{"id":6185,"date":"2021-12-15T16:44:56","date_gmt":"2021-12-15T15:44:56","guid":{"rendered":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/?page_id=6185"},"modified":"2021-12-15T18:39:56","modified_gmt":"2021-12-15T17:39:56","slug":"buch-1","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/de\/statuten\/buch-1\/","title":{"rendered":"Buch 1"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Buch 1&nbsp;: Die Zellenm\u00f6nche<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c3\">Kapitel 3<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Zellenm\u00f6nche<a href=\"\/moines\/de\/statuten#c2\">\u00ab<\/a><a href=\"#c4\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Jene alten M\u00f6nche, deren Herzen noch in lebendiger Erinnerung an das vergossene Blut des Herrn gl\u00fch\u00adten, gelobten das Leben in der Einsamkeit und die Armut im Geiste und bev\u00f6lkerten die W\u00fcste. Unsere Ordensv\u00e4ter sind diesem Licht aus dem Osten gefolgt. Da die Zellen\u00adm\u00f6nche denselben Weg gehen, m\u00fcssen sie auch in der gleichen Abgeschiedenheit leben. Daher sollen ihre Einsiedeleien weit genug von den menschlichen Wohnungen entfernt und ihre Zellen von den Ger\u00e4uschen der Welt wie des eigenen Hauses getrennt sein. Vor allem sollen sie sich selber auch von den Nachrichten der Welt fern\u00adhalten.<\/li><li>Wer standhaft in seiner Zelle ausharrt und sich durch sie belehren l\u00e4\u00dft, strebt danach, da\u00df sein ganzer Wandel zu einem einzigen und unabl\u00e4ssigen Gebet wird. Indes wird der Zugang zu dieser Ruhe ihm erst erschlossen, wenn er durch die M\u00fche eines heftigen Kampfes ge\u00fcbt worden ist. Bald sind es Beschwerden, die er aus Liebe zum Kreuz ertr\u00e4gt; bald sind es Heimsu\u00adchungen, durch die der Herr ihn wie Gold im Schmelzofen pr\u00fcft. Da wird er nun durch die Geduld gel\u00e4utert, durch eifriges Betrachten der Schrift getr\u00f6stet und gen\u00e4hrt und durch die Gnade des Geistes in die Tiefe seines Herzens gef\u00fchrt. So vermag er jetzt Gott nicht mehr blo\u00df zu dienen, sondern Ihm anzuhangen.<\/li><li>Man mu\u00df auch irgendeine Handarbeit verrichten, nicht so sehr, um sich f\u00fcr eine Weile angenehm zu besch\u00e4ftigen, als vielmehr, um durch Unterwerfung des Leibes unter das allen Menschen gemeinsame Gesetz die Freude auch an geistlicher T\u00e4tigkeit zu erhalten und zu mehren. Der M\u00f6nch erh\u00e4lt deshalb das notwendige Arbeitsger\u00e4t f\u00fcr seine Zelle, damit er sich nicht ge\u00adn\u00f6tigt sieht, diese zu verlassen. Denn das ist nur gestattet, wenn man im Kreuzgang oder in der Kirche zusammenkommt oder es allgemein angeordnet ist. Doch erlegt uns dabei gerade die Strenge unseres gew\u00e4hlten Berufes die Pflicht auf, im Gebrauch aller Dinge die Armut zu \u00fcben. W\u00fcnschen wir n\u00e4mlich Gemeinschaft mit dem reichen Christus, m\u00fcssen wir auch dem Vorbild des armen Christus nacheifern.<\/li><li>Die Liebe zum Herrn, das Gebet und der Eifer f\u00fcr die Einsamkeit bilden ein einigendes Band zwischen den Zellenm\u00f6nchen. Daher sollen sie sich als wahre J\u00fcnger Christi erweisen, nicht so sehr durch den Namen als durch die Tat. Sie sollen nach gegenseitiger Liebe streben und untereinander eines Sinnes sein, sich ge\u00adgenseitig ertragen und einander vergeben, wenn einer dem \u00e4ndern etwas vorzuwerfen hat, damit sie eintr\u00e4chtig und mit einem Munde Gott preisen.<\/li><li>Die Patres sollen im Ged\u00e4chtnis behalten, da\u00df sie auch mit den Br\u00fcdern zutiefst in Christus verbun\u00adden sind. Sie sollen anerkennen, da\u00df sie das reine Ge\u00adbet in der Ruhe und Einsamkeit der Zelle dem Herrn nur in Abh\u00e4ngigkeit von den Br\u00fcdern darbringen k\u00f6nnen. Sie m\u00f6gen bedenken, da\u00df ihr Priesteramt ein Dienst f\u00fcr die Kirche ist, zumal an den n\u00e4heren Gliedern, den Br\u00fcdern ihres Hauses. Sich in gegenseitiger Achtung zuvorkommend, sollen Patres und Br\u00fcder in Liebe zusammenleben; denn darin besteht das Band der Vollkommenheit, die Grundlage und Kr\u00f6nung jedes gottgeweihten Lebens.<\/li><li>Der Prior hat die Aufgabe, allen seinen S\u00f6hnen, n\u00e4mlich den Zellenm\u00f6nchen und den Br\u00fcderm\u00f6nchen,in seiner Person die Liebe des himmlischen Vaterssichtbar zu machen. Er soll sie so in Christus zusam\u00admenf\u00fchren, da\u00df alle eine Familie werden und jedes Haus &#8211; nach einem Wort Guigos &#8211; in Wahrheit eine Kart\u00e4userkirche ist.<\/li><li>Wurzel und Angelpunkt dieser Kirche bildet die Feier des Eucharistischen Opfers. Es ist das wirk\u00adsame Zeichen der Einheit, die Mitte und der H\u00f6hepunkt unseres Lebens, sowie das Manna f\u00fcr unseren geistlichen Auszug, auf dem wir in der Einsamkeit durch Christus zum Vater zur\u00fcckkehren. Auch im gesamten \u00fcbrigen Voll\u00adzug der Liturgie betet Christus f\u00fcr uns als unser Priester und in uns als unser Haupt &#8211; so sehr, da\u00df wir in ihm unsere Stimme und in uns seine Stimme erkennen.<br>In der Nachtwache wird unser Stundengebet nach alter Sitte ziemlich ausgedehnt, doch immer mit weisem Ma\u00df geregelt. Der Psalmengesang f\u00f6rdert so die innere Andacht, da\u00df wir uns im \u00fcbrigen dem geheimen Herzensge\u00adbet hingeben k\u00f6nnen, ohne da\u00df es \u00dcberdru\u00df oder Erm\u00fcdung erzeugt.<\/li><li>Nach altem Ordensbrauch wird jeder Zellenm\u00f6nch durch wunderbare Herablassung der g\u00f6ttlichen G\u00fcte f\u00fcr den Altardienst bestimmt. Es offenbart sich so\u00admit an ihm jene Harmonie, die nach einem Wort Papst Pauls VI. zwischen Priesterweihe und M\u00f6nchsweihe be\u00adsteht. Denn nach dem Vorbild Christi wird er Priester und Opfer zugleich, Gott zum lieblichen Wohlgeruch, und durch die Gemeinschaft mit dem Opfer des Herrn erh\u00e4lt er Anteil an den unergr\u00fcndlichen Reicht\u00fcmern seines Herzens.<\/li><li>Da unser Orden g\u00e4nzlich auf die Beschauung hinge\u00adordnet ist, m\u00fcssen wir unsere Trennung von der Welt \u00fcberaus gewissenhaft wahren. Daher sind wir von jedem Seelsorgsdienst befreit, um im Geheimnisvollen Leib Christi unsere eigene Aufgabe erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen, mag auch die Notwendigkeit des t\u00e4tigen Apostolates noch so dr\u00e4ngen.