{"id":6187,"date":"2021-12-15T16:45:28","date_gmt":"2021-12-15T15:45:28","guid":{"rendered":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/?page_id=6187"},"modified":"2021-12-15T19:10:32","modified_gmt":"2021-12-15T18:10:32","slug":"buch-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/de\/statuten\/buch-2\/","title":{"rendered":"Buch 2"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Buch 2&nbsp;: Die Br\u00fcderm\u00f6nche<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c11\">Kapitel 11<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Br\u00fcderm\u00f6nche<a href=\"\/moines\/de\/statuten\/buch-1#c10\">\u00ab<\/a><a href=\"#c12\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Wie ein Leib, dessen Glieder nicht alle denselben Dienst verrichten, so besteht unser Orden von Anfang an aus Patres und Br\u00fcdern. Alle sind in gleicher Weise M\u00f6nche und haben demgem\u00e4\u00df Anteil an der gleichen Berufung, nur unter verschiedenen Formen, durch die die Kart\u00e4userfamilie ihre Aufgabe in der Kirche vollkommener zu erf\u00fcllen vermag.<br>Die einen, von denen wir bisher sprachen, sind die Zellenm\u00f6nche. Sie leben in der Verborgenheit ihrer Zelle und sind Priester oder stehen noch in der Vorbereitung. Die anderen, von denen wir jetzt mit Gottes Hilfe sprechen wollen, sind die Br\u00fcderm\u00f6nche. Sie widmen sich nicht allein der Einsamkeit, sondern auch in verst\u00e4rktem Ma\u00df der Handarbeit und weihen so ihr Leben dem Dienst des Herrn. Zu den ersten Br\u00fcdern oder Konversen gesellten sich im Laufe der Zeit Br\u00fcder einer anderen Berufsform: die Donaten. Sie legen keine Gel\u00fcbde ab, sondern schenken sich dem Orden um der Liebe Christi willen durch das Band gegenseitiger Verpflichtung. Da sie ein monastisches Leben f\u00fchren, nennen wir sie ebenfalls M\u00f6nche.<\/li><li>Die ersten Patres unseres Ordens wandelten in den Spuren jener alten M\u00f6nche, die das Einsiedlerleben und die Armut im Geiste gelobten. Auch unsere ersten Br\u00fcder, Andreas und Quirin, beschlossen, eine \u00e4hnliche Lebensweise zu befolgen. Daher d\u00fcrfen die Konversen und Donaten die Grenzen ihrer Ein\u00f6de nur selten und notgedrungen \u00fcberschreiten und sollen sich sorgsam von weltlichem Gerede fernhalten. Ihre Zellen schlie\u00dflich sollen so abgesondert sein, da\u00df sie beim Eintritt in die Kammer, wenn sie die T\u00fcr hinter sich geschlossen und alle Sorgen und Unruhen drau\u00dfen gelassen haben, in Ruhe zum Vater im Verborgenen beten k\u00f6nnen.<\/li><li>Die Br\u00fcder nehmen das verborgene Leben Jesu in Nazaret zum Vorbild. W\u00e4hrend sie darum ihrer t\u00e4glichen Arbeit f\u00fcr das Haus nachgehen, preisen sie den Herrn in ihren Werken, indem sie die Welt dem Ruhm des Sch\u00f6pfers weihen und die nat\u00fcrlichen Dinge auf den Dienst des beschaulichen Lebens hinordnen. In den dem einsamen Gebet vorbehaltenen Stunden und in der Teilnahme an der heiligen Liturgie jedoch sind sie einzig f\u00fcr Gott da. Deshalb seien ihre Arbeits- und Wohnr\u00e4ume so eingerichtet, da\u00df sie die Geistessammlung f\u00f6rdern und, obschon mit Notwendigem und N\u00fctzlichem ausgestattet, wirklich als Wohnung Gottes und nicht als profane R\u00e4ume erscheinen.<\/li><li>In der Liebe zum Herrn, im Gebet, im Eifer f\u00fcr die Einsamkeit und im Dienst der Arbeit vereint, werden die Br\u00fcder unter der Leitung des Prokurators zu einer Gemeinschaft verbunden. Daher sollen sie sich als wahre J\u00fcnger Christi erweisen, nicht so sehr durch den Namen als durch die Tat. Sie sollen nach gegenseitiger Liebe streben und untereinander eines Sinnes sein, sich gegenseitig ertragen und einander vergeben, wenn einer dem \u00e4ndern etwas vorzuwerfen hat, damit sie ein Herz und eine Seele seien.<\/li><li>Die Br\u00fcder haben eine eigene Form des einsamen Lebens. Sie sorgen durch ihre Arbeit f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse des Hauses, die ihnen in besonderer Weise anvertraut sind. Dank ihrer Hilfe k\u00f6nnen sich die Zellenm\u00f6nche freier dem Schweigen der Zelle hingeben.<br>Indem sich also beide demjenigen gleichgestalten, der nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen, bringen die einen wie die \u00e4ndern auf verschiedene Weise den Reichtum eines in der Einsamkeit ganz Gott geweihten Lebens zum Ausdruck.<br>In dem einen Leib ist also die Gnade der beiden Lebensformen verschieden; doch vollzieht sich zwischen beiden gewisserma\u00dfen ein Austausch geistlicher Wohltaten, wobei sie sich so zueinander verhalten, da\u00df sie sich gegenseitig erg\u00e4nzen. Durch diese \u00dcbereinstimmung gelangt jenes Charisma, das der Heilige Geist unserem Vater Bruno anvertraut hat, zu seiner F\u00fclle.<\/li><li>Die Patres wissen, da\u00df sie durch ihre Auszeichnung mit den heiligen Weihen nicht so sehr eine W\u00fcrde als ein Dienstamt empfangen haben. Sodann sind Amtspriestertum und Taufpriestertum der Gl\u00e4ubigen einander zugeordnet: das eine wie das andere nimmt teil an dem einen Priestertum Christi. Daher bleibe jeder in dem Stand, in den er berufen wurde, und eile in geradem Lauf zu dem Ziel unseres Lebens.<\/li><li>Der Prior hat die Aufgabe, allen seinen S\u00f6hnen, n\u00e4mlich den Zellenm\u00f6nchen und Br\u00fcderm\u00f6nchen, in seiner Person die Liebe des himmlischen Vaters sichtbar zu machen. Er soll sie so in Christus zusammenf\u00fchren, da\u00df alle eine Familie werden und jedes Haus, nach einem Wort Guigos, in Wahrheit eine Kart\u00e4userkirche ist.<\/li><li>Wurzel und Angelpunkt dieser Kirche bildet die Feier des Eucharistischen Opfers. Es ist das wirksame Zeichen der Einheit, die Mitte und der H\u00f6hepunkt unseres Lebens, sowie das Manna f\u00fcr unseren geistlichen Auszug, auf dem wir in der Einsamkeit durch Christus zum Vater zur\u00fcckkehren. Auch im gesamten \u00fcbrigen Vollzug der Liturgie betet Christus f\u00fcr uns als unser Priester und in uns als unser Haupt.<\/li><li>Weil der sicherste Weg zu Gott in der Nachahmung unserer Gr\u00fcnder besteht, m\u00f6gen sich die Br\u00fcder die ersten Konversen der Kartause als Vorbilder vor Augen halten. Bevor noch eine Regel geschrieben war, gaben sie dem Leben der Br\u00fcder die Form und den Geist.