Geschichte

Die Geschichte des Kartäuserordens ist reich und vielschichtig; daher ist es nicht möglich, hier in allen Bereichen ins Detail zu gehen. Wir werden uns auf ein paar markante Punkte beschränken.

1. Die Ursprünge

Es war im Juni 1084, als Magister Bruno mit sechs Gefährten von Hugo, dem Bischof von Grenoble, in die Einöde von La Chartreuse geführt wurde, um dort eine Einsiedelei zu gründen – an einen abgeschiedenen Ort, an dem sich seine Seele frei zu Gott erheben konnte, den er suchte, nach dem ihn verlangte, den er jenseits von allem Geschaffenen verkostete. Bruno musste seine geliebte Einsamkeit aufgeben, um dem Papst zu gehorchen, aber er gründete bald darauf, im Jahr 1090, ein zweites Kloster gemäß seiner Idee eines rein kontemplativen Lebens: Santa Maria della Torre in Kalabrien. Bruno hat keine schriftliche Regel hinterlassen, doch gaben die ersten Kartäusermönche, von seinem Beispiel inspiriert und durch ihre eigene Erfahrung geschult, diese Flamme an ihre Nachfolger weiter.

Die Ursprünge des Ordens, Kupferstich der Erstausgabe
der Statuten von Amorbach, Basel, 1510

Im Jahr 1109 wählte die Gemeinschaft der Chartreuse den erst 27-jährigen Guigo zu ihrem fünften Prior: ein Vertrauensakt, den sie nicht bereute, denn unter seiner Leitung begann eine Periode von bemerkenswerter Fruchtbarkeit. Der Eifer und die Treue der allerersten Gemeinschaft übten bald eine große Anziehungskraft aus: ab 1115 baten mehrere Gemeinschaften darum, sich der von Bruno ins Leben gerufenen einsamen Lebensweise anzuschließen: Portes (Ain), Les Écouges (Isère), Durbon (Hautes-Alpes), Meyriat (Ain), Sylve-Bénite (Isère), Bouvante (Drôme), Saint-Hugon (Savoyen). Alle diese Gemeinschaften drängten Guigo, ihnen eine Beschreibung der in der Grande Chartreuse befolgten Bräuche schriftlich zu übermitteln. Dieser schrieb auf Drängen des hl. Bischofs Hugo von Grenoble die Gebräuche der Chartreuse“ nieder, ein 1127 vollendetes Werk, in dem er lediglich die Gewohnheiten seines Klosters beschrieb. Dieses Werk, das eine vollständige monastische Regel darstellt, wurde von allen Gemeinschaften angenommen und blieb durch die Jahrhunderte hindurch Grundlage der kartusianischen Gesetzgebung. Guigo stellte, unter der wohlwollenden Aufsicht des hl. Hugo, das kartusianische Antiphonarium zusammen und hinterließ einige andere wertvolle Schriften.

Im Jahr 1132 wurde die Gemeinschaft der Chartreuse einer schweren Prüfung unterzogen: Eine große Lawine zerstörte das ursprüngliche Kloster. Sechs Mönche wurden getötet, ein siebter wurde zwölf Tage später bei Bewusstsein gefunden, starb aber noch am selben Tag. Angesichts einer solchen Katastrophe verlegte Guigo das Kloster an einen sichereren Ort, nämlich an den, an dem es sich heute noch befindet, zwei Kilometer weiter unten im Tal. Zum Zeitpunkt von Guigos Tod im Jahr 1136 gab es insgesamt neun Kartausen.

Das erste Generalkapitel fand 1140 statt, unter der Leitung des heiligen Anthelm, dem siebten Prior der Chartreuse. Dieses Kapitel etablierte eine einheitliche Liturgie in allen Häusern. Kurze Zeit später schlossen sich die Nonnen von Prébayon dem entstehenden Orden an.

2. Das Mittelalter

Von 1155 an, zunächst unter dem hochwürdigen Pater General Dom Basile, versammelte sich das Generalkapitel jedes Jahr, immer in der Grande Chartreuse. Seitdem stand die wesentliche Struktur des Ordens fest. Der Prior der Grande Chartreuse, der nur von den Mönchen dieses Hauses gewählt wurde, erhielt von nun an die Vorrechte eines Generalministers.