<br>Auch wenn der Dienst der Martha Sorgen und Unruhe mit sich bringt, so ist er dennoch lobenswert. Gleich\u00adwohl soll Martha ihre Schwester dulden, die zu F\u00fc\u00dfen Christi sitzt und in der Mu\u00dfe inne wird, da\u00df er Gott ist; die ihren Geist reinigt, ihr Gebet zum Herzen geben l\u00e4\u00dft und h\u00f6rt, was der Herr im Innern zu ihr spricht; die so im Spiegel und r\u00e4tselhaft schon ein wenig kosten und erkennen kann, wie s\u00fc\u00df er ist, und die f\u00fcr Martha sowie f\u00fcr alle, die sich auf dieselbe Weise m\u00fchen, inst\u00e4ndig betet. Maria findet nicht nur einen vollkommen gerechten Richter, sondern ebenso einen ganz treuen Anwalt. Der Herr selbst l\u00e4\u00dft sich herab, ihre Berufung zu verteidigen, ja zu empfehlen, da er sagt: Maria hat den besten Teil erw\u00e4hlt, der soll ihr nicht genommen werden. Mit diesen Worten befreit er sie davon, die Sorgen und die Unruhe Marthas zu teilen, m\u00f6gen diese noch so fromm und hingebend sein.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c4\">Kapitel 4<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Das Beobachten der Zelle und der Stille<a href=\"#c3\">\u00ab<\/a><a href=\"#c5\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Unsere Hauptaufgabe und unsere Berufung sind, uns der Stille und der Einsamkeit der Zelle hinzugeben. Sie ist das Heilige Land, der Ort, wo Gott und sein Diener h\u00e4ufige Gespr\u00e4che f\u00fchren, so wie es zwischen Freunden \u00fcblich ist. Dort vereint sich oft die treue Seele mit dem Wort Gottes, die Gemahlin mit dem Gemahl, die Erde mit dem Himmel, der Mensch mit dem G\u00f6ttlichen. Jedoch lang ist der Pfad, karg und ausgetrocknet sind die Wege, die man bis zur Quelle folgen muss, im verhei\u00dfenen Land.<\/li><li>Der Bewohner der Zelle muss also mit der gr\u00f6\u00dften Sorgfalt darauf achten, keine Gelegenheiten \u2013 au\u00dfer jene, die von der Regel vorgesehen sind &#8211; zum Hinausgehen zu schmieden oder zu akzeptieren: Er sch\u00e4tzt die Zelle vielmehr f\u00fcr sein Heil und sein Leben so unabdinglich, wie das Wasser den Fischen oder das Traute Herde den Schafen. Wenn er sich daran gew\u00f6hnt, sie regelm\u00e4\u00dfig \u2013 aus leichtfertigen Motiven &#8211; zu verlassen, so wird sie ihm schnell unertr\u00e4glich werden. Denn wie sagt der Heilige Augustinus: Keine Arbeit f\u00e4llt den Freunden dieser Welt so schwer, wie ohne Arbeit zu sein. Ganz im Gegenteil, je l\u00e4nger er in der Zelle verweilt, desto freiwilliger bleibt er dort; unter der Bedingung, sich dort seinen Besch\u00e4ftigungen, dem Lesen, Schreiben, Psalmodieren, durch das Gebet, die Andacht, die Betrachtung und die Arbeit, geordnet und Frucht bringend nachgeht.W\u00e4hrend dieser Zeit soll er sich dem stillen Hinh\u00f6ren seines Herzens zur Gewohnheit machen, das Gott erlauben, \u00fcber alle Wege und Zug\u00e4nge in sein Herz vorzudringen. So vermeidet er mit Gottes Hilfe die Gefahr, die alle Einsiedler droht, n\u00e4mlich in der Zelle der Einfachheit nachzugeben und schlie\u00dflich zu den Mittelm\u00e4\u00dfigen zu z\u00e4hlen.<\/li><li>Nur jener, der ihre Erfahrung gemacht hat, kennt die Fr\u00fcchte der Stille. Zu Beginn muss man sich M\u00fche geben, um still zu sein; wenn man ihr jedoch treu ist, so wird nach und nach aus unserer Sille selbst in uns etwas geboren, das noch mehr Stille anzieht. Um dies zu erreichen, ist es verboten, ohne Erlaubnis des Oberen unter uns zu sprechen.<\/li><li>Die erste Geste der N\u00e4chstenliebe gegen\u00fcber unseren Br\u00fcdern ist, ihre Einsamkeit zu respektieren. Wenn es uns aufgrund einiger Angelegenheiten erlaubt ist zu sprechen, so seien wir so kurz wie m\u00f6glich.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"9\"><li>Menschen, die nicht dem Orden angeh\u00f6ren und nicht danach streben, ihm beizutreten, k\u00f6nnen nicht in unseren Zellen untergebracht werden.<\/li><li>Jedes Jahr widmet sich jeder Zellenm\u00f6nch \u00fcber acht Tage hinweg noch inst\u00e4ndiger dem Frieden der Zell und der inneren Sammlung. Gem\u00e4\u00df unserem Brauch ist daf\u00fcr der Jahrestag des Gel\u00fcbdes die g\u00fcnstige Gelegenheit, diese Einkehrtage zu machen.<\/li><li>Gott hat uns in die W\u00fcste gef\u00fchrt, um mit unserem Herzen zu sprechen. Unser Herz soll also wie ein lebendiger Altar sein, von dem ohne Unterlass ein reines Gebet zum Herrn empor steigt; und dieses soll unser ganzes Handeln durchdringen<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c5\">Kapitel 5<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Bet\u00e4tigungen In der Zelle<a href=\"#c4\">\u00ab<\/a><a href=\"#c6\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Zellenm\u00f6nch ist in seinem pers\u00f6nlichen Dienst dem g\u00f6ttlichen Gesetz der Arbeit unterworfen und flieht den M\u00fc\u00dfiggang, der nach der Lehre der Alten ein Feind der Seele ist. Daher nimmt er dem\u00fctig und freudig alles an, was die Bed\u00fcrfnisse seines Lebens in Armut und Einsamkeit ihm gerade zu tun vorschreiben, doch unter der Bedingung, da\u00df alles auf den Dienst der g\u00f6tt\u00adlichen Beschauung, dem er ganz geweiht ist, hingeordnet wird. Denn au\u00dfer den verschiedenen Arten von Handarbeit wird unser Arbeitspensum von allen Pflichten unseres Standes festgesetzt, haupts\u00e4chlich von denen, die sich auf den Gottesdienst oder auf das Studium der Gottes\u00adwissenschaft beziehen.<\/li><li>Um die Zeit unseres Ordenslebens nicht unn\u00fctz in der Zelle zu verbringen, m\u00fcssen wir uns in erster Linie tatkr\u00e4ftig und besonnen zugleich den uns angemes\u00adsenen Studien widmen; nicht weil es uns reizt, zu ler\u00adnen oder B\u00fccher herauszugeben, sondern weil die weise geregelte Lesung die Seele zuverl\u00e4ssiger unterrichtet und die Grundlage f\u00fcr die Betrachtung der himmlischen Dinge bietet. Es irren n\u00e4mlich jene, die meinen, leicht zu einer tieferen Vereinigung mit Gott erhoben werden zu k\u00f6nnen, wenn sie das Studium des Gotteswortes ent\u00adweder vorher vernachl\u00e4ssigen oder nachher aufgeben. Suchen wir daher, indem wir uns mehr mit dem Mark des Sinnes als mit dem Schaum der Worte besch\u00e4ftigen, die g\u00f6ttlichen Geheimnisse mit jener Wi\u00dfbegier zu erfor\u00adschen, die aus der Liebe hervorgeht und die Liebe entflammt.<\/li><li>Durch die Handarbeit \u00fcbt sich der M\u00f6nch in der Demut und bringt den ganzen Leib in Dienstbarkeit, um dadurch besser die Festigkeit der Seele zu errei\u00adchen. Deshalb kann er sich zur festgesetzten Zeit (46.8) mit Handarbeiten besch\u00e4ftigen, die wirklich von Nutzen sein sollen. Denn mit \u00fcberfl\u00fcssigen und nichtigen Arbeiten darf man die kostbare, einem jeden zur Verherrlichung Gottes geschenkte Zeit nicht vergeu\u00adden. Damit wird aber in dieser Zeit die N\u00fctzlichkeit einer Lesung oder eines Gebetes nicht ausgeschlossen. Ja, wir werden sogar ermahnt, bei der Arbeit immer wenigstens zu kurzen Sto\u00dfgebeten unsere Zuflucht zu nehmen. Zuweilen dient auch das Gewicht der Arbeit den unruhig treibenden Gedanken als ein Anker, wodurch das Herz ohne Erm\u00fcdung des Geistes dauernd fest in Gott ruhen kann.