendeines Hauses des Ordens vor; das Definitorium soll dann f\u00fcr dessen G\u00fcter Vor\u00adsorge treffen.<br>Soweit m\u00f6glich, sollen die Prioren daf\u00fcr Sorge tragen, da\u00df auf klostereigenem Grund und Boden und auf dem angrenzenden Gebiet keine Geb\u00e4ude errichtet oder instandgesetzt werden, die nachher die Fremden anziehen k\u00f6nnten.<\/li><li>Um der barmherzigen Liebe unseres Gottes und Hei\u00adlandes Jesus Christus willen, der sich selbst am Kreuzesholz ganz f\u00fcr uns hingegeben hat, ermahnen und bitten wir schlie\u00dflich mit gro\u00dfem Nachdruck alle Prio-ren unseres Ordens, entsprechend den Mitteln ihrer H\u00e4u\u00adser aus ganzem Herzen und freigebig Almosen zu spenden, da wir \u00fcberzeugt sind, da\u00df es Diebstahl an den Armen und den Bed\u00fcrfnissen der Kirche w\u00e4re, in unm\u00e4\u00dfiger Weise Ausgaben zu t\u00e4tigen oder etwas zur\u00fcckzubehalten. Deshalb wollen wir an der Bestimmung der G\u00fcter f\u00fcr die Allgemeinheit festhalten und so die ersten Christen nachahmen, von denen keiner etwas sein Eigentum nannte, sondern die alles gemeinsam hatten.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c30\">Kapitel 30<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Best\u00e4ndigkeit<a href=\"#c29\">\u00ab<\/a><a href=\"\/moines\/de\/statuten\/buch-4\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der M\u00f6nch kann seine vollkommene Hingabe an Gott nur verwirklichen, wenn er das ganze Leben hin\u00addurch in seiner Lebensweise ausharrt. Dazu verpflichtet er sich in Freiheit in der feierlichen Profe\u00df. Da diese also unwiderruflich ist, soll er sich vor ihrer Able\u00adgung hinsetzen und \u00fcberlegen, ob er sich in der Tat f\u00fcr immer Gott \u00fcbereignen will.<br>Kraft der Profe\u00df wird der M\u00f6nch in die Gemein\u00adschaft als die ihm von Gott geschenkte Familie einge\u00adreiht, in der er mit Leib und Geist Wurzel fassen soll.<\/li><li>Ein jeder bleibe also, nachdem er in seinem Stand geweiht wurde &#8211; sei es als Pater, sei es als Bru\u00adder -, in der Berufung, zu der er berufen wurde, und zeichne sich darin in verst\u00e4rktem Ma\u00dfe aus, zur reiche\u00adren Heiligkeit der Kirche und zur gr\u00f6\u00dferen Ehre der einen und ungeteilten Dreifaltigkeit.<\/li><li>Damit ein Profe\u00dfm\u00f6nch auf eigene Bitte in ein an\u00adderes Haus des Ordens gehen kann, braucht er au\u00dfer der Erlaubnis des Generalkapitels oder des Reverendus Pater die Zustimmung der Prioren der beiden H\u00e4user und des Kapitels des aufnehmenden Klosters.<br>Nur aus schwerwiegenden Gr\u00fcnden k\u00f6nnen das Gene\u00adralkapitel, der Reverendus Pater oder die Visitatoren in ihrer Provinz jemand in ein anderes Haus versetzen. Nach M\u00f6glichkeit sollen dann vorher die Personen, denen an der Versetzung etwas gelegen ist, befragt werden.<br>Kein Prior oder ein anderer M\u00f6nch verleite aber Personen aus anderen H\u00e4usern oder aus seinem eigenen Haus zu irgendeiner Art von Unbest\u00e4ndigkeit. Au\u00dferdem scheint es recht und billig, da\u00df ein Haus, wenn es eine Person, die nicht nach der kl\u00f6sterlichen Ordnung lebt, zur Profe\u00df zugelassen hat, sie auch ertr\u00e4gt.<\/li><li>Die M\u00f6nche sollen auch nicht leichtfer-tig glauben, vern\u00fcnftige Gr\u00fcnde zu haben, um von ihren Oberen eine Versetzung erbitten zu k\u00f6nnen. Denn die Vorstel\u00adlung von anderen Orten und der Wechsel dorthin haben schon viele get\u00e4uscht. Auch ist es unschicklich, da\u00df der M\u00f6nch der Art des Klimas, der Nahrung oder der Men\u00adschen und sonstigen Ver\u00e4nderungen so starke Beachtung beimi\u00dft.<\/li><li>Wird ein M\u00f6nch f\u00fcr ein anderes Haus bestimmt, bre\u00adche er unverz\u00fcglich dorthin auf, ohne merklich vom direkten Weg abzuweichen. Er nehme nur das N\u00f6tige f\u00fcr die Reise mit und lasse sich auch nichts nachschicken.<\/li><li>Das Haus nehme den M\u00f6nch, der zu ihm geschickt&rsquo; wird, mit aller Liebe auf, und der Prior behandle ihn wie einen Sohn des eigenen Hauses. Der M\u00f6nch aber leiste dem Prior und den \u00fcbrigen Amtstr\u00e4gern den schul\u00addigen Gehorsam und passe sich den dort herrschenden Gewohnheiten an. Ferner achte er darauf, nicht taktlos \u00fcber Fehler von Personen und \u00fcber Mi\u00dfst\u00e4nde zu reden, die er anderswo im Orden erfahren hat; und auch die anderen sollen ihn nicht \u00fcber solche Dinge ausfragen. Und so betrachte er f\u00fcr die Zukunft das ihm von der Vorsehung zugewiesene Haus als seine Familie und den Hafen seiner Ruhe.<\/li><li>Aus einem angemessenen Grund kann der Prior mit Zustimmung seines Rates und mit Erlaubnis des Ge\u00adneralkapitels oder des Reverendus Pater einem Profe\u00df-m\u00f6nch gestatten, au\u00dferhalb unserer Ordensh\u00e4user zu leben, jedoch nicht \u00fcber ein Jahr, es sei denn zu einer Behandlung im Krankheitsfall. Dieselbe Erlaubnis kann vom Generalkapitel selbst gew\u00e4hrt werden, oder, nach Befragung des Priors, vom Reverendus Pater; dann mu\u00df sie jedoch vom folgenden Generalkapitel best\u00e4tigt wer\u00adden.<\/li><li>Wir wissen, wie sehr die Geduld und die Beharr\u00adlichkeit in den uns vom Herrn vorherbestimmten Verh\u00e4ltnissen f\u00fcr die Betrachtung der&rsquo; g\u00f6ttlichen Ge\u00adheimnisse f\u00f6rderlich sind. Unm\u00f6glich kann ja ein Mensch seinen Sinn fest auf einen Punkt richten, der nicht zu\u00advor seinen Leib dauernd an einen Ort gebunden hat. Auch der Geist mu\u00df unersch\u00fctterlich seinem Vorsatz anhangen, damit er sich Dem zu nahen vermag, bei dem es keinen Wechsel gibt und keinen Schatten der Ver\u00e4nderung.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buch 3 Kapitel 21 Die t\u00e4gliche Feier der Liturgie\u00ab\u00bb Nach den Ausf\u00fchrungen \u00fcber das pers\u00f6nliche Leben [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"parent":6183,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-6189","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6189","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6189"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6189\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6189"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}