Kartäuser-Kopist, in einem Manuskript der Vita Christi des Ludolf von Sachsen, 15. Jh.
(Universitätsbibliothek Glasgow, Schottland)

1160, erste Kartause in Mitteleuropa: Seitz (im heutigen Slowenien).
1162, erste nordische Kartause, in Dänemark: Asserbo (Roskilde).
1163, erste der insgesamt 22 Kartausen in Spanien: Scala Dei.
1178, erste der insgesamt elf Kartausen in England: Witham.
Unter P. D. Jancellin werden neue liturgische Richtlinien angenommen und die Heilige Messe wird von da an täglich gefeiert. Zum Zeitpunkt seines Todes im Jahr 1233 gab es bereits 47 Kartausen in Europa.

1257 wurde die Kartause von Paris durch den hl. König Ludwig gegründet. Im Jahr 1300 – und noch einmal kurze Zeit später (1320) – brach in der Grande Chartreuse ein Brand aus, der das Kloster fast vollständig zerstörte. Sieben weitere Brände kamen in den folgenden Jahrhunderten noch dazu.

Im Jahr 1337 wurde die Kartause von Köln gegründet. Der Geburtsort des heiligen Bruno sollte über mehrere Jahrhunderte hinweg eine bemerkenswerte Ausstrahlung haben.

Der „Schwarze Tod“ von 1347/49, der Europa verwüstete, forderte auch im Orden fast eintausend Opfer. 1370 wurde die Kartause von Rom gegründet. Im Jahr 1371 hatte der Orden 150 Häuser.

Das Große Schisma des Westens im Jahre 1378, das die Kirche in zwei Obödienzen aufteilte, die des Papstes von Rom und die des Papstes von Avignon, führte auch den Kartäuserorden zur Spaltung: die Häuser von Frankreich und Spanien kamen unter die Jurisdiktion des Papstes von Avignon, die anderen Kartausen blieben dem römischen Papst verbunden. Erst 1409 wurde das Schisma beendet, und der Orden konnte im folgenden Jahr dank des gleichzeitigen Rücktritts der Generäle beider Obödienzen seine Einheit wiedererlangen: D. Bonifatius Ferrer (Bruder des hl. Vinzenz Ferrer) und D. Stefano Maconi (Schüler der hl. Katharina von Siena). Das Generalkapitel wählte daraufhin den Prior der Kartause von Paris zu seinem einzigen General, den in Sachsen geborenen Jean von Griffenberg.

Die Gründung von Häusern setzte sich im Spätmittelalter kontinuierlich fort, sogar in Schweden und Ungarn wurden Kartausen gegründet. In den Niederlanden gab es eine große Konzentration von Kartäusern.

3. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert

Zur Zeit der Renaissance befand sich der Orden auf seinem Höhepunkt. Im Jahr 1513 gewann der Orden das Haus in Kalabrien zurück, das zu einer Zisterzienserabtei geworden war. Beim Tod des Generals Pater François du Puy im Jahr 1521, der den Prozess zur Heiligsprechung Brunos eingeleitet hatte, zählte der Orden fast 200 lebendige Kartausen. Doch diese Prosperität sollte nicht von Dauer sein. Infolge der Reformation, während der Wirren der Religionskriege, die das ganze 16. Jahrhundert aufwühlten, verschwanden 40 Kartausen. Mehr als 50 Kartäusermönche vergossen ihr Blut für ihren Glauben, darunter die allerersten Märtyrer der englischen Reformation im Jahr 1535. Mehrere Kartausen wurden niedergebrannt; die Grande Chartreuse wurde 1562 von den calvinistischen Truppen des Barons des Adrets geplündert und in Brand gesetzt. Viele wertvolle Manuskripte gingen verloren, darunter auch die Originalschriftrolle mit den Trauertiteln des heiligen Bruno.