<\/li><li>Die Arbeit ist ein Dienst, der uns mit Christus vereinigt, der nicht gekommen ist, um sich bedie\u00adnen zu lassen, sondern um zu dienen. Lob verdienen jene, die von selbst darauf bedacht sind, ihre Ger\u00e4t\u00adschaften, Werkzeuge und die anderen Gebrauchsgegenst\u00e4n\u00adde so sorgf\u00e4ltig zu behandeln, da\u00df sie nach M\u00f6glichkeit die Hilfe der Br\u00fcder nicht in Anspruch zu nehmen brau\u00adchen. Alle aber sind verpflichtet, ihre Zelle sauber und in Ordnung zu halten.<\/li><li>Der Prior kann jederzeit einem Pater eine Arbeit oder einen Dienst zum Wohl der Gemeinschaft aufer\u00adlegen. Diese Arbeit oder diesen Dienst nimmt er gern und in der Freude, die aus der Liebe hervorgeht, an, eingedenk seiner Bitte an seinem Profe\u00dftag, als dem\u00fc\u00adtigster Diener aller aufgenommen zu werden. Wird aber einem Zellenm\u00f6nch eine Arbeit \u00fcbertragen, soll diese in ihrer Durchf\u00fchrung immer die Freiheit des Geistes gew\u00e4hrleisten und keinerlei Beunruhigung durch Gedanken an Gewinn oder termingerechte Fertigstellung der Arbeit hervorrufen. Denn der Einsiedler, der nicht so sehr seine T\u00e4tigkeit als sein Ziel vor Augen hat, mu\u00df sich stets ein wachsames Herz bewahren k\u00f6nnen. Zum ruhigen und gesunden Ausharren in der Einsamkeit aber wird es oft von Vorteil sein, wenn der M\u00f6nch eine gewisse Frei\u00adheit in der Einteilung seiner Arbeit besitzt.<\/li><li>In der Regel sollen die Patres nicht zu Arbeiten au\u00dferhalb ihrer Zelle eingesetzt werden, zumal nicht in den Obedienzen der Br\u00fcder. Werden aber dennoch einmal einige Patres gleichzeitig f\u00fcr dieselbe Arbeit bestimmt, d\u00fcrfen diese zwar miteinander \u00fcber das zu ihrer Arbeit Dienliche sprechen, jedoch nicht mit Hin\u00adzukommenden.<\/li><li>Unser Eifer soll also stets gewisserma\u00dfen aus einer inneren Quelle hervorflie\u00dfen nach dem Vor\u00adbild Christi, der immer derart mit dem Vater am Werk ist, da\u00df der in ihm bleibende Vater selbst die Werke vollbringt. So wollen wir denn Jesus in seinem dem\u00fcti\u00adgen, verborgenen Leben zu Nazaret nachfolgen, ob wir nun zum Vater im Verborgenen beten oder im Gehorsam vor Ihm arbeiten.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c6\">Kapitel 6<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Beobachtung der Klausur<a href=\"#c5\">\u00ab<\/a><a href=\"#c7\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Von Anfang an beabsichtigte unser Orden, unsere vollkommene Weihe an Gott durch strenge Einhaltung der Klausur zum Ausdruck zu bringen und ihr eine St\u00fctze zu bieten. Welch ernster Veranlassung es bedarf, um nach ausw\u00e4rts zu gehen, wird allein aus der Tatsache deutlich, da\u00df der Prior der Gro\u00dfen Kartause die Grenzen seiner Ein\u00f6de nie \u00fcberschreitet. Da die gleiche kl\u00f6\u00adsterliche Ordnung einheitlich und ohne Unterschied von allen Professen eingehalten werden mu\u00df, bewilligen wir, die wir die kartusianische Lebensform angenommen haben und deshalb Kart\u00e4user hei\u00dfen, nicht leicht Ausnahmen. Mu\u00df dennoch einmal eine Ausnahme gemacht werden, so ist daf\u00fcr, von einem dringenden Fall und den anderen in den Statuten angegebenen F\u00e4llen abgesehen, immer die Er\u00adlaubnis des Reverendus Pater einzuholen.<\/li><li>Au\u00dfer dem Prior und dem Prokurator darf kein Zellenm\u00f6nch das Haus zur Erledigung irgendwelcher Gesch\u00e4fte verlassen. Auch darf niemand ohne Erlaubnis die R\u00f6mische Kurie besuchen. Handelt es sich jedoch um unvermeidliche Gesch\u00e4fte mit den Zivilbeh\u00f6rden, kann der Prior einem gestatten, eine der benachbarten St\u00e4dte aufzusuchen, falls er am gleichen Tag zur\u00fcckkehrt. Die\u00adse St\u00e4dte werden von den Visitatoren in \u00dcbereinstimmung mit dem Generalkapitel oder dem Reverendus Pater ange\u00adgeben. Wer aber ausgehen darf, soll nur solche Personen oder Orte besuchen, die zu seiner gesch\u00e4ftlichen Sen\u00addung geh\u00f6ren.<\/li><li>Der Prior soll seine Untergebenen zum Empfang der Weihen in die eigene Di\u00f6zesanstadt oder, wenn dort keine Weihen gespendet werden, in den n\u00e4chstgelegenen Ort schicken. Alle, denen diese gro\u00dfe Gnade zuteil wird, besonders jene, die zu Priestern geweiht werden, sollen danach trachten, die Weihetage soweit als m\u00f6g\u00adlich in Einsamkeit und Schweigen zu verleben, unter Wahrung der ihren Eltern schuldigen Liebe.<\/li><li>Die Strenge der Klausur w\u00fcrde aber in eine phari\u00ads\u00e4ische Beobachtung der Regel verkehrt, wenn sie nicht ein Zeichen jener Herzensreinheit w\u00e4re, der al\u00adlein die Verhei\u00dfung gilt, Gott zu schauen. Wer sie er\u00adlangen will, mu\u00df sehr abget\u00f6tet sein, vor allem im Hinblick auf die nat\u00fcrliche Neugier, die der Mensch f\u00fcr menschliche Angelegenheiten an sich erf\u00e4hrt. Wir d\u00fcrfen nicht durch Haschen nach Neuigkeiten und Ger\u00fcchten unsere Phantasie durch die Welt schweifen lassen. Unser Anteil ist es vielmehr, verborgen im Schutz des Ange\u00adsichtes Gottes zu weilen.<\/li><li>Darum sollen wir jene weltlichen B\u00fccher oder Zeit\u00adschriften, die unser inneres Schweigen aufw\u00fchlen k\u00f6nnten, meiden. Besonders widerspr\u00e4che es dem Ordens\u00adgeist, Zeitungen, die \u00fcber Politik handeln, irgendwie in den Kreuzgang einzuschleusen. Ja, die Prioren sollen \u00fcberhaupt den M\u00f6nchen raten, beim Lesen profaner Lekt\u00fc\u00adre sehr besonnen zu sein. Allein, diese Ermahnung setzt einen reifen, selbst\u00e4ndigen Geist voraus, der gelernt hat, ehrlich alle Folgerungen aus dem erw\u00e4hlten besten Teil zu ziehen, n\u00e4mlich dem Herrn zu F\u00fc\u00dfen zu sitzen und seinem Wort zu lauschen.<\/li><li>Die Vertrautheit mit Gott engt aber das Herz nicht ein, sondern macht es weit, so da\u00df es die M\u00fchen und N\u00f6te der Welt sowie die gro\u00dfen Anliegen der Kirche in Gott zu umfangen vermag. Es ist angebracht, da\u00df die M\u00f6nche dar\u00fcber in etwa Bescheid wissen. Die ehrliche Sorge um die Mitmenschen soll sich jedoch nicht in der Befriedigung der Neugier, sondern in der inneren Ver\u00adeinigung mit Christus vollziehen. Auf den Geist in seinem Innern lauschend, soll jeder unterscheiden, was er in seine Gedankenwelt aufnehmen kann, ohne das Ge\u00adspr\u00e4ch mit Gott zu st\u00f6ren.