<br>Im Gedenken an sie schrieb der heilige Bruno frohlockenden Herzens: Von euch, geliebteste Laienbr\u00fcder, sage ich: \u00ab\u00a0Meine Seele preist die Gr\u00f6\u00dfe des Herrn\u00a0\u00bb, denn ich sehe das gro\u00dfartige Erbarmen. Gottes an euch. Obwohl ihr n\u00e4mlich des Lesens und Schreibens unkundig seid, schreibt der m\u00e4chtige Gott mit seinem Finger nicht nur die Liebe zu seinem heiligen Gesetz, sondern auch dessen Verst\u00e4ndnis in euer Herz. Darum freuen wir uns. Eure Werke beweisen ja, was ihr liebt und was ihr versteht; \u00fcbt ihr doch mit aller Sorgfalt und mit allem Eifer den wahren Gehorsam. Dieser erf\u00fcllt die Gebote Gottes und ist Schl\u00fcssel und Siegel der ganzen geistlichen Zucht. Er findet sich nie ohne tiefe Demut und vorz\u00fcgliche Geduld, und immer wird er von keuscher Liebe zum Herrn und wahrer N\u00e4chstenliebe begleitet. Aufgrund dieses Gehorsams sammelt ihr offensichtlich voller Weisheit die k\u00f6stlichste und lebenspendende Frucht der Heiligen Schrift. Darum, meine Br\u00fcder, harrt aus in dem, was ihr erreicht habt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c12\">Kapitel 12<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Einsamkeit<a href=\"#c11\">\u00ab<\/a><a href=\"#c13\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Unser Bem\u00fchen und unsere Berufung bestehen vornehmlich darin, im Schweigen und in der Einsamkeit Gott zu finden. Denn dort unterhalten sich der Herr und sein Diener h\u00e4ufig miteinander, wie jemand mit seinem Freund. Oft zieht dort das Wort Gottes die treue Seele an sich, der Br\u00e4utigam verbindet sich mit seiner Braut, Himmlisches wird dem Irdischen, G\u00f6ttliches dem Menschlichen geeint. Doch zumeist ist es ein langer Weg, auf dem man durch d\u00fcrre und wasserlose Gegend bis zum Quell des lebendigen Wassers pilgert.<\/li><li>Der Bruder soll mit Eifer und Verlangen nach der \u00e4u\u00dferen Einsamkeit streben. Ihr fehlt oft der Schutz, den die Abgeschiedenheit des Kreuzgangs und die Bewahrung der Zellenruhe gew\u00e4hrt. Doch n\u00fctzt ihm die \u00e4u\u00dfere Einsamkeit nichts, wenn er nicht jederzeit, selbst w\u00e4hrend der Arbeit, auch die innere Einsamkeit bewahrt, jedoch ohne gewaltsame geistige Anstrengung.<\/li><li>Sooft das g\u00f6ttliche Stundengebet in der Kirche oder die Arbeit in den Obedienzen die Br\u00fcder nicht mehr in Anspruch nimmt, kehren sie stets in ihre Zelle als in den sichersten und stillsten Hafen zur\u00fcck. Dort verweilen sie ruhig und m\u00f6glichst ger\u00e4uschlos, befolgen gewissenhaft die Tagesordnung und tun alles vor Gott im Namen des Herrn Jesus Christus, indem sie Gott dem Vater Dank sagen durch Ihn. Sie besch\u00e4ftigen sich hier auf n\u00fctzliche Art mit Lesen oder Betrachten, vor allem in der Heiligen Schrift, die eine Seelenspeise ist, oder sie geben sich nach Verm\u00f6gen dem Gebet hin. Dabei sollen sie keine Gelegenheiten zum Verlassen der Zelle aussinnen oder wahrnehmen, die nicht allgemein angeordnet sind oder sich nicht aus dem Gehorsam ergeben. Der naturhafte Mensch schreckt ja manchmal vor dem Schweigen der Einsamkeit und der Ruhe zur\u00fcck. Deshalb sagt auch der heilige Augustinus: F\u00fcr die Freunde dieser Welt ist nichts m\u00fchevoller, als sich nicht zu m\u00fchen. Wenn es ihrem geistlichen Vorteil dient, k\u00f6nnen die Br\u00fcder auch bisweilen mit Genehmigung des Prokurators kleinere Arbeiten in der Zelle verrichten.<\/li><li>In besonderen F\u00e4llen kann der Prior mit Einverst\u00e4ndnis der Visitatoren erlauben, da\u00df Br\u00fcder Zellen des Kreuzgangs bewohnen, sofern die Stille und Einsamkeit der Patres erhalten bleiben.<\/li><li>Die Konversen wahren j\u00e4hrlich acht Tage lang, zusammenh\u00e4ngend oder in zwei Zeitabschnitten, die Ruhe und Einsamkeit der Zelle; die Donaten wenigstens drei Tage. Jeder Bruder, der es w\u00fcnscht, kann sich auch einmal im Monat an einem Arbeitstag in \u00e4hnlicher Weise Zeit f\u00fcr die Geistessammlung nehmen.<\/li><li>Der erste Akt der Liebe zu unseren Br\u00fcdern ist die Achtung ihrer Einsamkeit. Haben wir Erlaubnis, \u00fcber eine Angelegenheit mit ihnen in der Zelle zu sprechen, sollen wir nichtiges Reden meiden.<\/li><li>Die Zelle eines anderen betreten wir nicht ohne Erlaubnis. Wer aber Erlaubnis hat, klopft an der T\u00fcr und wartet, bis ihm der Zellenbewohner \u00f6ffnet. Dann gr\u00fc\u00dft er ihn nach frommem Brauch.<\/li><li>Damit die Br\u00fcder ihre Berufung besser leben k\u00f6nnen, soll ihre Arbeit so eingeteilt werden, da\u00df m\u00f6glichst jeder einzelne f\u00fcr sich allein arbeitet, auch wenn mehrere Br\u00fcder in der gleichen Obedienz besch\u00e4ftigt sind.<\/li><li>Nach dem abendlichen Angelus gehen die Br\u00fcder nicht mehr zur Zelle des Priors oder des Prokurators, es sei denn, man habe sie gerufen. Von diesem Zeitpunkt an sollen nur jene Br\u00fcder bei den G\u00e4sten bleiben, die die G\u00e4ste zu bedienen haben. Befindet sich jemand aber in der Zelle eines anderen oder sonstwo, soll er sich nach dem L\u00e4uten sofort zur\u00fcckziehen, falls er keinen besonderen Auftrag zu l\u00e4ngerem Verweilen hat.<\/li><li>Welchen Gewinn und g\u00f6ttlichen Genu\u00df die Einsamkeit und das Schweigen der Ein\u00f6de denen bereiten, die sie lieben, wissen nur, die es erfahren haben. Hier verleiht Gott seinen Streitern f\u00fcr die Kampfesm\u00fche den ersehnten Lohn: den Frieden, den die Welt nicht kennt, und die Freude im Heiligen Geist.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c13\">Kapitel 13<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Klausur<a href=\"#c12\">\u00ab<\/a><a href=\"#c14\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Wir haben die Welt f\u00fcr immer verlassen, um unaufh\u00f6rlich vor der g\u00f6ttlichen Majest\u00e4t zu stehen. Dieser uns eigenen Aufgabe eingedenk, meiden wir es m\u00f6glichst, auszugehen und durch Ortschaften und St\u00e4dte zu laufen. Doch w\u00fcrde uns eine so strenge Beobachtung der Klausur nichts n\u00fctzen, wenn wir dadurch nicht nach jener Herzensreinheit strebten, der allein die Verhei\u00dfung gilt, Gott zu schauen. Wer sie erlangen will, mu\u00df sehr abget\u00f6tet sein, vor allem im Hinblick auf die nat\u00fcrliche Neugier, die der Mensch f\u00fcr menschliche Angelegenheiten an sich erf\u00e4hrt. Wir d\u00fcrfen nicht durch Haschen nach Neuigkeiten und Ger\u00fcchten unsere Phantasie durch die Welt schweifen lassen. Unser Anteil ist es vielmehr, verborgen im Schutz des Angesichtes Gottes zu weilen.<\/li><li>Mit den \u00e4u\u00dferen Gesch\u00e4ften werde, soweit es m\u00f6glich ist, ein Weltmann betraut, damit nicht die Br\u00fcder selbst gezwungen sind, in die D\u00f6rfer und St\u00e4dte zu gehen.<\/li><li>Die Br\u00fcder verlassen die Klausur nicht ohne Erlaubnis des Priors oder des Prokurators. Wenn sie ausgehen, sollen sie sich an den Ort begeben, zu dem sie gehen m\u00fcssen, jedoch nicht an einen anderen, und alles meiden, was die Liebe zur Einsamkeit in ihnen schw\u00e4chen k\u00f6nnte. Wer nach drau\u00dfen geschickt wird, soll so schnell zur\u00fcckkehren, wie es die Verh\u00e4ltnisse gestatten und dem Prokurator Rechenschaft \u00fcber seinen Auftrag geben.<\/li><li>Erhalten wir zuf\u00e4llig Kunde von Ereignissen in der Welt, sollen wir uns h\u00fcten, sie weiterzuerz\u00e4hlen. Weltliche Neuigkeiten sollen wir lieber dort lassen, wo wir sie geh\u00f6rt haben. Denn Sache des Priors ist es, seinen M\u00f6nchen mitzuteilen, was sie unbedingt wissen sollen, zumal wenn es sich um Leben und N\u00f6te der Kirche handelt.<\/li><li>Wird ein Bruder in benachbarte Ortschaften gesandt , nehme er von niemandem Speise, Trank oder Unterkunft an, au\u00dfer auf besonderes Gehei\u00df oder in einem unvermeidlichen, unvorhergesehenen Notfall.