Dom Innocent Le Masson, anonym, um 1680
(Sammlung der Grande Chartreuse)

In diesen Zeiten von Unruhen, von Bürger- oder Religionskriegen, waren die Kartäusermönche manchmal gezwungen, sich im Inneren von Städten niederzulassen: die Kartause Molsheim ist ein gutes Beispiel dafür. Auf die Friedensverträge folgte eine Periode relativer zahlenmäßiger Stabilität. Der Orden hatte Häuser vom Königreich Portugal bis zum Herzogtum Litauen (die Kartause von Bereza, im heutigen Weißrussland, war das am weitesten entfernte Haus).

Die Grande Chartreuse erlitt 1676 erneut einen verheerenden Brand, den neunten und letzten. Pater Dom Innocent Le Masson ließ das Kloster nach einem neuen Plan wieder aufbauen, so wie es heute noch existiert. Dies war nur dank der Spenden aus der ganzen Welt möglich. Man kann sagen, dass es keinen einzigen Stein gibt, der nicht von der einen oder anderen Gemeinschaft des Ordens gestiftet worden wäre. Zu dieser Zeit gab es etwa 160 Kartausen in Europa. Das erklärt die Größe der Gebäude des Mutterhauses, denn während des Generalkapitels, das jedes Jahr die Prioren aller Häuser mit ihren Begleitern zusammenführte, mussten hunderte von Menschen untergebracht werden. Zu dieser Zeit zählte der Orden 2500 Patres, 1300 Laienbrüder und 70 Nonnen.

Die Grande Chartreuse, von Ricois, 1870
(private Sammlung)

Der Kartäuserorden war schon immer sehr geeint. Einen abgespaltenen kartusianischen Zweig gab es in der Geschichte nur ein einziges Mal: Im Jahr 1785 entstand die Spanische Nationalkongregation, die Frucht eines von der Krone unterstützten und schon länger existierenden separatistischen Geistes. Aber ihre Existenz war nur von kurzer Dauer: Sie verschwand mit der Aufhebung aller Klöster durch die liberale Regierung im Jahr 1835.

4. Die Französische Revolution

Im 18. Jahrhundert war ein Vorbote der Revolution die Schließung aller 24 Kartausen im Herrschaftsbereich Kaiser Josephs II. von Österreich-Ungarn. Die revolutionären Wirren, die kurz darauf durch Europa fegten, machten den Orden beinahe zunichte: 1805 waren nur noch wenige Kartausen übrig.

Der Ballhausschwur, von J. L. David, ca. 1791
(Museum Carnavalet, Paris)

Die wichtigsten Grundsätze der Revolutionäre waren der Individualismus und die absolute Souveränität eines säkularen Staates. Jede besondere Gruppierung wurde verboten, sodass nur noch vereinzelte Individuen vor dem Staat bestehen sollten. Der Zeitraum lässt sich in wenigen Daten zusammenfassen:

Februar 1790: Die Konstituierende Versammlung weigert sich, die klösterlichen Gelübde anzuerkennen, da sie diese als lebenslange Knechtschaft betrachtet. Das Gesetz öffnet zunächst die Tür für diejenigen, die das Kloster verlassen wollen, aber es lässt den Ordensleuten die Freiheit, ihrer Regel zu folgen und ihren Habit zu behalten.
12. Juli 1790: Die Konstituierende Versammlung stimmt über die „Zivilverfassung des Klerus“ ab und verpflichtet alle Kleriker, einen Eid abzulegen. Diejenigen, die sich weigern, den Eid abzulegen, werden verfolgt. Mehrere Kartäusermönche werden mit der Guillotine hingerichtet.
August 1792: Alle Ordensgemeinschaften werden aufgelöst; das Tragen eines Ordenshabits wird verboten.
Oktober 1792: Stichtag für die Räumung aller Klöster, die mit all ihrem Hab und Gut in den Besitz des Staates übergehen. Alle französischen Kartäusermönche werden zerstreut, einige schließen sich den Kartäusern in der Schweiz oder in Italien an.
1794: Alle inhaftierten Mönche unter 60 Jahren werden nach Bordeaux, Saintes und Rochefort deportiert, wo sie meist an Verelendung sterben. Unter ihnen waren auch einige Kartäuser.