<\/li><li>Erhalten wir zuf\u00e4llig Kunde von Ereignissen in der Welt, sollen wir uns h\u00fcten, sie weiterzuerz\u00e4hlen. Weltliche Neuigkeiten sollen wir lieber dort lassen, wo wir sie geh\u00f6rt haben. Denn Sache des Priors ist es, seinen M\u00f6nchen mitzuteilen, was sie undbedingt wissen sollen, zumal wenn es sich um Leben und N\u00f6te der Kirche handelt.<\/li><li>Mit Personen des Ordens oder mit anderen, die ge\u00adlegentlich bei uns zu Gast sind, sollen wir keine Unterredung suchen, au\u00dfer wenn es wirklich n\u00f6tig ist. Denn wer die Einsamkeit pflegt, im Schweigen verharrt und nach Ruhe verlangt, hat keinen Nutzen davon, wenn er ohne Grund andere besucht oder von anderen besucht wird.<\/li><li>Da aber geschrieben steht: Ehre deinen Vater und deine Mutter, lockern wir an zwei Tagen im Jahr die Klausurstrenge, um unsere Eltern oder andere Ange\u00adh\u00f6rige zu empfangen. Die beiden Tage k\u00f6nnen getrennt oder zusammenh\u00e4ngend sein. Sonstige Besuche von Freun\u00adden jedoch und Unterhaltungen mit Weltleuten meiden wir, au\u00dfer wenn es sich um der Liebe Christi willen schlechterdings nicht vermeiden l\u00e4\u00dft. Denn wir wissen, da\u00df Gott dieses Opfer wert ist, das wir ihm bringen, und es den Menschen mehr n\u00fctzen wird als unsere Gespr\u00e4\u00adche.<\/li><li>Die \u00e4u\u00dfere Klausur w\u00e4re auch sinnlos, wenn wir mit Au\u00dfenstehenden einen regen Briefverkehr unterhiel\u00adten. Darum versenden oder empfangen wir keine Briefe ohne Wissen des Priors. Ausgenommen sind Briefe, die an das Generalkapitel, den Reverendus Pater, die zust\u00e4ndi\u00adgen Visitatoren, den Generalprokurator, den Scriba und an den Heiligen Stuhl gerichtet oder von ihnen erhalten werden. Auch haben jene, die unter der Leitung des Ma\u00adgisters stehen, freien Briefverkehr mit ihm. Private Telephongespr\u00e4che aber meiden wir, au\u00dfer in schwerwie\u00adgenden F\u00e4llen.<\/li><li>Niemals gestatten wir eine briefliche Seelenf\u00fch\u00adrung. Auch darf keiner von uns \u00f6ffentlich predi\u00adgen. Denn wenn die Weltleute aus unserem Schweigen keinen Nutzen ziehen, dann noch viel weniger aus unse\u00adrem Reden.<\/li><li>Weil der Einsiedler keinen Lehrauftrag hat, ma\u00dfe sich kein Ordensmitglied an, B\u00fccher oder Abhand\u00adlungen drucken oder in Zeitschriften erscheinen zu lassen, die das Generalkapitel oder der Reverendus Pater nicht vorher gebilligt hat. Mit Aufnahmen und Interviews aber, die zuweilen von den Massenmedien von uns erbeten werden, sollen wir sehr vorsichtig sein.<\/li><li>Hinsichtlich der Beichten ordensfremder Personen ermahnen wir die Prioren zu gro\u00dfer Zur\u00fcckhaltung. Wenn nicht erforderlich, sollen sie solche Beichtgele\u00adgenheiten, die der Eigenart unserer Berufung n\u00e4mlich ganz zuwider sind, \u00fcberhaupt nicht zulassen. Haben sie einmal notgedrungen solche Beichten gestattet, sollen sie darauf achten, da\u00df sie nicht zur Gewohnheit werden, und sie bei erster Gelegenheit unterbinden. Auf keinen Fall aber nehme man Frauen zur Beichte oder Seelenf\u00fch\u00adrung an.<\/li><li>In unseren Ordensh\u00e4usern, die kanonisch errichtet sind, wird die strenge Klausur nach der Tradition des Ordens bewahrt. Frauen k\u00f6nnen innerhalb der Klausur nicht zugelassen werden. Beim Gespr\u00e4ch mit Frauen wah\u00adren wir jene Zur\u00fcckhaltung, die sich f\u00fcr einen M\u00f6nch geziemt.<\/li><li>Die M\u00f6nche sollen bedenken, da\u00df die Keuschheit um des Himmelreiches willen, zu der sie sich ver\u00adpflichten, als \u00fcberaus hohe Gnadengabe zu sch\u00e4tzen ist. Denn sie macht ihr Herz in einzigartiger Weise frei, um leichter mit ungeteilter Liebe dem Herrn anhangen zu k\u00f6nnen. So verwirklichen sie jenen geheimnisvollen Ehe\u00adbund, den Gott gegr\u00fcndet hat und der erst in der k\u00fcnf\u00adtigen Welt ganz offenbar wird, den Ehebund der Kirche mit Christus, ihrem einzigen Br\u00e4utigam. Sie sollen also treu zu ihrem Gel\u00f6bnis stehen, den Worten des Herrn Glauben schenken, auf Gottes Hilfe vertrauen und sich nicht auf die eigenen Kr\u00e4fte verlassen, Abt\u00f6tung \u00fcben und die Sinne \u00fcberwachen. Auch sollen sie ihr Vertrauen auf Maria setzen, die durch ihre Demut und Jungfr\u00e4u\u00adlichkeit Mutter Gottes zu werden verdiente.<\/li><li>Welchen Gewinn und g\u00f6ttlichen Genu\u00df die Einsamkeit und das Schweigen der Ein\u00f6de denen bereiten, die sie lieben, wissen nur, die es erfahren haben.<br>Denn hier k\u00f6nnen mutige M\u00e4nner, sooft sie es w\u00fcn\u00adschen, bei sich Einkehr halten und verweilen, mit Flei\u00df die Tugendkeime pflegen und gl\u00fccklich von den Fr\u00fcchten des Paradieses essen.<br>Hier sucht man jenes Auge, dessen leuchtender Blick das Herz des Br\u00e4utigams verwundet, in jener Liebe, deren klare Reinheit Gott schaut.<br>Hier lebt man in einer Mu\u00dfe voller Tatkraft und verharrt in einer T\u00e4tigkeit voller Ruhe.<br>Hier verleiht Gott seinen Streitern f\u00fcr die Kamp\u00adfesm\u00fche den ersehnten Lohn: den Frieden, den die Welt nicht kennt, und die Freude im Heiligen Geist.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c7\">Kapitel 7<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Abstinenz und Fasten<a href=\"#c6\">\u00ab<\/a><a href=\"#c8\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Christus hat f\u00fcr uns gelitten und uns ein Beispiel gegeben, damit wir seinen Fu\u00dfspuren folgen. Das tun wir, wenn wir die M\u00fchsale und \u00c4ngste dieses Lebens auf uns nehmen, die Armut in der Freiheit der Kinder Gottes bejahen und dem Eigenwillen entsagen. \u00dcberdies sollen wir nach monastischer \u00dcberlieferung Christus bei seinem Fasten in der W\u00fcste folgen, indem wir den Leib z\u00fcchtigen und gef\u00fcgig machen, damit das Herz in Sehn\u00adsucht nach Gott ergl\u00fcht.<\/li><li>Die Zellenm\u00f6nche halten in jeder Woche eine Absti\u00adnenz, die gew\u00f6hnlich am Freitag ist. An diesem Tag begn\u00fcgen sie sich mit Brot und Wasser. Zu bestimmten Zeiten und Tagen halten sie das Ordensfasten, bei dem sie nur einmal am Tag essen (vgl. Kap. 48).<\/li><li>Die Abt\u00f6tung des Fleisches sollen wir nicht allein aus Gehorsam gegen die Statuten \u00fcben, sondern in erster Linie, um, von der Begierde des Fleisches be\u00adfreit, um so freudiger hinter dem Herrn herzugehen.