<\/li><li>Der Pf\u00f6rtner sei gegen alle g\u00fctig mit der einem M\u00f6nch geziemenden Haltung und der Geschw\u00e4tzigkeit ganz abhold; denn so wird er den Weltleuten ein gutes Beispiel geben. Meint er, Besucher ins Kloster einlassen oder sanft zur\u00fcckweisen zu m\u00fcssen, tue er dies mit freundlichen, aber ganz wenigen Worten. Und wer ihn vertritt, soll ebenso handeln.<\/li><li>Da geschrieben steht: Ehre deinen Vater und deine Mutter, lockern wir unsere Trennung von der Welt ein wenig, indem wir unseren Eltern und anderen Verwandten erlauben, uns an zwei Tagen im Jahr zu besuchen. Die beiden Tage k\u00f6nnen getrennt oder zusammenh\u00e4ngend sein. Sonstige Besuche von Freunden jedoch und Unterhaltungen mit Weltleuten meiden wir, au\u00dfer wenn es sich um der Liebe Christi willen schlechterdings nicht verhindern l\u00e4\u00dft. Denn wir wissen, da\u00df Gott dieses Opfer wert ist, das wir ihm bringen, und es den Menschen mehr n\u00fctzen wird als unsere Gespr\u00e4che.<\/li><li>Die \u00e4u\u00dfere Klausur w\u00e4re auch sinnlos, wenn wir mit Au\u00dfenstehenden einen regen Briefverkehr unterhielten. Darum versenden oder empfangen wir keine Briefe ohne Wissen des Priors. Ausgenommen sind Briefe, die an das Generalkapitel, den Reverendus Pater, die zust\u00e4ndigen Visitatoren, den Generalprokurator, den Scriba und an den Heiligen Stuhl gerichtet sind, oder von ihnen erhalten werden. Auch haben jene, die unter der Leitung des Magisters stehen, freien Briefverkehr mit ihm. Private Telephongespr\u00e4che aber meiden wir, au\u00dfer in schwerwiegenden F\u00e4llen.<\/li><li>Auch wollen wir daran denken, da\u00df die Weltleute von einem Kart\u00e4user kein Gespr\u00e4ch \u00fcber eitle Ger\u00fcchte und Politik erwarten. Darum sollen wir uns von weltlichem, leerem Gerede fernhalten und nur schreiben, wenn wir es in Christus vor dem Angesicht Gottes tun.<\/li><li>Die Vertrautheit mit Gott engt aber das Herz nicht ein, sondern macht es weit, so da\u00df es die N\u00f6te und Probleme der Welt sowie die gro\u00dfen Anliegen der Kirche in Gott zu umfangen vermag. Es ist angebracht, da\u00df die M\u00f6nche hier\u00fcber in etwa Bescheid wissen. Die ehrliche Sorge um die Mitmenschen soll sich jedoch nicht in der Befriedigung der Neugier, sondern in der innigen Vereinigung mit Christus vollziehen. Auf den Geist in seinem Innern lauschend, soll jeder unterscheiden, was er in seine Gedankenwelt aufnehmen kann, ohne das Gespr\u00e4ch mit Gott zu st\u00f6ren.<\/li><li>Daher darf der M\u00f6nch auf keinen Fall eine Zeitung lesen, die \u00fcber Politik handelt; das widerspr\u00e4che g\u00e4nzlich dem Geist unseres Ordens. Ja, die Prioren sollen \u00fcberhaupt den Br\u00fcdern raten, beim Lesen profaner Lekt\u00fcre sehr besonnen zu sein. Allein, diese Ermahnung setzt einen reifen, selbst\u00e4ndigen Geist voraus, der gelernt hat, ehrlich alle Folgerungen aus dem erw\u00e4hlten besten Teil zu ziehen: dem Herrn zu F\u00fc\u00dfen zu sitzen und seinen Worten zu lauschen.<\/li><li>Wer unserem Orden nicht angeh\u00f6rt und auch nicht die Absicht hat einzutreten, soll nach M\u00f6glichkeit nicht im Br\u00fcderteil wohnen.<\/li><li>In unseren Ordensh\u00e4usern, die kanonisch errichtet sind, wird die strenge Klausur nach der Tradition des Ordens bewahrt. Frauen k\u00f6nnen innerhalb der Klausur nicht zugelassen werden. Beim Gespr\u00e4ch mit Frauen wahren wir jene Zur\u00fcckhaltung, die sich f\u00fcr einen M\u00f6nch geziemt.<\/li><li>Das herrliche Charisma der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, das uns die g\u00f6ttliche Gnade gew\u00e4hrt hat, macht unser Herz in einzigartiger Weise frei, damit sich ein jeder von uns von Christus ergreifen lasse und sich ihm ganz hingebe. Es l\u00e4\u00dft einem engen Herzen oder dem Streben nach dem eigenen Vorteil keinen Raum. Vielmehr mu\u00df es, da es die unaussprechliche Liebe erwidert, die Christus uns erwiesen, unsere Liebe so steigern, da\u00df es durch seinen unwiderstehlichen Reiz uns stets zum noch vollkommeneren Opfer unserer selbst entflammt.<\/li><li>So sei denn die Seele des M\u00f6nchs in der Einsamkeit gleich einem stillen See, dessen Wasser dem reinsten Quell des Geistes entspringen und, durch kein von drau\u00dfen aufgenommenes Ger\u00fccht aufgew\u00fchlt, wie ein klarer Spiegel nur das Bild Christi widergeben.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c14\">Kapitel 14<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Das Stillschweigen<a href=\"#c13\">\u00ab<\/a><a href=\"#c15\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Gott hat seinen Diener in die Einsamkeit gef\u00fchrt, um zu seinem Herzen zu sprechen. Aber nur wer in der Stille lauscht, nimmt das sanfte, leise S\u00e4useln wahr, in dem der Herr sich offenbart. In der ersten Zeit f\u00e4llt uns wohl das Schweigen schwer. &lsquo;Bleiben wir aber hierin treu, so steigt nach und nach gerade aus unserem Schweigen etwas in uns auf, das uns dazu dr\u00e4ngt, noch mehr zu schweigen.<\/li><li>Daher d\u00fcrfen die Br\u00fcder nicht wahllos sprechen, was, mit wem oder wie lange sie wollen. Sie k\u00f6nnen \u00fcber das reden, was f\u00fcr ihre Arbeit n\u00fctzlich ist, doch mit wenigen Worten und mit gem\u00e4\u00dfigter Stimme. Was jedoch f\u00fcr ihre Arbeit nicht n\u00fctzlich ist, dar\u00fcber d\u00fcrfen sie nur mit Erlaubnis reden, sei es mit M\u00f6nchen oder mit Fremden.<\/li><li>Da also die Einhaltung des Stillschweigens im Leben der Br\u00fcder von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung ist, mu\u00df diese Vorschrift sorgf\u00e4ltig beachtet werden. In Zweifelsf\u00e4llen, die von der Regel nicht vorgesehen sind, mu\u00df jeder besonnen nach seinem Gewissen und der Dringlichkeit des Augenblicks entscheiden, ob und inwieweit er sprechen darf.<\/li><li>Die Treue gegen\u00fcber dem innewohnenden Geist und die Liebe zueinander verlangen, da\u00df die Br\u00fcder Zahl und Ma\u00df ihrer Worte w\u00e4gen, wenn sie ein Gespr\u00e4ch beginnen d\u00fcrfen. Denn man mu\u00df annehmen, da\u00df eine lang und fruchtlos hingezogene Unterredung den Heiligen Geist mehr betr\u00fcbt und gr\u00f6\u00dfere Zerstreuung verursacht als ein kurzes, selbst unerlaubtes Gespr\u00e4ch, das aber bald abgebrochen wird. Oft wird eine im Anfang n\u00fctzliche Unterhaltung schnell unn\u00fctz und schlie\u00dflich tadelnswert.<\/li><li>Sind Br\u00fcder an einem Ort beisammen, gibt der vorstehende Bruder denen, die kommen oder ihnen begegnen, Antwort, w\u00e4hrend die anderen schweigen.<\/li><li>Wenn die Br\u00fcder sich begegnen, machen sie freundlich und bereitwillig mit einer dem\u00fctigen Verneigung einander Platz und gehen unter Wahrung des Stillschweigens weiter.