Mehrere Kartäusermönche lebten unter großen Gefahren im Untergrund weiter, unter ihnen D. Ephrem Coutarel, der später die Rückkehr der Kartäuser nach Frankreich vorantrieb, als die Lage sich wieder beruhigt hatte.

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5. Von der Restauration bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

Ein Erlass von König Ludwig XVIII. erlaubte die Rückkehr der Mönche. Am 8. Juli 1816 kehrten die vertriebenen Kartäusermönche in die Grande Chartreuse zurück. Im selben Jahr nahmen die überlebenden Nonnen das Kartäuserleben in Beauregard (Voiron, Isère) wieder auf. Am Ende des Jahrhunderts, einer Zeit des Wiederaufbaus, gab es bereits wieder 27 geöffnete Häuser in Europa. Dazu gehörte auch die neue Kartause von Parkminster, England, wohin die Kartäuser zum ersten Mal seit der Reformation zurückkehren konnten.

Aber ein neuer Aufschwung des Antiklerikalismus begann sich abzuzeichnen. Das Gesetz von 1901 gegen Ordenskongregationen hatte die gleichzeitige Schließung von zehn französischen Kartausen zur Folge. Die Gemeinschaft der Grande Chartreuse wurde 1903 von den staatlichen Behörden mit Militärgewalt vertrieben und siedelte sich in der Kartause von Farneta in Italien an. Die anderen französischen Kartäusermönche mussten ebenfalls das Land verlassen.

In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg konnten in Frankreich nach und nach drei Mönchsklöster und ein Nonnenkloster wiedereröffnet werden. Im Juni 1940 nutzte der Pater General Dom Ferdinand Vidal die Lage angesichts des drohenden Kriegseintrittes Italiens aus und forderte die Rückkehr der in Italien lebenden französischen Kartäuser nach Frankreich als „politische Flüchtlinge“. Die Gemeinschaft konnte sich auf diese Weise wieder in der Grande Chartreuse ansiedeln und der Orden das Generalkapitel erneut im Mutterhaus abhalten.

6. Neue Horizonte

1967 wurde P. Dom André Poisson zum Generalminister des Ordens gewählt, dessen Aufgabe es war, mit Hilfe aller Ordensmitglieder die Kartäuser-Statuten zu erneuern, und zwar im Lichte des Zweiten Vatikanischen Konzils und des neuen Kodex des Kirchenrechts.

In dieser Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden einige Kartausen wiedereröffnet oder neu gebaut: Portes (1971 restauriert) und Notre-Dame (1978 gebaut, um die Nonnen von Beauregard aufzunehmen) in Frankreich, Marienau (1964 gebaut, um die Kartäuser von Hain aufzunehmen) in Deutschland, Trinità (1994 gebaut, um die Nonnen von Riva aufzunehmen) in Italien, Évora (1960 restauriert, 2019 geschlossen) in Portugal, Benifaçà (1967 restauriert) in Spanien.

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts öffneten sich neue Horizonte für den Orden, der sich außerhalb Europas auszubreiten begann: zuerst in den Vereinigten Staaten 1950, dann in Brasilien 1984 und in Argentinien 1998. Die jüngsten Gründungen sind jene in Südkorea, eine von Mönchen und eine von Nonnen (2002).

Schließlich können wir den historischen Besuch von Papst Johannes Paul II. in der Kartause von Serra San Bruno in Kalabrien im Jahr 1984 erwähnen, anlässlich der 900-Jahrfeier der Ordensgründung; seinen Brief an die Kartäuser zum 900. Todestag des Heiligen Bruno im Jahr 2001; und den Besuch von Papst Benedikt XVI. in derselben Kartause im Jahr 2011.

Der Kartäuserorden war im Vergleich zu anderen monastischen Orden schon immer zahlenmäßig klein. Dennoch hat er die Jahrhunderte durchlaufen mit ihren Turbulenzen und tiefgreifenden Veränderungen. Der Geist des heiligen Bruno bleibt lebendig, die Sendung des Kartäuserordens ist immer noch aktuell, und der Ruf der Wüste zieht weiterhin junge Berufungen aus der ganzen Welt an.

