{"id":2896,"date":"2021-05-04T03:01:40","date_gmt":"2021-05-04T01:01:40","guid":{"rendered":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/?page_id=2896"},"modified":"2021-11-24T20:55:07","modified_gmt":"2021-11-24T19:55:07","slug":"geistliches-leben","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/chartreux.org\/moines\/de\/geistliches-leben\/","title":{"rendered":"Das geistliches Leben"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n<div id=\"toc_container\">\n<ul class=\"toc_list\">\n  <li><a href=\"#1\">1. Teil: Die Grundausrichtung<\/a><\/li>\n  <li><a href=\"#2\">2. Teil: Der Ort der Reinigung<\/a><\/li>\n  <li><a href=\"#3\">3. Teil: Das Werk der Gnade<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\"><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\" id=\"1\">Triptychon<br><br>1. Teil: Die Grundausrichtung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Grundlage des christlichen Lebens ist die Liebe, die Liebe zu Gott und zu den Menschen, vereint mit Christus und durch ihn lebend. Einige Menschen dr\u00fccken diese Liebe durch apostolische T\u00e4tigkeiten aus. Es gibt jedoch auch M\u00e4nner und Frauen, die sich durch das kontemplative Leben Gott allein weihen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2-P1010039-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1322\" width=\"416\" height=\"555\" srcset=\"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2-P1010039-768x1024.jpg 768w, https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2-P1010039-225x300.jpg 225w, https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2-P1010039-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2-P1010039.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 416px) 100vw, 416px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Und Gott ist frei zu berufen, wen er will. Es ist eine innige Einladung, sein ganzes Leben mit ihm zu teilen, ihm aufs Engste nachzufolgen. Und manchmal dr\u00e4ngt sich das in einer unausweichlichen und radikalen Weise auf: <em>\u201eDu hast mich verf\u00fchrt, Herr, und ich habe mich verf\u00fchren lassen; du hast mich ergriffen und \u00fcberw\u00e4ltigt\u201c<\/em> (Jer 20,7). Wer die Liebe Gottes erfahren hat, wird versuchen, auf diese Liebe zu antworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese M\u00f6nche bilden eine kleine Gruppe, die dieselbe Berufung erfahren hat und innerhalb derer jeder weitgehend alleine lebt. Sie sind unter einem Prior vereint und versammeln sich drei Mal am Tag, zur Heiligen Eucharistie und zum Singen des Stundengebets. Unerm\u00fcdlich begeben sie sich in der Zelle, in den Werkst\u00e4tten oder auf dem Feld auf die Suche nach Gott, der sie berufen und an diesem Ort zusammengef\u00fchrt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Angezogen von den Freir\u00e4umen des inneren Lebens haben die M\u00f6nche diese Einsamkeit gew\u00e4hlt, in der sie sich freiwillig weitgehende Einschr\u00e4nkungen auferlegen, mit dem einzigen Ziel, sich f\u00fcr das Einzigartige Gottes und die Liebe Christi besser offen zu halten. An diesem Ort gefestigt, ganz abseits der Welt, f\u00fchren sie ein armes und einfaches Leben \u2013 unterw\u00fcrfig in allem \u2013 im Z\u00f6libat, wie Christus, ihr Meister, f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Verf\u00fcgbarkeit f\u00fcr die Gaben des Heils und die br\u00fcderliche Gemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>St\u00e4ndig h\u00f6ren sie im Gebet und in der Meditation den Ruf, Gott immer besser zu entsprechen und ihm immer \u00e4hnlicher zu werden. Das Wort Gottes erf\u00fcllt ihre Stille. Durch ihre Selbstent\u00e4u\u00dferung und ihre Arbeit sind sie solidarisch mit all jenen, die sich abm\u00fchen, wo immer sie auch sein m\u00f6gen. In der Tiefe ihres Herzens bergen sie eine Anziehungskraft nach immer ferneren Horizonten, wo nur noch in Christus das Abbild Gottes Gestalt annimmt, im Gekreuzigten und doch Lebendigen, ihrer Hoffnung auf Herrlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>So sind sie im Herzen der Menschheit \u2013 doch vor der Welt verborgen \u2013 die unzerst\u00f6rbare und st\u00e4ndige Erinnerung an ihren g\u00f6ttlichen Ursprung und an eine \u00fcbernat\u00fcrliche Bestimmung aller