<\/li><li>An den Sonntagen und Hochfesten sowie an Tagen, die in besonderer Weise der Geistessammlung zugedacht sind, befolgen sie das Stillschweigen genauer und h\u00fcten die Zelle. Auch mu\u00df alle Tage nach dem abendlichen Angelus bis zur Prim im ganzen Haus vollkommenes Schweigen herrschen , das wir nur in einem wirklich dringenden Fall brechen d\u00fcrfen. Denn nach den Beispielen der Heiligen Schrift und der Meinung der alten M\u00f6nche f\u00f6rdert diese Nachtzeit in vorz\u00fcglicher Weise die Geistessammlung und die Begegnung mit Gott.<\/li><li>Ohne Genehmigung des Priors sollen die Br\u00fcder die Zellen der Patres nicht betreten. Handelt es sich aber um eine Arbeit, die notwendig gemacht werden mu\u00df, so k\u00f6nnen sie nach Verst\u00e4ndigung des Zellenbewohners die Zelle betreten. Ohne Genehmigung des Priors sollen sie auch nirgendwo im Haus mit den Patres reden. Indessen k\u00f6nnen sie ihren Beichtvater oder Seelenf\u00fchrer aufsuchen, jedoch soll ihre Unterredung sich auf das f\u00fcr den geistlichen Beistand N\u00f6tige beschr\u00e4nken. Ohne Erlaubnis sollen sie keine Arbeiter in den Kreuzgang f\u00fchren. Auch sollen sie sich soweit als m\u00f6glich in acht nehmen, die Stille des Kreuzgangs nicht zu st\u00f6ren, wenn der Patreskonvent in die Kirche einzieht oder von da zur\u00fcckkehrt.<\/li><li>Mit Personen des Ordens und mit anderen, die gelegentlich bei uns zu Gast sind, sollen wir ohne Erlaubnis des Vorgesetzten nicht sprechen. Ohne rechtm\u00e4\u00dfigen Grund sollen wir diese Erlaubnis unsererseits auch nicht suchen oder begehren. Denn wer die Einsamkeit pflegt, im Schweigen verharrt und nach Ruhe verlangt, hat keinen Nutzen davon, wenn er ohne Grund andere besucht oder von anderen besucht wird.<\/li><li>Die Br\u00fcder sollen sich auch nicht anma\u00dfen, ohne Erlaubnis mit hinzukommenden Weltleuten zu sprechen oder zu plaudern. Sie d\u00fcrfen lediglich, wenn Weltleute ihnen begegnen oder hinzukommen, deren Gru\u00df erwidern, auf ihre Fragen kurz antworten und sich entschuldigen, da\u00df sie weiter mit ihnen nicht reden d\u00fcrfen.<\/li><li>Die Bewahrung des Schweigens und die Geistessammlung verlangen von den Br\u00fcdern, denen sich viele Gelegenheiten zum Sprechen bieten, besondere Wachsamkeit. Sie k\u00f6nnen hierin nur vollkommen sein, wenn sie mit ernstem Eifer danach streben, ihren Weg vor Gott zu gehen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c15\">Kapitel 15<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Arbeit<a href=\"#c14\">\u00ab<\/a><a href=\"#c17\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Br\u00fcder widmen sich zu den festgesetzten Stunden ihren Arbeiten, damit sie, w\u00e4hrend sie f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse des Hauses sorgen, durch ihre Arbeit in Vereinigung mit Jesus, dem Sohn des Zimmermanns, die ganze Sch\u00f6pfung zum Lob der Herrlichkeit Gottes f\u00fchren und den Vater verherrlichen, indem sie den ganzen Menschen dem Erl\u00f6sungswerk beigesellen. Im Schwei\u00df und in der M\u00fchsal der Arbeit finden sie n\u00e4mlich einen kleinen Teil des Kreuzes Christi, durch das sie, dank des Lichtes seiner Auferstehung, des neuen Himmels und der neuen Erde teilhaftig werden.<\/li><li>Nach den alten M\u00f6nchs\u00fcberlieferungen tr\u00e4gt eine solche Arbeit viel dazu bei, die Tugenden auf dem Weg der vollkommenen Liebe zu \u00fcben. Denn dadurch finden der innere und \u00e4u\u00dfere Mensch ihr Gleichgewicht, so da\u00df die Br\u00fcder aus der Einsamkeit gr\u00f6\u00dferen Nutzen ziehen.<\/li><li>In den Obedienzen und in allem, was sie zur Verf\u00fcgung haben, richten sich die Br\u00fcder nach den Anordnungen des Priors und des Prokurators und setzen ihre nat\u00fcrlichen Kr\u00e4fte und Gnadengaben in der Erf\u00fcllung der ihnen anvertrauten Arbeit ein. So w\u00e4chst durch den Gehorsam die Freiheit der Kinder Gottes, und die Br\u00fcder tragen durch diese freiwillige Folgsamkeit nach Gottes Plan f\u00fcr den Aufbau des Leibes Christi bei.<\/li><li>Im Geiste des Dienstes soll der Prokurator seine Autorit\u00e4t an den Br\u00fcdern und der Obedienzleiter an seinen Gehilfen aus\u00fcben, so da\u00df sie dadurch die Liebe, mit der Gott diese liebt, zum Ausdruck bringen. Sie sollen die Br\u00fcder gern um Rat fragen und anh\u00f6ren, unter Wahrung ihres Rechts, zu entscheiden und anzuordnen, was zu tun ist. So wirken alle bei der Durchf\u00fchrung ihrer Aufgaben in t\u00e4tigem und liebevollem Gehorsam mit.<\/li><li>Als J\u00fcnger Jesu Christi, der unsertwegen arm wurde, da er reich war, arbeiten die Br\u00fcder im Geist der Armut. Insbesondere meiden sie jede Sachverschwendung und geben acht, da\u00df kein Handwerkszeug verlorengeht. Ebenso sorgen sie gewissenhaft f\u00fcr die gute Erhaltung der Werkzeuge, zumal der Maschinen.<\/li><li>Wenn der Prokurator es w\u00fcnscht, zeigen sie ihm die Gegenst\u00e4nde und Werkzeuge ihrer Obedienzen. Von den zu ihrer Obedienz geh\u00f6rigen Dingen verwenden sie nichts zum eigenen Gebrauch.<\/li><li>Der Obedienzleiter kann ohne Erlaubnis nichts geben oder annehmen. Er f\u00fchrt auch keine Arbeit f\u00fcr die M\u00f6nche aus, zu der ihn die kl\u00f6sterliche Ordnung nicht verpflichtet. Mu\u00df w\u00e4hrend der Abwesenheit des Prokurators eine Sache erledigt werden, soll der Bruder so handeln, wie nach seiner Meinung der Obere in dessen Anwesenheit gehandelt h\u00e4tte. Nach dessen R\u00fcckkehr teile er ihm mit, was und wie er alles erledigt hat.<\/li><li>Der Obedienzleiter darf niemanden in seine Obedienz f\u00fchren, wenn keine Notwendigkeit dazu besteht. Ist diese Notwendigkeit vorbei, soll der Betreffende sich sofort wieder entfernen; dabei ist unn\u00f6tiges Sprechen zu unterlassen.<\/li><li>Alle Br\u00fcder, einschlie\u00dflich der Obedienzleiter, sollen, wenn es n\u00f6tig ist und es ihnen aufgetragen wird, anderen Obedienzen bereitwillig helfen und freudig einer des anderen Last tragen.<\/li><li>Die Geistessammlung wird den Bruder bei der Arbeit zur Beschauung f\u00fchren. Um diese Sammlung zu erlangen, darf er w\u00e4hrend seiner Besch\u00e4ftigung stets zu kurzen Sto\u00dfgebeten seine Zuflucht nehmen und auch manchmal die Arbeit zu kurzem Gebet unterbrechen.<\/li><li>Zum Schutz dieser Sammlung ist darauf zu achten, da\u00df den Br\u00fcdern keine Arbeiten zugewiesen werden, die sie von ihrem M\u00f6nchsziel ablenken k\u00f6nnten. Sie sollen sich ihrerseits auch nicht um die Finanzen k\u00fcmmern, abgesehen von den Br\u00fcdern, die dem Prokurator in der wirtschaftlichen Verwaltung behilflich sind.<\/li><li>Mit Arbeitern sollen die Br\u00fcder nicht zusammen t\u00e4tig sein. L\u00e4\u00dft sich das zuweilen nicht vermeiden, schicke man zu solcher Arbeit keine j\u00fcngeren, sondern \u00e4ltere und verl\u00e4\u00dflichere Br\u00fcder und unterstelle sie gew\u00f6hnlich keinem Weltmann. Auch zusammen mit Frauen oder in Geb\u00e4uden, wo Frauen sich aufhalten, sollen sie nicht arbeiten.<\/li><li>Die Br\u00fcder, die alles aus Liebe zu Gott und nicht zum eigenen Vergn\u00fcgen tun, lieben die Befolgung der Klosterregel. Deshalb halten sie sich sehr gewissenhaft an die Tagesordnung. Beim Zeichen zum Kirchgang legen sie stets, wo immer sie weilen, sofort alles beiseite und eilen zur Kirche.