<br>Stellt aber jemand in einem bestimmten Fall oder im Laufe der Zeit fest, da\u00df eine unserer Observanzen seine Kr\u00e4fte \u00fcbersteigt und dadurch sein Geist in der Nachfolge Christi mehr gehemmt als angespornt wird, so lege er zusammen mit dem Prior mit kindlichem Herzen das richtige Ma\u00df seiner Abt\u00f6tung wenigstens f\u00fcr eine gewisse Zeit fest. Die Entscheidung aber, was er zu leisten vermag, treffe er immer im Bewu\u00dftsein des Rufes Christi. Und was er dem Herrn in der allgemeinen Regel\u00adbefolgung nicht darbringen kann, das opfere er auf an\u00addere Weise durch Selbstverleugnung und t\u00e4gliches Tragen seines Kreuzes auf.<\/li><li>Infolgedessen soll man die Novizen allm\u00e4hlich an die Abstinenzen und Fasten des Ordens gew\u00f6hnen, damit sie unter der Leitung des Magisters klug und sicher nach der strengen Beobachtung der Regel streben. Der Magister lehre sie, besonders wachsam zu sein, da\u00df sie nicht unter dem Vorwand des vorgeschriebenen Fa\u00adstens gegen die M\u00e4\u00dfigkeit bei der Mahlzeit versto\u00dfen. Auf diese Weise werden sie lernen, durch den Geist die Werke des Fleisches zu t\u00f6ten und das Todesleiden Jesu an ihrem Leib zu tragen, damit auch das Leben Jesu an ihrem Leib sichtbar wird.<\/li><li>Gem\u00e4\u00df dem von unseren ersten V\u00e4tern eingef\u00fchrten und stets mit ausgezeichnetem Eifer bewahrten Brauch haben wir den Genu\u00df von Fleisch von unserer Lebensweise g\u00e4nzlich ausgeschlossen. Diesen Verzicht auf Fleisch sollen wir beobachten als ein charakteri\u00adstisches Merkmal unseres Ordens und ein Zeichen eremi\u00adtischer Strenge. Und mit Gottes Hilfe wollen wir auch weiterhin daran festhalten.<\/li><li>Unvereinbar mit der kartusianischen N\u00fcchternheit und der freiwilligen Armut w\u00e4re auch das Murren \u00fcber die Kost, zumal vor dem Konvent. Doch wollen wir damit nicht verbieten, da\u00df jeder seine Bed\u00fcrfnisse bescheiden und verzichtbereit dem Prior darlegen kann, der seine M\u00f6nche, entsprechend der Art unseres Ordens, mit allem N\u00f6tigen hinreichend versorgen soll.<\/li><li>Allzeit soll die Einfachheit in den Speisen ge\u00adwahrt werden. Das gilt auch f\u00fcr Festtage, obschon wir dann unsere innere Freude auch nach au\u00dfen m\u00e4\u00dfig zeigen d\u00fcrfen. Glaubt aber der Prior, etwa eingedrunge\u00adnen Mi\u00dfbr\u00e4uchen Einhalt gebieten zu m\u00fcssen, sollen sich alle freudig seiner Anordnung f\u00fcgen.<\/li><li>Bu\u00df\u00fcbungen, die in diesen Statuten nicht gelehrt werden, darf keiner von uns ohne Wissen und Zustimmung des Priors vornehmen. Aber auch dann, wenn der Prior will, da\u00df sich jemand mehr Speise, Schlaf oder etwas anderes g\u00f6nnt, oder wenn er ihm etwas Hartes und Schweres auferlegt, haben wir kein Recht zu widerste\u00adhen. Denn wir m\u00f6chten nicht, indem wir uns ihm widersetzen, einmal als widersetzlich nicht gegen ihn, son\u00addern gegen den Herrn erfunden werden, dessen Stelle er f\u00fcr uns vertritt. M\u00f6gen n\u00e4mlich unsere \u00dcbungen auch zahlreich und mannigfaltig sein, ohne das Gut des Ge\u00adhorsams hoffen wir vergebens, dereinst ihre Fr\u00fcchte zu ernten.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c8\">Kapitel 8<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Der Novize<a href=\"#c7\">\u00ab<\/a><a href=\"#c9\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Wenn einer, von gl\u00fchender Liebe zu Gott ergriffen und von dem Verlangen beseelt, die Welt zu verlas\u00adsen und die ewigen G\u00fcter zu erstreben, zu uns kommt, soll er von uns mit der gleichen Gesinnung aufgenommen werden. Daher ist es \u00fcberaus notwendig, da\u00df die Novizen in den H\u00e4usern ihrer Ausbildung das Beispiel der Regel\u00adtreue und Fr\u00f6mmigkeit, der Bewahrung der Zellenruhe und des Stillschweigens vorfinden und ebenso das Vorbild der Liebe unter Br\u00fcdern. Fehlt dies, so besteht kaum Hoffnung f\u00fcr ihr Ausharren in unserer Lebensweise.<\/li><li>Die Kandidaten aber, die zu uns kommen, soll man mit sorgf\u00e4ltiger Umsicht pr\u00fcfen, nach der Mahnung des Apostels Johannes: Pr\u00fcft die Geister, ob sie aus Gott sind. Unzweifelhaft h\u00e4ngt ja von der guten oder schlechten Aufnahme und Ausbildung der Novizen vornehm\u00adlich die Bl\u00fcte oder der Verfall des Ordens ab, sowohl im Blick auf die Eignung als auch die Zahl seiner Mitglieder.<br>Deshalb sollen sich die Prioren vorsichtig nach ihrer Familie und ihrem Vorleben sowie nach ihrer k\u00f6r\u00adperlichen und geistigen Eignung erkundigen. Aus diesem Grund ist es auch n\u00fctzlich, kluge, mit unserer Lebens\u00adweise vertraute \u00c4rzte zu Rate zu ziehen. Zu den Gaben n\u00e4mlich, die die Kandidaten zum Leben in der Einsamkeit mitbringen sollen, z\u00e4hlt vor allem ein ma\u00dfvolles und gesundes Urteil.<\/li><li>In der Regel nehmen wir keine Novizen auf, die daszwanzigste Lebensjahr noch nicht erreicht haben.\u00dcberdies sollen nur solche Bewerber aufgenommen werden,die nach dem Urteil des Priors und der Konventmehrheit ausreichende Schulbildung, Fr\u00f6mmigkeit, Reife und k\u00f6r\u00adperliche Gesundheit besitzen, um die Lasten des Ordens tragen zu k\u00f6nnen, und die sich f\u00fcr die Einsamkeit, aber auch f\u00fcr das Gemeinschaftsleben gut eignen.<\/li><li>Hingegen m\u00fcssen wir bei der Aufnahme von Personen in vorger\u00fccktem Alter vorsichtiger sein, da sie sich schwerer an die Observanzen und die Art unseres Lebens gew\u00f6hnen. Daher wollen wir nicht, da\u00df jemand ohne ausdr\u00fcckliche Erlaubnis des Generalkapitels oder des Reverendus Pater nach vollendetem f\u00fcnfundvierzigsten Lebensjahr noch aufgenommen wird. Dieselbe Erlaub\u00adnis ist notwendig, um einen Ordensmann, der in einem anderen Institut durch das Band der Profe\u00df gebunden ist, zum Noviziat zuzulassen. Handelt es sich um einen Professen mit ewigen Gel\u00fcbden, ben\u00f6tigt der Reverendus Pater die Zustimmung des Generalrates. War der Kandidat irgendwann in einem religi\u00f6sen Institut durch Gel\u00fcbde gebunden, ist es ratsam, vor der Zulassung den Reveren\u00addus Pater zu befragen.<\/li><li>Personen, die &#8211; in welchem Stand auch immer &#8211; in unseren H\u00e4usern gelebt haben und nachher ausgetre\u00adten sind, sollen in einem anderen oder in demselben Haus ohne Befragung des Reverendus Pater und der Obe\u00adren, die sie kennen, nicht wieder aufgenommen werden. War jemand in unserem Orden schon Novize oder Professe, beginnt er die Probezeit von neuem.