Häufig gestellte Fragen zur Geschichte


7. Die Heiligen des Kartäuserordens

Wie ein altes Sprichwort sagt: „Cartusia sanctos facit, sed non patefacit“ – der Kartäuserorden bringt Heilige hervor, aber er macht sie nicht bekannt. Die Kartäusermönche haben gemäß ihrer Berufung zu einem verborgenen Leben keinen Postulator in Rom, um die Heiligsprechung von Mitgliedern ihres Ordens zu beantragen. Die einzige Ausnahme war jene zu Gunsten des Gründers, als das Generalkapitel 1514 eine ausdrückliche Bitte an Papst Leo X. richtete. Meistens entspringen das Gedenken und die Verehrung eines Kartäusers der Frömmigkeit der Gläubigen: Der erste aller Kartäusermönche, der zu den Altären erhoben wurde, war der heilige Hugo von Lincoln, der 1220 durch Akklamation des Kirchenvolkes und päpstliche Bestätigung heiliggesprochen wurde; zuletzt heiliggesprochen wurden die seligen Claude und Lazarus, Märtyrer der Französischen Revolution, zusammen mit einer Gruppe anderer Glaubenszeugen, deren Prozess von der Diözese La Rochelle getragen wurde (1995). Die folgende Liste ist nicht repräsentativ für die Heiligkeit des Kartäuserordens im Laufe der Jahrhunderte; die meisten Heiligen des Ordens sind wohl allein Gott bekannt. Doch gibt es mehrere Kartäusermönche, die später Bischöfe wurden – was äußerst selten ist – und daher bekannt waren und bewundert wurden. Wir stellen im Folgenden jene Kartäuser dar, die offiziell im römischen Martyrologium verzeichnet sind.

Die geistige Nachkommen schaft des heiligen Bruno, anonym, Ende 18. Jahrhundert
(Sammlung des Museums der Kartause von Calci, Italien)
Der selige Lanuin, Mönch

Der selige Lanuin, der Normanne, trat 1091 oder 1092 in die Gemeinschaft der Einsiedelei von La Torre in Kalabrien ein, der zweiten Gründung des heiligen Bruno. Von da an waren die Urkunden gemeinsam an ihn und Bruno gerichtet, was sie verwaltungstechnisch auf die gleiche Stufe stellte. Ihm waren die zeitlichen Angelegenheiten der Gemeinschaft anvertraut und er wurde nach dem Tod des heiligen Bruno im Jahre 1101 trotz starker Opposition zum Vorsteher der Einsiedelei gewählt. Vom Jahr 1104 an wurde er von Papst Paschalis II. mit bestimmten Missionen betraut. Im Jahre 1114 fügte er der Einsiedelei ein zönobitisches Haus unter der Regel des heiligen Benedikt hinzu, für die kranken Mönche und wo Kandidaten für das eremitische Leben ausgebildet werden sollten. Er starb am 11. April 1116.

Der selige Ayrald, Mönch und Bischof

Ayrald war zunächst Regularkanoniker des Kathedralkapitels von Grenoble und wurde von 1102 bis 1132 als Dekan von Saint-André in dieser Kirche erwähnt. Danach trat er in die Kartause von Portes ein, unter Bernhard, dem ersten Prior dieses Hauses. Schon wenige Jahre nach seiner Profess sah er sich gezwungen, die Ernennung zum Bischof von Maurienne anzunehmen, wo er zwischen 1135 und 1143 die öffentlichen Urkunden unterzeichnete. Soweit es sein Bischofsamt zuließ, blieb er den Observanzen des Ordens treu und kehrte gerne für kurze Aufenthalte in die Einsamkeit von Portes zurück. Er starb gegen 1160.

Der selige Johannes von Spanien, Mönch

Der selige Johannes, 1124 in Spanien geboren, studierte ab 1136 in den Klosterschulen der Provence. 1139 nahm er in einer Einsiedelei bei Prébayon die Mönchskutte an, trat aber 1141 in die Kartause von Montrieux ein. Ein Jahr später wurde er Sakristan, Prior im Jahr 1148, 1151 gründete er die Kartause Le Reposoir und wurde zugleich deren erster Prior. Er gab den Nonnen von Prébayon die „Gebräuche der Chartreuse“ weiter, kopierte für sie die liturgischen Bücher der Kartäuser und spielte eine zentrale Rolle bei der Eingliederung dieses Klosters in den Kartäuserorden. Er starb in seinem Amt am 25. Juni 1160.