<\/li><li>Br\u00fcder, die keine bestimmte Arbeit haben, begeben sich zu der vom Prokurator festgesetzten Zeit zu ihm. Der Prokurator und die Obedienzleiter seien bestrebt, die Arbeit so einzurichten, da\u00df sich die Br\u00fcder zu den vorgeschriebenen Stunden dem Schweigen der Zelle und dem Gebet hingeben k\u00f6nnen. Dr\u00e4ngt in dieser Zeit unerwartet eine besondere, notwendige Arbeit, so betraue man damit besser einen Bruder, der am g\u00f6ttlichen Nachtoffizium nicht teilnehmen wird.<\/li><li>Obedienzen wie K\u00fcche und Depense, die h\u00e4ufig miteinander verkehren, sollen so eingerichtet sein, da\u00df Liebe und Eintracht zwischen ihnen herrschen und das Stillschweigen nicht verletzt wird. Denn alles mu\u00df offenbar machen, wie gut und sch\u00f6n es ist, wenn Br\u00fcder miteinander in Eintracht wohnen.<\/li><li>Keiner darf ohne Erlaubnis eine fremde Obedienz betreten. Der Koch &#8211; oder in seiner Abwesenheit sein Gehilfe &#8211; und der Depensier k\u00f6nnen in ihrer Obedienz essen. Ein anderer aber darf in der K\u00fcche nicht essen und trinken, es sei denn in seltenen F\u00e4llen mit Erlaubnis des Priors.<\/li><li>Der Krankenbruder, ebenso der Koch und alle, denen die Sorge f\u00fcr die besonderen Bed\u00fcrfnisse der Kranken obliegt, sollen jene mit Liebe umgeben, die von Krankheit heimgesucht sind, ja in den Leidenden das Bild des leidenden Christus erblicken und sich freuen, Christus in ihnen dienen und Erleichterung verschaffen zu k\u00f6nnen.<\/li><li>Das Leben des Bruders ist in erster Linie darauf hingeordnet, da\u00df er, mit Christus vereint, in seiner Liebe bleibe. Ob er daher in der Einsamkeit seiner Zelle oder bei seiner Arbeit weilt, er trachte mit Hilfe der Berufsgnade mit ganzem Herzen danach, stets Gott im Sinn zu haben.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c17\">Kapitel 17<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Der Novize<a href=\"#c15\">\u00ab<\/a><a href=\"#c18\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Wenn einer, von gl\u00fchender Liebe zu Gott ergriffen und von dem Verlangen beseelt, die Welt zu verlassen und die ewigen G\u00fcter zu erstreben, zu uns kommt, soll er von uns mit der gleichen Gesinnung aufgenommen werden. Daher ist es \u00fcberaus notwendig, da\u00df die Novizen in den H\u00e4usern ihrer Ausbildung das Beispiel der Regeltreue und Fr\u00f6mmigkeit, der Einsamkeit und des Stillschweigens vorfinden und ebenso das Vorbild der Liebe unter Br\u00fcdern. Fehlt dies, so besteht kaum Hoffnung f\u00fcr ihr Ausharren in unserer Lebensweise.<\/li><li>Die Kandidaten aber, die zu uns kommen, soll man mit sorgf\u00e4ltiger Umsicht pr\u00fcfen, nach der Mahnung des Apostels Johannes: Pr\u00fcft die Geister, ob sie aus Gott sind. Unzweifelhaft h\u00e4ngt ja von der guten oder schlechten Aufnahme und Ausbildung der Novizen vornehmlich die Bl\u00fcte oder der Verfall des Ordens ab, sowohl im Blick auf die Eignung als auch die Zahl seiner Mitglieder.<br>Deshalb sollen sich die Prioren vorsichtig nach ihrer Familie und ihrem Vorleben sowie nach ihrer k\u00f6rperlichen und geistigen Eignung erkundigen. Aus diesem Grund ist es auch n\u00fctzlich, kluge, mit unserer Lebensweise vertraute \u00c4rzte zu Rate zu ziehen. Zu den Gaben n\u00e4mlich, die die Kandidaten zum Leben in der Einsamkeit mitbringen sollen, z\u00e4hlt vor allem ein ma\u00dfvolles und gesundes Urteil.<\/li><li>In der Regel nehmen wir keine Novizen auf, die das zwanzigste Lebensjahr noch nicht erreicht haben. \u00dcberdies sollen nur solche Bewerber aufgenommen werden, die nach dem Urteil des Priors und der Konventmehrheit ausreichende Fr\u00f6mmigkeit, Reife und k\u00f6rperliche Gesundheit besitzen, um die Lasten des Ordens tragen zu k\u00f6nnen, und die sich f\u00fcr die Einsamkeit, aber auch f\u00fcr das Gemeinschaftsleben gut eignen.<\/li><li>Hingegen m\u00fcssen wir bei der Aufnahme von Personen in vorger\u00fccktem Alter vorsichtiger sein, da sie sich schwerer an die Observanzen und die Art unseres Lebens gew\u00f6hnen. Daher wollen wir nicht, da\u00df jemand, der Konverse werden will, ohne ausdr\u00fcckliche Erlaubnis des Generalkapitels oder des Reverendus Pater nach vollendetem f\u00fcnfundvierzigsten Lebensjahr noch aufgenommen wird. Dieselbe Erlaubnis ist notwendig, um einen Ordensmann, der in einem anderen Institut durch das Band der Profe\u00df gebunden ist, zum Noviziat zuzulassen. Handelt es sich um einen Professen mit ewigen Gel\u00fcbden, ben\u00f6tigt der Reverendus Pater die Zustimmung des Generalrates. War der Kandidat irgendwann in einem religi\u00f6sen Institut durch Gel\u00fcbde gebunden, ist es ratsam, vor der Zulassung den Reverendus Pater zu befragen.<\/li><li>Personen, die &#8211; in welchem Stand auch immer &#8211; in unseren H\u00e4usern gelebt haben und nachher ausgetreten sind, sollen in einem anderen oder in demselben Haus ohne Befragung des Reverendus Pater und der Oberen, die sie kennen, nicht wieder aufgenommen werden. War jemand in unserem Orden schon Novize oder Professe, beginnt er die Probezeit von neuem.<\/li><li>Wer mit dem Verlangen zu uns kommt, bei uns Bruder zu werden, mu\u00df von jedem gesetzlichen Hindernis frei, von der rechten Absicht bewegt und f\u00e4hig sein, die Lasten des Ordens zu tragen. Deshalb befrage man ihn wie \u00fcblich \u00fcber alles, was zu wissen n\u00f6tig ist und dienlich scheint, um sich \u00fcber seine Zulassung ein richtiges Urteil bilden zu k\u00f6nnen.<\/li><li>Danach erkl\u00e4rt man dem Kandidaten unser Lebensziel: sowohl die Verherrlichung, die wir Gott durch unsere Schicksalsgemeinschaft mit dem Erl\u00f6sungswerk zu erweisen hoffen, als auch, wie gut und angenehm es ist, Christus anzuhangen, nachdem wir alles verlassen haben. Doch k\u00fcndigt man ihm auch alles Harte und Rauhe an und stellt ihm soweit als m\u00f6glich die ganze, von ihm erstrebte Lebensweise vor Augen. Bleibt er daraufhin unerschrocken und gelobt entschlossen und bereitwillig, um der Herrenworte willen auf rauhen Pfaden zu verharren und mit Christus sterben und leben zu wollen, dann r\u00e4t man ihm schlie\u00dflich, sich gem\u00e4\u00df dem Evangelium mit allen, die etwas gegen ihn haben, zu vers\u00f6hnen.<\/li><li>Hat der Anw\u00e4rter einige Tage bei uns verbracht und der Prior sich f\u00fcr seine Aufnahme entschieden, so empf\u00e4ngt er aus der Hand des Novizenmeisters den Postu-lantenmantel. Er soll sich in verschiedenen Arbeiten und Obedienzen \u00fcben und am g\u00f6ttlichen Stundengebet teilnehmen, damit er sich so schnell wie m\u00f6glich an das neue Leben gew\u00f6hnt. Vor Beginn des Noviziats wird der Postulant wenigstens drei Monate und nicht mehr als ein Jahr lang im Haus gepr\u00fcft.