<\/li><li>Kommt jemand zu uns, der Zellenm\u00f6nch werden will, frage man ihn zun\u00e4chst im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch nach seinem Beweggrund und seiner Absicht. Macht er den Eindruck, wirklich Gott allein zu suchen, so erkundige man sich nach dem, was wir alsdann wissen m\u00fcssen: ob er die f\u00fcr einen zum Priestertum bestimmten M\u00f6nch hinrei\u00adchende Schulbildung besitzt; ob er singen kann; ob kein den kirchenrechtlichen Bestimmungen entsprechendes Hindernis vorliegt. Der Postulant kann aber das Noviziat nur beginnen, wenn er das Latein zur Gen\u00fcge beherrscht.<\/li><li>Danach erkl\u00e4rt man dem Kandidaten unser Lebens\u00adziel: sowohl die Verherrlichung, die wir Gott durch unsere Schicksalsgemeinschaft mit dem Erl\u00f6sungs\u00adwerk zu erweisen hoffen, als auch, wie gut und angenehm es ist, Christus anzuhangen, nachdem wir alles verlas\u00adsen haben. Doch k\u00fcndigt man ihm auch alles Harte und Rauhe an und stellt ihm soweit als m\u00f6glich die ganze, von ihm erstrebte Lebensweise vor Augen. Bleibt er daraufhin unerschrocken und gelobt entschlossen und bereitwillig, um der Herrenworte willen auf rauhen Pfaden zu verharren und mit Christus sterben und leben zu wollen, dann r\u00e4t man ihm schlie\u00dflich, sich gem\u00e4\u00df dem Evangelium mit allen, die etwas gegen ihn haben, zu vers\u00f6hnen.<\/li><li>Nach einer Probezeit, die wenigstens drei volle Monate und nicht l\u00e4nger als ein Jahr dauert, wird der Postulant an einem bestimmten Tag dem Konvent vor\u00adgestellt, der dann an einem anderen Tag \u00fcber seine Zu\u00adlassung abstimmen wird.<\/li><li>Sooft ein Kandidat zu einer neuen Probestufe zu\u00adzulassen ist, stimmt der Konvent dar\u00fcber beschlie\u00ad\u00dfend ab.<br>Die Abstimmung ist so zu verstehen: Verweigert die Mehrheit des Konvents die Zustimmung, oder kommt keine Mehrheit zustande, mu\u00df uns der Kandidat verlassen. Durch eine bejahende Abstimmung erkl\u00e4rt sich der Kon\u00advent seinerseits bereit, den Kandidaten aufzunehmen. Doch ist es Sache des Priors, ihn als Vater aller auf\u00adzunehmen, ohne durch eine solche Abstimmung gebunden zu sein (vgl. 24.3 und 37.2).<\/li><li>Nachdem der Postulant vorher acht Tage Exerzitien gemacht hat, wird er vom Prior unter dem M\u00f6nchsgewand in die Gemeinschaft des Ordens aufgenommen. Man mu\u00df aber wissen, da\u00df kein Novize in Abwesenheit des Priors aufgenommen werden kann, es sei denn mit seiner besonderen Erlaubnis.<\/li><li>Der Novize soll sein Geld und seine anderen Sa\u00adchen, die er etwa mitgebracht hat, vollst\u00e4ndig dem Prior aush\u00e4ndigen. Denn nicht er selbst, sondern der Prior oder der vom Prior Beauftragte soll diese Sachen treu wie anvertrautes Gut aufbewahren. Doch der Novize folge, nachdem er alles verlassen hat, Christus nach. Wir erbitten oder verlangen jedoch in keiner Weise etwas von den Novizen oder von denen, die in unseren Orden eintreten wollen.<\/li><li>Der Novize wird nicht \u00f6ffentlich getadelt; bei Fehlern wird er vom Prior, Magister oder Vikar belehrt. Der Vikar aber h\u00fcte sich vor jeder Einmischung in die Noviziatsleitung. Solange der Novize oder Jung\u00adprofesse noch dem Magister unterstellt ist, soll er sich bei den gemeinsamen Unterhaltungen, Spazierg\u00e4ngen und Arbeiten nicht zu den Professen mit feierlichen Gel\u00fcbden gesellen. Drei- bis viermal im Jahr, oder nach dem Urteil des Priors \u00f6fter, k\u00f6nnen die Noviziatsmit\u00adglieder jedoch an den Erholungen oder Spazierg\u00e4ngen der Professen mit feierlichen Gel\u00fcbden teilnehmen. Diese sollen sich nicht in die Ausbildung der jungen M\u00f6nche einmischen und daran denken, da\u00df deren Ordensgeist und sogar deren Ausharren von ihrem Beispiel abh\u00e4ngen kann. Der Novize aber lerne von Anfang seines neuen Wandels an, mit Liebe \u00fcber die Br\u00fcder zu denken und im Schweigen zu verharren.<\/li><li>Die Noviziatszeit betr\u00e4gt zwei Jahre. Diese Zeit kann der Prior verl\u00e4ngern, jedoch nicht \u00fcber sechs Monate.<\/li><li>Wird ein ewiger Professe eines anderen religi\u00f6sen Instituts aufgenommen, bleibt er f\u00fcnf Jahre Novi\u00adze. Das letzte Jahr soll er bei den Professen mit feierlichen Gel\u00fcbden verbringen. Dann kann er auch die \u00c4mter des Priesters und Diakons im Konvent aus\u00fcben.<br>F\u00fcr die Zulassung zum Noviziat gilt, was oben ge\u00adsagt wurde (8.9); ebenso nach Verlauf von zwei Jahren, dann nach weiteren zwei Jahren und schlie\u00dflich vor der feierlichen Profe\u00df.<\/li><li>Mit dem Noviziat f\u00fcr die Zellenm\u00f6nche kann man nicht Bruderm\u00f6nch werden und umgekehrt.<\/li><li>M\u00f6ge sich der Novize nicht durch Versuchungen zer\u00adm\u00fcrben lassen, die den Anh\u00e4ngern Christi in der Einsamkeit gew\u00f6hnlich auflauern. Auch verlasse er sich nicht auf seine eigenen Kr\u00e4fte, sondern vertraue auf den Herrn, der ihm die Berufung geschenkt hat und das begonnene Werk auch vollenden wird.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c9\">Kapitel 9<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Der Novizenmeister<a href=\"#c8\">\u00ab<\/a><a href=\"#c10\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Mit der Ausbildung der Novizen soll ein Magister betraut werden. Er zeichne sich aus durch Klug\u00adheit, Liebe und Regeltreue und habe die erforderliche Reife und Erfahrung in Sachen des Ordens. Er sei ein vorz\u00fcglicher Freund der Ruhe und der Zelle, beseelt von Liebe zu unserer Berufung, mit Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die ver\u00adschiedenen Gem\u00fctsarten und einem offenen Herzen f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der jungen M\u00f6nche. Ferner soll er bei seiner hingebenden Bem\u00fchung um die geistliche Vervollkommnung der jungen M\u00f6nche auch die Fehler der anderen sorgsam zu entschuldigen wissen.<\/li><li>Es wird ihm sehr empfohlen, den Verkehr mit den Professen mit feierlichen Gel\u00fcbden nicht abzubre\u00adchen, vielmehr \u00f6fters den gemeinsamen Unterhaltungen beizuwohnen. Dadurch lernt man einander als Br\u00fcder besser kennen, und die gegenseitige Liebe wird gef\u00f6r\u00addert. Der Prior aber sei darauf wachsam bedacht, da\u00df der Magister nicht mit nebens\u00e4chlichen Arbeiten be\u00adsch\u00e4ftigt wird, damit er, der sich ja der Ruhe in der Zelle widmen mu\u00df, vor allem das Beispiel der Sammlung gebe.