Der heilige Anthelm, Mönch und Bischof

Anthelm wurde um 1107 in der Nähe von Chambéry als Sohn der Adelsfamilie von Chignin geboren und war zunächst Propst der Kathedrale von Genf und Kanoniker derjenigen von Belley. Er trat 1136 oder 1137 in die Kartause von Portes ein und wurde von Guigo I. in die Grande Chartreuse berufen, wo er die Profess ablegte und gleich darauf Prokurator wurde, bevor er 1139 zum Prior gewählt wurde. Er berief 1140 das erste Generalkapitel ein, trat 1151 zurück und wurde kurz darauf zum Prior von Portes gewählt. Später (1163) wurde er zum Bischof von Belley gewählt. Er versuchte vergeblich, zwischen dem heiligen Thomas Becket und König Heinrich II. von England zu vermitteln. Er starb am 26. Juni 1178.

Der selige Wilhelm von Fenol, Mönch

Der selige Wilhelm von Fenol oder Fenoglio, geboren in Garessio, zunächst Einsiedler, wurde Laienbruder im Kartäuserkloster von Casotte im Piemont. Er war ein Mann des Gebetes und der Einfachheit und führte ein unscheinbares, doch von eifrigem Gebet durchdrungenes Leben des Dienens. Er starb kurz vor 1182 im Alter von einhundert Jahren. Sein Ruf der Heiligkeit verbreitete sich bis in weite Ferne.

Der selige Odo von Novara, Mönch

Der selige Odo, 1140 in Novara geboren, legte seine Profess in der Kartause Casotte ab. Er wurde zum ersten Prior der Kartause Jurklošter (Gyrio, Slowenien) ernannt, aber Probleme mit dem Bischof veranlassten ihn, Rom um die Annahme seines Rücktrittes zu bitten. Als er in der Abtei Tagliacozzo Halt machte, wurde er von der dortigen Äbtissin, einer Verwandten des regierenden Papstes Clemens III., zurückgehalten und zum Kaplan und Beichtvater ernannt; fortan lebte er als Einsiedler außerhalb des Nonnenklosters. Er starb dort am 14. Januar 1200, mehr als hundert Jahre alt. Mehrere anerkannte Wunder geschahen an seinem Grab, seine Verehrung ist in der Diözese Tagliacozzo noch sehr lebendig.

Der heilige Hugo von Lincoln, Mönch und Bischof

Hugo trat in die Grande Chartreuse ein, wo er Prokurator war. Später wurde er vom Generalkapitel auf Bitten des Königs von England beauftragt, das kartusianische Leben in England einzuführen. Er war der erste Prior der Kartause von Witham. Nach fünfundzwanzig Jahren klösterlichen Lebens wurde er zum Bischof von Lincoln gewählt. Sein Eifer und seine Weisheit verbanden sich mit viel Mut gegenüber den Ansprüchen der weltlichen Obrigkeit. Dies brachte ihm den Beinamen „Königshammer“ ein. Er legte den Grundstein für die prächtige Kathedrale von Lincoln. Kurz vor seinem Tod im Jahre 1200 konnte er noch einmal die Grande Chartreuse besuchen.

Heiliger Arthold, Mönch und Bischof

Arthaud oder Arthold, von adliger Herkunft, wird durch eine schlecht überprüfbare Überlieferung mit der Familie Sothonnod in Verbindung gebracht. Geboren 1101, trat er 1120 in die Kartause von Portes ein. 1132 gründete er auf Bitten des Bischofs von Genf die Kartause Arvières und wurde deren erster Prior. Zur Zeit des Generalkapitels von 1142 übte er diese Funktion bereits nicht mehr aus oder nahm zumindest nicht am Generalkapitel teil. Er ist jedoch 1155 als Prior bezeugt und ebenso während seines unglücklichen Eingreifens in den Konflikt zwischen Kirche und Kaiserreich im Jahr 1164. Im Jahr 1188 wurde er zum Bischof von Belley gewählt, ein Amt, das er nur aus Gehorsam annahm, aber sein hohes Alter von 87 Jahren zwang ihn 1190 zum Rücktritt. Er kehrte nach Arvières zurück, wo er am 6. Oktober 1206 im Alter von 104 Jahren starb.