<\/li><li>Hat sich der Postulant als dem\u00fctig, gehorsam, keusch, zuverl\u00e4ssig, fromm, von ausgeglichener Wesensart, geeignet f\u00fcr die Einsamkeit und arbeitsam erwiesen, so kann er im Beisein der ewigen Donaten dem Konvent vorgestellt werden. Die Vorstellung soll vom Vikar, vom Prokurator und vom Novizenmeister vorgenommen werden, welche \u00fcber die Vorz\u00fcge und M\u00e4ngel des Postulanten klare und genaue Auskunft erteilen sollen. Ist der Konvent einstimmig oder in seiner Mehrheit der Meinung, er k\u00f6nne angenommen werden, obliegt es dem Prior, ihn unter dem M\u00f6nchsgewand in die Gemeinschaft des Ordens aufzunehmen, nachdem er wenigstens vier Tage Exerzitien gemacht hat.<\/li><li>Da der Novize danach strebt, alles zu verlassen, um Christus nachzufolgen, soll er sein Geld und seine anderen Sachen, die er etwa mitgebracht hat, vollst\u00e4ndig dem Prior aush\u00e4ndigen. Denn nicht er selbst, sondern der Prior oder der vom Prior Beauftragte soll diese Sachen aufbewahren. Wir erbitten oder verlangen jedoch in keiner Weise etwas von den Novizen oder von denen, die in unseren Orden eintreten wollen.<\/li><li>Mit dem Noviziat f\u00fcr die Br\u00fcderm\u00f6nche kann man nicht Zellenm\u00f6nch werden und umgekehrt.<\/li><li>Die Noviziatszeit betr\u00e4gt zwei Jahre. Diese Zeit kann der Prior verl\u00e4ngern, jedoch nicht \u00fcber sechs Monate. Der Kandidat soll sp\u00e4testens vor Beginn des zweiten Jahres w\u00e4hlen zwischen dem Weg der Konversen und dem Weg der Donaten, und zwar selbst\u00e4ndig und in voller Freiheit.<\/li><li>Tritt ein Kandidat mit ewigen Gel\u00fcbden aus einem anderen religi\u00f6sen Institut zu uns \u00fcber, durchl\u00e4uft er das Postulat wie oben gesagt. Ist er geeignet, wird er zum Konversnoviziat zugelassen. Er soll darin f\u00fcnf Jahre bleiben, ehe er zur feierlichen Profe\u00df zugelassen wird.<br>F\u00fcr seine Zulassung zum Noviziat gilt, was oben gesagt wurde (8.9); ebenso nach Verlauf von zwei Jahren, dann nach weiteren zwei Jahren und schlie\u00dflich vor der feierlichen Profe\u00df.<\/li><li>Will jemand im zweiten Jahr des Donatnoviziats oder nach der Donation zum Stand der Konversen \u00fcbertreten, obliegt es dem Prior, die Ordnung der ganzen Probezeit festzulegen. Diese mu\u00df wenigstens sieben Jahre und drei Monate dauern, und es mu\u00df dabei das Kirchenrecht beachtet werden. Dasselbe gilt, wenn ein Konverse &#8211; Novize oder zeitlicher Professe &#8211; zum Stand der Donaten \u00fcbertritt.<\/li><li>M\u00f6ge sich der Novize nicht durch Versuchungen zerm\u00fcrben lassen, die den Anh\u00e4ngern Christi in der Einsamkeit gew\u00f6hnlich auflauern. Auch verlasse er sich nicht auf seine eigenen Kr\u00e4fte, sondern vertraue auf den Herrn, der ihm die Berufung geschenkt hat und das begonnene Werk auch vollenden wird.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c18\">Kapitel 18<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Profe\u00df<a href=\"#c17\">\u00ab<\/a><a href=\"#c19\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der M\u00f6nch ist zwar durch die Taufe der S\u00fcnde gestorben und Gott geweiht, durch die Profe\u00df aber wird er vollkommener dem Vater \u00fcbereignet und von der Welt losgel\u00f6st, um unmittelbarer nach der vollkommenen Liebe streben zu k\u00f6nnen. Durch einen festen, dauerhaften Vertrag dem Herrn beigesellt, hat er Anteil am Geheimnis der Kirche, die durch ein unl\u00f6sliches Band mit Christus verbunden ist, und bezeugt der Welt das neue, durch die Erl\u00f6sung Christi erworbenen Leben.<\/li><li>Hat der Konversnovize das Noviziat lobenswert verbracht, wird er dem Konvent vorgestellt. Er wirft sich im Kapitelsaal zu Boden, begehrt Barmherzigkeit und bittet, um der Liebe Gottes willen zur ersten Profe\u00df im Kleid der Professen als dem\u00fctigster Diener aller aufgenommen zu werden. Einige Tage darauf findet die Abstimmung statt, wie oben gesagt (8.9).<\/li><li>Vor der zeitlichen Profe\u00df soll der Novize die Verwaltung seines Verm\u00f6gens abtreten und \u00fcber dessen Verwendung und Nutznie\u00dfung verf\u00fcgen, wie oben gesagt (10.5).<\/li><li>Nachdem der Bruder wenigstens acht Tage Exerzitien gehalten hat, erneuert er am festgesetzten Tag im Kapitelsaal vor dem Konvent seine Bitte um Aufnahme. Darauf mahnt ihn der Prior zu Best\u00e4ndigkeit, Gehorsam, Bekehrung des Lebens und zu allem, was der Stand der Konversen erfordert. Der Bruder legt dann in der Kirche die Profe\u00df auf drei Jahre ab, wie weiter unten ausgef\u00fchrt wird (36.8-10). Doch achte man sehr darauf, da\u00df der Bruder sich nach sorgf\u00e4ltiger \u00dcberlegung zu den Gel\u00fcbden entschlie\u00dft und sich nur in voller Freiheit bindet.<\/li><li>Sind die drei Jahre vor\u00fcber, stimmt der Konvent \u00fcber den Jungprofessen ab (8.9). Es ist dann Sache des Priors, ihn zur Erneuerung der zeitlichen Profe\u00df auf zwei Jahre zuzulassen.<br>Doch kann der Prior die Dauer der zeitlichen Profe\u00df verl\u00e4ngern, aber nicht \u00fcber ein Jahr.<br>Aus einem hinreichenden Grund kann das Generalkapitel oder der Reverendus Pater jemand von der Dauer der zeitlichen Gel\u00fcbde und des Noviziats entbinden, jedoch unter Wahrung des allgemeinen Kirchenrechts.<\/li><li>Nachdem die Professen mit feierlichen Gel\u00fcbden abgestimmt haben (8.9) und der Reverendus Pater sein Einverst\u00e4ndnis erkl\u00e4rt hat, l\u00e4\u00dft der Prior die zeitlichen Professen zur feierlichen Profe\u00df zu. Wie bei der zeitlichen Profe\u00df gesagt wurde, soll der Bruder auch vor der feierlichen Profe\u00df zweimal im Kapitelsaal um Zulassung bitten.<\/li><li>In der Christusnachfolge mu\u00df der J\u00fcnger allem und sich selbst entsagen. Daher soll der Profe\u00dfanw\u00e4rter vor der feierlichen Profe\u00df auf alle G\u00fcter, die er tats\u00e4chlich besitzt, verzichten; er kann dabei jedoch, wenn er will, bez\u00fcglich der G\u00fcter, auf die er einen Rechtsanspruch hat, Anordnungen treffen. Kein Ordensmitglied darf von dem zeitlichen Professen das Geringste von seinem Besitz erbitten, auch nicht f\u00fcr einen frommen Zweck oder um irgendwelchen Personen ein Almosen zu spenden. Vielmehr soll dieser frei nach Belieben \u00fcber sein Eigentum bestimmen.<\/li><li>Der Bruder kann die zeitliche wie die feierliche Profe\u00df nur ablegen, wenn der eigene Prior anwesend ist und die Konventmesse feiert. Ist dieser rechtm\u00e4\u00dfig verhindert, soll er einen anderen Prior oder einen anderen Priester unseres Ordens erm\u00e4chtigen, die Profe\u00df in seinem Namen entgegenzunehmen. Im Profe\u00dftext hei\u00dft es dann: in Gegenwart von Pater N., erm\u00e4chtigt von Prior N. Die Rektoren der dem Orden eingegliederten H\u00e4user k\u00f6nnen jedoch im eigenen Namen zur Profe\u00df zulassen.<\/li><li>Am festgesetzten Tag legt der Profe\u00dfanw\u00e4rter in der Konventmesse nach dem Evangelium oder Credo die Profe\u00df ab (36.13-14). Denn dann wird das .Opfer seiner selbst, das er mit Christus darbringen will, von Gott durch die H\u00e4nde des Priors angenommen und geweiht.