Menschen; die Bewahrung einer pers\u00f6nlichen Freiheit, die immer mehr bedroht und erstickt wird; die brennende Sehnsucht nach dem Ewigen; die Garantie eines unendlichen inneren Voranschreitens, das sich jedoch auf engem Raum abspielt: in der Einsamkeit der Einsiedelei und der Zelle, um besser im Herzen Gottes zu erbl\u00fchen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\" id=\"2\"><br>2. Teil: Der Ort der Reinigung<\/h3>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Gott <\/em><em>tritt<\/em><em> Stolzen <\/em><em>entgegen,<\/em><em> Dem\u00fctigen aber schenkt er seine Gnade\u201c<\/em> (1Petr 5,5). Die W\u00fcste ist ein reinigendes Feuer.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Einsamkeit kommt alles, was wir in Wirklichkeit sind, an die Oberfl\u00e4che. All die Niedrigkeit, die wir in uns haben eindringen lassen, wird offenbar, all das B\u00f6se, das in uns wohnt, tritt zutage. Wir entdecken unser eigenes Elend, unsere gro\u00dfe Schwachheit und v\u00f6llige Ohnmacht.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#toc_container\" class=\"returnToTop\"> zur\u00fcck nach oben \u2191 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Hier ist es nicht m\u00f6glich, jene Selbstt\u00e4uschung aufrechtzuerhalten, mit der wir all das zu verbergen suchen, was uns an uns selbst missf\u00e4llt und das so weit vom Willen Gottes entfernt ist, der alles sieht und alles durchdringt. Es wird offenkundig, dass wir uns zu leicht rechtfertigen, indem wir unsere Makel als Charakterz\u00fcge darstellen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Ser-Brun-c-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-885\" width=\"322\" height=\"577\" srcset=\"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Ser-Brun-c-1.jpg 481w, https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Ser-Brun-c-1-167x300.jpg 167w\" sizes=\"(max-width: 322px) 100vw, 322px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Hier werden wir verletzlich; es gibt kein Entkommen. Es gibt keine Ablenkung, die abmildert, keine Ausrede, die entlastet. Es ist unm\u00f6glich, die Konfrontation mit der tiefsten Wirklichkeit dessen, was wir sind, zu vermeiden und die Augen davon abzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier bekommen die falschen Konstruktionen Risse, all diese Mauern, die wir zu unserem Schutz errichtet haben. Denn wer wei\u00df schon, wie oft wir versuchen, uns selbst zu t\u00e4uschen, mehr noch als die anderen! Aber der eitle Anspruch, die g\u00f6ttlichen Wirklichkeiten zu erkennen, l\u00f6st sich auf vor dem Gott, der immer der ganz Andere bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein schroffer Weg, im Dunkeln tappend, allein vom Glauben geleitet \u2013 aber es ist ein Weg der Wahrheit. All unsere pers\u00f6nlichen Sicherheiten bleiben an den Dornen des Weges h\u00e4ngen und lassen uns mit dieser einen Gewissheit zur\u00fcck: Aus uns selbst heraus sind wir zu nichts imstande.<\/p>\n\n\n\n<p>An diesem Punkt wartet Gott auf uns, denn nur ein leeres Gef\u00e4\u00df kann gef\u00fcllt werden, und wenn er uns mit sich selbst ganz ausf\u00fcllen will, muss er zun\u00e4chst alles von uns entfernen, was uns verstopft. Um ein unendlich feines Werk zu schaffen, braucht der g\u00f6ttliche K\u00fcnstler ein Material ohne Widerstand. Dann erst wird es seine Hand verstehen, aus unserem Elend wunderbare Dinge zu formen, die allerdings unseren Augen verborgen bleiben. Unsere ganze Freude wird darin bestehen, dass wir uns von dem Einen verwandeln lassen, dessen Name Liebe ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\" id=\"3\"><br>3. Teil: Das Werk der Gnade<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Seele, der es gegeben wurde, die Welt und sich selbst zu verachten bis hin zur Vergessenheit, der es \u2013 in anderen Worten \u2013 gegeben wurde, das, was nicht ist, f\u00fcr nichts zu erachten, diese von sich selbst entbl\u00f6\u00dfte Seele sieht die g\u00f6ttliche Weisheit an die Stelle ihres Ich treten. Nachdem jedes geschaffene Bild und jeder begrenzte Wille durch die aufeinanderfolgenden Pr\u00fcfungen, die sie gel\u00e4utert haben, ausgel\u00f6scht wurden, wird die Seele zu jenem makellosen Spiegel, von dem Salomo spricht (Weish 7,26). Der Vater betrachtet