<\/li><li>Die wachsame Sorge des Magisters gelte der Aufnah\u00adme der Novizen. Er lege dabei mehr Gewicht auf gute als auf viele Berufe. Denn das Wollen gen\u00fcgt nicht, um zugleich mit dem Namen auch wirklich ein Kart\u00e4user zu sein. Neben der Liebe zur Einsamkeit und zu unserem Leben wird auch eine besondere Eignung des Herzens und des Leibes gefordert, woran der Ruf Gottes erkannt werden kann. Darauf sei der Magister bedacht, dem ja in erster Linie die Pr\u00fcfung und Beurteilung der Neulinge zukommt. Er \u00fcbersehe auch nicht, da\u00df gewisse Fehler, die im Anfang unbedeutend erscheinen m\u00f6gen, nach der Profe\u00df \u00f6fter gr\u00f6\u00dfer und h\u00e4ufiger werden. Es ist zwar eine schwerwiegende Entscheidung, jemanden zur\u00fcckzuweisen oder zu entlassen, und man soll sich nur nach reiflicher \u00dcberlegung dazu entschlie\u00dfen; ein falsches und sozusagen grausames Mitleid ist es aber, jemanden aufzunehmen oder l\u00e4nger zu behalten, wenn feststeht, da\u00df ihm die n\u00f6tigen Gaben fehlen. Der Magi\u00adster achte unbedingt darauf, da\u00df der Novize \u00fcber seine Lebensweise in voller Freiheit entscheide, und er dr\u00e4nge ihn in keiner Weise zur Ablegung der Profe\u00df.<\/li><li>Zu gelegener Zeit besuche der Magister den Novizen und unterrichte ihn in allen Ordensbr\u00e4uchen, die der Novize unbedingt wissen mu\u00df. Ferner halte er ihn eindringlich zum aufmerksamen Studium der Ordenssatzun\u00adgen an. Dem Magister ist es auch aufgegeben, das sitt\u00adliche Verhalten des Novizen zu formen, ihn bei den geistlichen \u00dcbungen zu lenken und in seinen Versuchun\u00adgen die geeigneten Heilmittel anzuwenden. Er trage Sorge, da\u00df die Liebe der jungen M\u00f6nche zu Christus und zur Kirche st\u00e4ndig wachse. Obschon er nach dem Beispiel unseres heiligen Vaters Bruno die herzliche Liebe einer Mutter haben soll, mu\u00df er auch die kraft\u00advolle Autorit\u00e4t eines Vaters zeigen, damit die Ausbil\u00addung des Neulings monastisch und m\u00e4nnlich sei. Vor allem lasse er die Novizen das einsame Leben in der Zelle mit seiner N\u00fcchternheit aus eigener Erfahrung kennenlernen und lehre sie, sich in aufrichtiger und einf\u00e4ltiger Liebe gegenseitig geistliche Hilfe zu lei\u00adsten.<\/li><li>Der Novize zieht zwar aus der Besch\u00e4ftigung mit Studium und Handarbeit gro\u00dfen Nutzen; allein, es ist nicht genug, da\u00df der Zellenbewohner seine Besch\u00e4f\u00adtigung hat und bis zum Lebensende lobenswert ausharrt. Es wird etwas anderes verlangt: n\u00e4mlich der Geist des Gebetes und der F\u00fcrbitte. Denn wo das Leben nicht in Gemeinschaft mit Christus gef\u00fchrt wird und die Seele nicht in inniger Vereinigung mit Gott steht, da hilft auch die treue Beobachtung der Zeremonien und der Regel nicht viel, und unser Leben gliche mit Recht einem K\u00f6rper ohne Seele. Deshalb erachte der Magister nichts f\u00fcr dringlicher, als den Novizen diesen Gebetsgeist einzupr\u00e4gen und weise zur Entfaltung zu bringen, damit sie nach ihrer Profe\u00df Gott Tag f\u00fcr Tag n\u00e4herkommen und ihr Berufsziel erreichen.<\/li><li>Der Magister sei bestrebt, immer zu den Quellen jedes christlichen Lebens, zu den Zeugnissen der monastischen \u00dcberlieferung und zum urspr\u00fcnglichen Geist unseres Ordens zur\u00fcckzukehren. Er stelle den Geist un\u00adseres heiligen Vaters Bruno ins helle Licht und halte an den gesunden \u00dcberlieferungen fest, die vor allem Guigo gesammelt und der Orden seit seinem Bestehen treu bewahrt hat.<\/li><li>Die Jungprofessen unterstehen in den ersten drei Jahren der zeitlichen Profe\u00df weiterhin der Leitung des Novizenmeisters. Dieser richte sein besonderes Augenmerk darauf, sie von Anfang an, und zumal im letz\u00adten Jahr, allm\u00e4hlich an die Einsamkeit und die heilige Freiheit unserer Berufung zu gew\u00f6hnen. Nach dem \u00dcber\u00adgang zu den Professen mit feierlichen Gel\u00fcbden sind sie nicht mehr dem Novizenmeister unterstellt.<\/li><li>Viermal im Jahr soll der Magister vor dem Prior und dessen Rat \u00fcber das Befinden der einzelnen Novizen Rechenschaft ablegen und auch, wenn er gefragt wird, \u00fcber die Jungprofessen Bescheid geben. Auch sol\u00adlen er und der Vikar die jungen Novizen vor einer neuen Ausbildungsstufe dem Konvent vorstellen und \u00fcber ihre M\u00e4ngel und Vorz\u00fcge klare und genaue Auskunft erteilen. Denn aufgrund dieser Auskunft, zumal durch den Magister, soll sich der Konvent ein Urteil bilden und \u00fcber deren Zulassung abstimmen.<\/li><li>Der Prior mu\u00df die Novizen pers\u00f6nlich kennen und ihre Ausbildung \u00fcberwachen, doch so, da\u00df der Ma\u00adgister sie mit der n\u00f6tigen Freiheit f\u00fchren kann. In Sachen seines Amtes wende er sich bereitwillig an den Prior und lehre auch die Novizen, dem gemeinsamen Vater dasselbe Vertrauen entgegenzubringen.<\/li><li>Vom zweiten Noviziatsjahr an sollen die Novizen mit ihren Studien beginnen, die mit Bedacht nach den Richtlinien der Studienordnung in gleicher Weise auf ihre monastische und priesterliche Ausbildung abge\u00adstimmt werden sollen. Doch sollen die M\u00f6nche zur Prie\u00adsterweihe nicht zugelassen werden, bevor sie die menschliche und geistliche Reife besitzen, um vollkom\u00admener an dieser Gabe Gottes teilhaben zu k\u00f6nnen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"c10\">Kapitel 10<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Profe\u00df<a href=\"#c9\">\u00ab<\/a><a href=\"\/moines\/de\/statuten\/buch-2\">\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der M\u00f6nch ist zwar durch die Taufe der S\u00fcnde ge\u00adstorben und Gott geweiht, durch die Profe\u00df aber wird er vollkommener dem Vater \u00fcbereignet und von der Welt losgel\u00f6st, um unmittelbarer nach der vollkommenen Liebe streben zu k\u00f6nnen. Durch einen festen, dauerhaf\u00adten Vertrag dem Herrn beigesellt, hat er Anteil am Geheimnis der Kirche, die durch ein unl\u00f6sliches Band mit Christus verbunden ist, und bezeugt der Welt das neue, durch die Erl\u00f6sung Christi erworbene Leben.<\/li><li>Wenn der Novize gegen Ende des zweiten Noviziats\u00adjahres f\u00fcr die Aufnahme tauglich scheint, soll man ihn dem Konvent vorstellen. Dieser pr\u00fcfe die Angelegen\u00adheit eingehend und stimme einige Tage darauf \u00fcber seine Zulassung ab (vgl. 8.9). Der Novize aber verpflichte sich nur in voller Freiheit und nach reiflichem Beden\u00adken.<\/li><li>Hat sich der Prior f\u00fcr die Zulassung des Novizen entschieden, soll dieser nach vorhergegangenen achtt\u00e4gigen Exerzitien die Profe\u00df in der weiter unten beschriebenen Weise (36.8-10) ablegen. Von da an soll er Professe des Hauses bleiben, in dem er die erste Profe\u00df abgelegt hat.