<\/li><li>Der Professe soll die Profe\u00dfformel pers\u00f6nlich in folgender Weise und mit folgendem Wortlaut in der Muttersprache niederschreiben: Ich, Bruder N., verspreche Gehorsam, Bekehrung meines Lebens und Beharrlichkeit in dieser Einsiedelei, vor Gott und seinen Heiligen und vor den Reliquien dieser Einsiedelei, die erbaut ist zur Ehre Gottes, der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria und des heiligen Johannes des T\u00e4ufers, in Gegenwart des Priors N.<br>Bei der zeitlichen Profe\u00df f\u00fcgt man nach dem Wort verspreche die Zeitangabe hinzu. Bei der feierlichen Profe\u00df setzt man auf ewig ein.<\/li><li>Hier ist zu bemerken, da\u00df alle unsere Einsiedeleien immer zuerst zur Ehre der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria und des heiligen Johannes des T\u00e4ufers geweiht werden, die wir als unsere Hauptpatrone im Himmel haben.<br>Jede Profe\u00dfurkunde soll vom Professen und vom Prior, in dessen H\u00e4nde die Profe\u00df abgelegt wurde, unterzeichnet, mit dem Datum versehen und im Hausarchiv aufbewahrt werden.<\/li><li>Alle Mitglieder unseres Ordens, m\u00f6gen sie auch in andere H\u00e4user versetzt werden und dort die feierlichen Gel\u00fcbde ablegen, bleiben in Zukunft Professen des Hauses, wo sie nach dem Noviziat die erste Profe\u00df abgelegt haben.<\/li><li>Vom Augenblick seiner Profe\u00df an wisse der Bruder, da\u00df er gar nichts mehr ohne Erlaubnis des Priors besitzt, nicht einmal den Stock, auf den er sich beim Gehen st\u00fctzt; geh\u00f6rt er ja auch sich selbst nicht mehr. Denn von allen, die den Ordensberuf ergriffen haben, rau\u00df der Gehorsam mit gro\u00dfem Eifer gehalten werden. Wir aber m\u00fcssen ihn mit um so gr\u00f6\u00dferer Hingabe und Sorgfalt \u00fcben, als unsere Berufung strenger und herber ist. Fehlt n\u00e4mlich der Gehorsam &#8211; was ferne sei -, bliebe so gro\u00dfe M\u00fche ohne Lohn. Daher sagt Samuel: Gehorsam ist besser als Opfer, Hinh\u00f6ren besser, als das Fett von Widdern darzubringen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c19\">Kapitel 19<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Donation<a href=\"#c18\">\u00ab<\/a><a href=\"#c20\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Im Hause Gottes gibt es viele Wohnungen. Zu uns geh\u00f6ren Patres und Konversen, und zu uns geh\u00f6ren auch Donaten. Auch sie haben die Welt verlassen und die Einsamkeit der Kartause gesucht, um sich im Schutz der Klausur dem Gebet und der Arbeit zu widmen und ihr ganzes Leben dem Herrn zu weihen. Nicht selten n\u00e4mlich zogen es heiligm\u00e4\u00dfige M\u00e4nner vor, im Stand der Donaten zu leben und zu sterben, um den S\u00f6hnen des heiligen Bruno beigez\u00e4hlt zu werden und in den Genu\u00df seines heiligen Erbes zu gelangen.<\/li><li>Hat der Donatnovize das Noviziat lobenswert verbracht, wird er vom Prior zur Ablegung der zeitlichen Donation zugelassen, nachdem die Professen mit feierlichen Gel\u00fcbden und die ewigen Donaten ihre Zustimmung gegeben haben (8.9).<\/li><li>Nachdem der k\u00fcnftige Donat wenigstens vier Tage Exerzitien gemacht hat, verliest er am Tag der Donation &#8211; der zeitlichen wie der ewigen (36.16-18) &#8211; vor der Vesper in Gegenwart des ganzen Konvents die Donation, die er in folgender Weise und mit folgendem Wortlaut in der Muttersprache niedergeschrieben hat: Ich, Bruder N., verspreche um der Liebe unseres Herrn Jesus Christus und um des Heiles meiner Seele willen, Gott treu als Donat zu dienen, indem ich zum Nutzen der Kirche Gehorsam und Keuschheit bewahre und ohne Eigentum lebe. Deshalb \u00fcbergebe ich mich diesem Haus nach gegenseitiger vertraglicher Verpflichtung. Gem\u00e4\u00df den Statuten will ich ihm allezeit dienen und mich der Lebensweise des Ordens unterwerfen. Nach den Worten \u00fcbergebe ich mich f\u00fcgt man bei der zeitlichen Donation hinzu auf drei Jahre; ebenso gibt man, wenn sie verl\u00e4ngert wird, die Zeit der Verl\u00e4ngerung an; bei der ewigen Donation aber f\u00fcgt man auf ewig ein.<\/li><li>Obwohl der Donat ohne Eigentum lebt, beh\u00e4lt er das Eigentums- und Verf\u00fcgungsrecht \u00fcber sein Verm\u00f6gen.<br>Vor der ewigen Donation aber darf niemand etwas von seinen G\u00fctern ver\u00e4u\u00dfern oder ver\u00e4u\u00dfern lassen, selbst nicht auf Wunsch des Donaten.<\/li><li>Von da an ist der Donat Mitglied des Ordens und an ihn gebunden. Die Oberen k\u00f6nnen ihn, wenn eine Notwendigkeit besteht, in ein beliebiges Haus des Ordens versetzen. Aus dem Orden aber kann er nicht entlassen werden, solange er nicht eine seiner Verpflichtungen in grober Weise verletzt. Dann n\u00e4mlich bes\u00e4\u00dfe der Prior die Vollmacht, mit Zustimmung seines Rates die Donation f\u00fcr nichtig zu erkl\u00e4ren. Wenn aber der Donationsvertrag gel\u00f6st wird, sollen beide Seiten unterschreiben, n\u00e4mlich der Prior im Namen des Konvents und der Donat. Dies gelte als Urkunde zur Best\u00e4tigung dieser Aufl\u00f6sung.<\/li><li>Sind die drei Jahre vor\u00fcber, stimmt der Konvent unter Einschlu\u00df der ewigen Donaten ab (8.9). Es ist dann Sache des Priors, den Donaten zur Erneuerung der zeitlichen Donation auf zwei Jahre zuzulassen. Doch kann der Prior die Dauer der zeitlichen Donation verl\u00e4ngern, aber nicht \u00fcber ein Jahr.<\/li><li>Nach Ablauf der Probezeit stimmt der Konvent unter Einschlu\u00df der ewigen Donaten ab (8.9). Es ist dann Sache des Priors, den Bruder entweder zur ewigen Donation oder zu der Bestimmung, wonach die Donation alle drei Jahre erneuert wird, zuzulassen. Doch wird f\u00fcr diese Erneuerung die Abstimmung nicht wiederholt. Zur ewigen Donation ist au\u00dferdem die Zustimmung des Reve-rendus Pater erforderlich.<\/li><li>In bezug auf das g\u00f6ttliche Stundengebet und die anderen \u00dcbungen haben die Donaten ihre eigenen Gewohnheiten, die ihren Bed\u00fcrfnissen angepa\u00dft werden k\u00f6nnen. So kann jeder unsere Berufung, die Vereinigung mit Gott in Einsamkeit und Schweigen, auf die ihm entsprechendere Weise leben. Diese geregelte Freiheit sollen sie nicht zum Vorwand f\u00fcr das Fleisch gebrauchen, sondern zum Dienst der Liebe. So dienen sie dem Herrn in verschiedener Weise, ohne da\u00df dadurch ihre wahre Hingabe an Gott und ihr Streben nach Heiligkeit gemindert w\u00fcrden. Auch gew\u00e4hren sie dem Haus eine willkommene Hilfe, indem sie mitunter Aufgaben \u00fcbernehmen, die die Konversen in ihrer Regelbefolgung behindern w\u00fcrden.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c20\">Kapitel 20<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Ausbildung der Br\u00fcder<a href=\"#c19\">\u00ab<\/a><a href=\"\/moines\/de\/statuten\/buch-3\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die j\u00fcngeren Br\u00fcder stehen unter der Leitung des Novizenmeisters, der immer ein Pater im Priesterstand sein mu\u00df. Dar\u00fcber hinaus sei der Mann, ausgestattet mit Fr\u00f6mmigkeit, Ruhe, Schweigsamkeit, Urteilskraft und Klugheit, brennend vor aufrichtiger Liebe und voll Begeisterung f\u00fcr unsere Berufung. Er habe Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die verschiedenen Gem\u00fctsarten und ein offenes Herz f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der jungen M\u00f6nche. Unter seiner Obhut bleiben die Konversen bis zur feierlichen Profe\u00df und die Donaten bis zur ewigen Donation oder bis zum Beginn der Regelung, wonach die Donation alle drei Jahre erneuert wird.