sich selbst darin und durchflutet sie mit seiner Herrlichkeit und der Glut seiner Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eAndachts\u00fcbungen\u201c, in denen sich die Kr\u00e4fte der Seele zu Beginn eines Gebetslebens mehr oder weniger zerstreuen, schlagen nun eine einzige Richtung ein. Alle frommen Handlungen laufen auf einen einzigen Akt hinaus, der mehr ein <em>Geschehen-Lassen<\/em> als ein Tun ist und unermesslichen Wert besitzt, da er von g\u00f6ttlicher Natur ist. Er besteht darin, Gott in uns leben zu lassen. Er kann Liebe, Glaube, Vertrauen, Anbetung, Vers\u00f6hnung, Danksagung genannt werden. Alle Worte sind synonym und ihre Bedeutungen scheinen zu verschmelzen wie verschiedene Substanzen, die sich im Feuer dessen, der die Liebe selbst ist, entz\u00fcnden und bald so hell brennen, dass sie die Seele blenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ein Wesen zu seiner Vollkommenheit gelangt, indem es zu seinem g\u00f6ttlichen Ursprung zur\u00fcckkehrt, findet es nicht nur f\u00fcr sich selbst die F\u00fclle des Lebens, sondern es rettet auch die anderen, indem es ihnen dieses Leben, das es aus seiner Quelle sch\u00f6pft, mitteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Mann des Gebetes allein in Gott und f\u00fcr Gott handelt, befindet er sich im Herzen der Menschheit und gibt allen Anteil an der F\u00fclle der Gnade, die er empfangen hat. <em>\u201eWer an mich glaubt, aus dessen <\/em><em>Inneren<\/em><em> werden Str\u00f6me von lebendigem Wasser flie\u00dfen\u201c<\/em>, sagt unser Herr. Der heilige Johannes f\u00fcgt hinzu: <em>\u201e<\/em><em>Damit meinte er <\/em><em>den Geist, den <\/em><em>alle<\/em><em> empfangen sollten, die an ihn glauben\u201c<\/em> (Joh 7,38-39). Da er vollkommen Mensch geworden ist, sieht er in sich selbst die Sehnsucht der Menschheit erf\u00fcllt: eins mit Christus zu sein. Er wird in gewisser Weise umgewandelt in den Geliebten, den Ersehnten der ewigen Gefilde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich in der Umarmung des g\u00f6ttlichen Wesens verloren hat, wer sich mit Jesus nach dem Willen des Vaters zeugen l\u00e4sst, nimmt an der Hauchung des Tr\u00f6stergeistes teil und wird selbst zum Tr\u00f6ster. Er schenkt den Seelen, ohne sich ihnen zuzuwenden, die ewige Freude, an der er sich berauscht; er erleuchtet und erw\u00e4rmt die Welt, indem er sich allein um Gott k\u00fcmmert.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweifellos werden diese Dinge der Weisheit dieser Welt als Verr\u00fccktheiten erscheinen, denn die Welt lebt von verg\u00e4nglichen Erscheinungen, w\u00e4hrend wir von der reinen und ewigen Wirklichkeit sprechen. Ihre Wege sind nicht unsere Wege, unsere Gedanken sind nicht die ihren (Jes 55,8). Aber nur noch eine kurze Zeit und die Erwartung der ganzen Sch\u00f6pfung wird durch die Verherrlichung der S\u00f6hne Gottes erf\u00fcllt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um ohne Umweg zur Quelle aller Fruchtbarkeit zu gelangen \u2013 jene, die sich auf den H\u00f6hen der Kontemplation befindet \u2013, steigt der Kart\u00e4user in die Tiefen seines Nichts hinab, wo er durch st\u00e4ndige Selbstverleugnung sich und der Welt ganz abstirbt und so sein gro\u00dfartiges Ideal verwirklicht: in der Einsamkeit von Gott allein zu leben.<\/p>\n\n\n\n<p>O Bonitas! O G\u00fcte!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"430\" src=\"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/PL-spaci8rec-1024x430.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-888\" srcset=\"https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/PL-spaci8rec-1024x430.jpg 1024w, https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/PL-spaci8rec-300x126.jpg 300w, https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/PL-spaci8rec-768x323.jpg 768w, https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/PL-spaci8rec-1536x645.jpg 1536w, https:\/\/chartreux.org\/moines\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/PL-spaci8rec.jpg 1638w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><a href=\"#toc_container\" class=\"returnToTop\"> zur\u00fcck nach oben \u2191 <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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