<\/li><li>Diese erste Profe\u00df wird auf drei Jahre abgelegt. Nach deren Verlauf ist es Sache des Priors, nach Abstimmung des Konvents (8.9) den Jungprofessen auf zwei Jahre in die Gemeinschaft der Professen mit feier\u00adlichen Gel\u00fcbden aufzunehmen. In diesem Fall erneuert der M\u00f6nch die zeitliche Profe\u00df auf zwei Jahre. In einem der beiden Jahre, gew\u00f6hnlich aber im zweiten, soll der Profe\u00dfanw\u00e4rter von den regul\u00e4ren Studien befreit sein, um sich mit gr\u00fcndlicherer \u00dcberlegung auf die feierli\u00adchen Gel\u00fcbde vorzubereiten.<br>Es sei jedoch bemerkt, da\u00df die Probezeit eines Professen mit zeitlichen Gel\u00fcbden nach dem Ermessen des Priors verl\u00e4ngert werden kann. Entweder verl\u00e4ngert man sie nach drei Jahren, bevor der Jungprofesse zur Ge\u00admeinschaft mit den Professen mit feierlichen Gel\u00fcbden zugelassen wird, oder man verl\u00e4ngert sie nach f\u00fcnf Jahren, bevor er die feierliche Profe\u00df ablegt. Indessen darf die Probezeit mit zeitlichen Gel\u00fcbden nie sechs Jahre \u00fcberschreiten.<br>Aus einem angemessenen Grund kann das Generalkapi\u00adtel oder der Reverendus Pater jemanden von der Dauer der zeitlichen Gel\u00fcbde und des Noviziates entbinden, jedoch unter Wahrung des allgemeinen Kirchenrechts.<\/li><li>Vor der ersten Profe\u00df soll der Novize die Verwal\u00adtung seines Verm\u00f6gens an eine Vertrauensperson ab\u00adtreten und \u00fcber seine Verwendung und Nutznie\u00dfung frei bestimmen. Er beh\u00e4lt aber, solange er durch zeitliche Gel\u00fcbde gebunden ist, das Eigentumsrecht.<br>Um aus einem angemessenen Grund diese Verf\u00fcgungen zu \u00e4ndern oder irgendeine Anordnung bez\u00fcglich seiner zeitlichen G\u00fcter zu treffen, ben\u00f6tigt der zeitliche Professe die Erlaubnis des Priors seines Profe\u00dfhauses.<\/li><li>In der Christusnachfolge mu\u00df der J\u00fcnger allem und sich selbst entsagen. Daher soll der Profe\u00dfanw\u00e4rter vor der feierlichen Profe\u00df auf alle G\u00fcter, die er tats\u00e4chlich besitzt, verzichten; er kann dabei jedoch, wenn er will, bez\u00fcglich der G\u00fcter, auf die er einen Rechtsanspruch hat, Anordnungen treffen. Kein Ordens\u00admitglied darf von dem zeitlichen Professen das Gering\u00adste von seinem Besitz erbitten, auch nicht f\u00fcr einen frommen Zweck oder um irgendwelchen Personen ein Almo\u00adsen zu spenden. Vielmehr soll dieser frei nach Belieben \u00fcber sein Eigentum bestimmen.<\/li><li>Wenn der Zeitpunkt der feierlichen Profe\u00df bevor\u00adsteht, soll der Profe\u00dfanw\u00e4rter an einem Kapiteltag oder am Tag zuvor Barmherzigkeit begehren und um Auf\u00adnahme als dem\u00fctigster Diener aller bitten. Dann sollen ihn zwei vom Prior bestimmte M\u00f6nche dem Konvent vor\u00adstellen, der einige Tage darauf \u00fcber seine Zulassung abstimmen soll (vgl. 8.9). Der Prior ben\u00f6tigt zu dessen Zulassung au\u00dferdem die Zustimmung des Reverendus Pater.<\/li><li>Am festgesetzten Tag legt der Profe\u00dfanw\u00e4rter inder Konventmesse nach dem Evangelium oder Credodie Profe\u00df ab (36.13-14). Denn dann wird das Opferseiner selbst, das er mit Christus darbringen will, vonGott durch die H\u00e4nde des Priors angenommen und geweiht.<\/li><li>Der Profe\u00dfanw\u00e4rter soll die Profe\u00dfformel pers\u00f6n\u00adlich in folgender Weise und mit folgendem Wortlaut niederschreiben: Ich, Frater N., verspreche Best\u00e4ndig\u00adkeit, Gehorsam und Bekehrung meines Lebens vor Gott und seinen heiligen und vor den Reliquien dieser Einsiede\u00adlei, die zur Ehre Gottes, der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria und des heiligen Johannes des T\u00e4ufers erbaut ist, in Gegenwart des Priors N.<br>Bei der ersten zeitlichen Profe\u00df f\u00fcgt man nach dem Wort verspreche hinzu: auf drei Jahre. Wird die Profe\u00df sp\u00e4ter verl\u00e4ngert, gibt man die Zeit der Verl\u00e4ngerung an. Bei der feierlichen Profe\u00df setzt man auf ewig ein.<\/li><li>Hier ist zu bemerken, da\u00df alle unsere Einsiedelei\u00aden zuerst zur Ehre der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria und des heiligen Johannes des T\u00e4ufers geweiht werden, die wir als unsere Hauptpatrone im Himmel haben.<br>Jede Profe\u00dfurkunde soll vom Professen selbst und vom Prior, in dessen H\u00e4nde die Profe\u00df abgelegt wurde, unterzeichnet, mit dem Datum versehen und im Hausarchiv aufbewahrt werden.<\/li><li>Nach der Profe\u00df betrachtet sich der aufgenommene M\u00f6nch gegen\u00fcber allem, was von dieser Welt ist, so sehr als Fremdling, da\u00df er ohne Erlaubnis des Priors \u00fcber gar nichts, nicht einmal \u00fcber sich selbst mehr bestimmen kann. Denn von allen, die den Ordensberuf ergriffen haben, mu\u00df der Gehorsam mit gro\u00dfem Eifer ge\u00adhalten werden. Wir aber m\u00fcssen ihn mit um so gr\u00f6\u00dferer Hingabe und Sorgfalt leisten, als unsere Berufung strenger und herber ist. Fehlt n\u00e4mlich der Gehorsam &#8211; was ferne sei -, bliebe so gro\u00dfe M\u00fche ohne Lohn. Daher sagt Samuel: Genorsam ist besser als Opfer, Hinh\u00f6ren besser, als das Fett von Widdern darzubringen.<\/li><li>Die zeitliche wie die feierliche Profe\u00df kann man nur ablegen, wenn der eigene Prior anwesend ist und die Konventmesse feiert. Ist er rechtm\u00e4\u00dfig verhin\u00addert, soll er einen anderen Prior oder einen anderen Priester unseres Ordens erm\u00e4chtigen, die Profe\u00df in seinem Namen entgegenzunehmen. Im Profe\u00dftext hei\u00dft es dann: in Gegenwart von Pater N., erm\u00e4chtigt von Prior N. Die Rektoren der dem Orden eingegliederten H\u00e4user k\u00f6nnen jedoch im eigenen Namen zur Profe\u00df zulassen.<\/li><li>Nach dem Beispiel Jesu Christi, der in die Welt kam, um den Willen des Vaters zu tun, wie ein Sklave wurde und so durch Leiden den Gehorsam erlernte, unterwirft sich der M\u00f6nch durch die Profe\u00df dem Prior, der Gottes Stelle vertritt, und strebt danach, zum Vollma\u00df der Gestalt Christi zu gelangen.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buch 1&nbsp;: Die Zellenm\u00f6nche Kapitel 3 Die Zellenm\u00f6nche\u00ab\u00bb Jene alten M\u00f6nche, deren Herzen noch in lebendiger [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"parent":6183,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-6185","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6185","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6185"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6185\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}