<\/li><li>Wenn das Amt des Novizenmeisters vom Prokurator ausge\u00fcbt wird, kann der Prior die Sorge f\u00fcr die zeitlichen Belange zwischen ihm und einem zweiten.<br>Prokurator teilen, damit er durch diese Sorge nicht zu stark belastet wird.<\/li><li>Der Magister lehrt seine jungen M\u00f6nche, das im Glauben und in der Liebe wurzelnde Gebetsleben aus der wahren Quelle des Wortes Gottes zu sch\u00f6pfen und mit den ihrem Stand eigenen \u00dcbungen, der Einsamkeit, dem Schweigen, der Liturgie und der Arbeit, angemessen zu verbinden. Auch f\u00f6rdert er in ihnen das liebende Verst\u00e4ndnis unserer Statuten und Ordens\u00fcberlieferungen. Er trage Sorge, da\u00df die Liebe der jungen M\u00f6nche zu Christus und zur Kirche st\u00e4ndig wachse. Einmal in der Woche widme er sich der gemeinsamen Ausbildung der jungen Br\u00fcder, indem er ihnen wenigstens eine halbe Stunde Konferenz h\u00e4lt und sie vor allem im Geist und den Br\u00e4uchen unseres Berufes unterweist. Den Novizen aber gew\u00e4hrt man zu ihrer besseren geistlichen Formung mehr Zeit in ihrer Zelle.<\/li><li>Bei seinen Besuchen und im zwanglosen, pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch mit den Neulingen lernt der Magister ihre seelische Verfassung kennen und ber\u00e4t sie ihren besonderen Bed\u00fcrfnissen entsprechend, auf da\u00df jeder die Vollkommenheit seiner Berufung zu erreichen vermag.<\/li><li>Der Prokurator aber, den sein Amt t\u00e4glich mit den Br\u00fcdern zusammenf\u00fchrt, wird sie durch sein eigenes Tugendbeispiel und Gebetsleben wirksamer \u00fcber Tugend und Gebet belehren. Die g\u00f6ttliche Lehre wird n\u00e4mlich mehr durch das Leben als durch Worte vermittelt.<\/li><li>W\u00e4hrend der Ausbildungszeit soll man die Br\u00fcder nicht zuviel mit gemeinschaftlichen \u00dcbungen oder ordensfremden Gebr\u00e4uchen belasten. Man richte mehr das Augenmerk darauf, sie in das Gebetsleben und in den wahren M\u00f6nchsgeist einzuweihen.<\/li><li>Es ist Sache des Priors und des Novizenmeisters, nach ihrem klugen Ermessen zu beurteilen, ob die Kandidaten oder jungen Br\u00fcder f\u00e4hig sind, unser Ordensleben zu befolgen. Denn das Wollen gen\u00fcgt nicht, um zugleich mit dem Namen auch wirklich ein Kart\u00e4user zu sein. Neben der Liebe zur Einsamkeit und zu unserem Leben wird auch eine besondere Eignung des Herzens und des Leibes gefordert. Ein falsches und sozusagen grausames Mitleid ist es aber, jemanden aufzunehmen oder l\u00e4nger zu behalten, wenn feststeht, da\u00df ihm die n\u00f6tigen Gaben fehlen. Der Magister achte unbedingt darauf, da\u00df der Novize \u00fcber seinen Lebensweg in voller Freiheit entscheide, und er dr\u00e4nge ihn in keiner Weise zur Ablegung der Donation oder Profe\u00df.<br>Viermal im Jahr soll der Magister vor dem Prior und dem Rat \u00fcber das Befinden der einzelnen Donat- und Konversnovizen Rechenschaft ablegen und auch, wenn er gefragt wird, \u00fcber die anderen Mitglieder des Noviziats Bescheid geben.<\/li><li>Die jungen Br\u00fcder sollen zum Novizenmeister freien Zutritt haben und sich jederzeit aus eigenem Antrieb und ungezwungen mit ihm besprechen k\u00f6nnen. Wir fordern sie auf, dem Magister offen und vertrauensvoll ihre Schwierigkeiten darzulegen und ihn als den anzunehmen, den die g\u00f6ttliche Vorsehung zu ihrer F\u00fchrung und Hilfe erw\u00e4hlt hat. Ebenso steht allen Br\u00fcdern ungehindert der Weg zum Prior offen, der sie als gemeinsamer Vater stets mit G\u00fcte aufnehmen, soll. Er besuche sie zuweilen auch in ihren Zellen und sei um alle ohne Ansehen der Person in gleicher Weise besorgt.<\/li><li>Die \u00e4lteren Br\u00fcder, zumal die Obedienzleiter, tragen zur Ausbildung der j\u00fcngeren Br\u00fcder, mit denen sie zusammenarbeiten, wirksam bei, wenn sie ihnen in den t\u00e4glichen Obliegenheiten das Beispiel der Regeltreue, der Tugend und des Gebetes geben. F\u00fcr gew\u00f6hnlich sollen sie jedoch keine Gespr\u00e4che mit ihnen ankn\u00fcpfen, auch nicht \u00fcber geistliche Dinge, da sie sich ja in fremde Gewissensangelegenheiten nicht einmischen d\u00fcrfen.<\/li><li>Damit das geistliche Leben der Br\u00fcder auf fester Grundlage ruht, soll den jungen Br\u00fcdern am Anfang ihres M\u00f6nchslebens eine Unterweisung in der Glaubenslehre zuteil werden. Es soll daf\u00fcr t\u00e4glich eine gewisse Zeit vorbehalten sein. Ziel dieser Ausbildung soll es sein, da\u00df der Bruder mit dem Reichtum, der im Wort Gottes verborgen ist, vertraut wird und die Geheimnisse unseres Glaubens mit eigenem Verst\u00e4ndnis erfassen kann, indem er lernt, in der Betrachtung aus gediegenen B\u00fcchern Nutzen zu ziehen. Es ist die Aufgabe des Priors, des Magisters und des Prokurators, diese Ausbildung zu erteilen. Sie sollen dabei in gegenseitigem Einvernehmen gem\u00e4\u00df den Vorschriften des Generalkapitels handeln.<\/li><li>Die geistliche Unterweisung der Br\u00fcder in der Glaubenslehre mu\u00df ihr ganzes Leben hindurch vervollkommnet werden. Hierbei wird der Prokurator durch vom Prior bestimmte Patres unterst\u00fctzt, die die sonnt\u00e4gliche Konferenz f\u00fcr alle Br\u00fcder halten. Vom Fest Allerheiligen bis Ostern werden die Statuten erkl\u00e4rt, deren gewohnte Kapitel allj\u00e4hrlich im Br\u00fcderkonvent zu verlesen sind. Diese Konferenz, in der auch die Br\u00e4uche des Ordens gelehrt werden, wird vor allem dem Prokurator anvertraut. Von Ostern bis zum Fest Allerheiligen wird nach den Richtlinien des Priors Unterricht \u00fcber Glaubenslehre, geistliches Leben, Heilige Schrift und Liturgie erteilt. Diese Belehrung soll zugleich tief und der Fassungskraft der Br\u00fcder angepa\u00dft sein. Wenn es angebracht scheint, k\u00f6nnen diese beiden Unterrichtsarten anders verteilt werden, ohne dabei die jeweils veranschlagte Zeit zu verk\u00fcrzen.<\/li><li>So werden die Br\u00fcder die \u00fcberragende Erkenntnis Jesu Christi erlernen, insofern sie sich durch ein Leben des schweigenden Gebetes, welches mit Christus in Gott verborgen ist, dazu bereiten, diese Erkenntnis aufzunehmen. Denn das ist das ewige Leben, da\u00df wir den Vater erkennen und Jesus Christus, den er gesandt hat.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buch 2&nbsp;: Die Br\u00fcderm\u00f6nche Kapitel 11 Die Br\u00fcderm\u00f6nche\u00ab\u00bb Wie ein Leib, dessen Glieder nicht alle denselben [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"parent":6183,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-6187","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6187","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6187"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6187\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6187"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}