Der heilige Stephan von Châtillon, Mönch und Bischof

Étienne de Châtillon, geboren 1155, trat in die Kartause von Portes ein, wo er die Profess ablegte. Im Jahr 1196 wurde er Prior. Nach zweiundzwanzig Jahren Kartäuserleben wurde er 1202 zum Bischof von Die gewählt. Dieses Amt nahm er nur auf ausdrücklichen Befehl des Papstes und des Generalministers des Kartäuserordens an. Er starb nach sechs Jahren im Bischofsamt im Jahr 1208 und wurde wegen der vielen Wunder, die auf seine Fürsprache zurückzuführen sind, heiliggesprochen.

Der selige Bonifatius von Savoyen, Mönchsnovize und Bischof

Als elftes Kind des Grafen Thomas I. von Savoyen und der Marguerite de Faucigny, war Bonifatius von Savoyen Erbe der Lehnsherrschaften von Roussillon, Virieu usw. Er trat in die Kartause von Portes ein, verließ sie jedoch auf Anordnung seines Vaters noch vor seiner Profess, um 1234 das Bistum Belley und das Priorat Nantua zu erhalten. Darüber hinaus wurde ihm im Jahr 1239 nach dem Tod seines Bruders Wilhelm auch die Verwaltung des Bistums von Valencia übertragen. 1241 zum Erzbischof von Canterbury ernannt, verzichtete er 1242 auf seine ersten beiden Bischofssitze. Er starb am 14. Juli 1270 im Schloss von Sainte-Hélène in Savoyen.

Der selige Nikolaus Albergati, Mönch und Bischof, Kardinal

Nikolaus Albergati wurde 1375 in eine alte Bologneser Adelsfamilie geboren, die auf das 10. Jahrhundert zurückgeht. Er studierte zunächst Jura. Danach trat er in die Kartause von Bologna ein, wo er im Alter von 32 Jahren Prior wurde. Nach zweiundzwanzig Jahren des Kartäuserlebens wurde Nikolaus gegen seinen Willen zum Bischof von Bologna gewählt und anschließend zum Kardinal ernannt. Als hochbegabter Diplomat im Dienst des Papstes stellte er den Frieden zwischen Frankreich und England wieder her. Auf dem Konzil von Basel verteidigte er die päpstliche Oberhoheit und führte später den Vorsitz auf dem Konzil von Ferrara. Man nannte ihn „den Engel des Friedens“. Wegen seiner Heiligkeit und Güte war er allgemein beliebt. Er starb 1443.

Die heiligen Johannes Houghton, Augustin Webster, Robert Lawrence und ihre Gefährten, Märtyrer

John Houghton, geboren 1487, wurde Bachelor in beiden Rechten in Cambridge. Er wurde 1511 Priester und trat 1515 in die Kartause von London ein. Dort wurde er im Jahr 1523 Sakristan und im Jahr 1526 Prokurator; 1531 Prior von Beauvale und noch im selben Jahr Prior der Kartause von London. Am 29. Mai 1534 weigerte er sich, den Eid auf die königliche Oberhoheit über die Kirche von England zu leisten. Am 13. April 1535 wurde er zusammen mit Dom Robert Lawrence, Prior der Kartause von Beauvale, und Dom Augustin Webster, Prior der Kartause von Axholm, verhaftet. Am 29. April wurden sie verurteilt und am 4. Mai gefoltert und hingerichtet. Fünfzehn weitere Kartäusermönche, Patres und Brüder, erlitten in den folgenden fünf Jahren das Martyrium. John Houghton wurde am 29. Dezember 1886 selig- und am 25. Oktober 1970 heiliggesprochen.

Der selige Wilhelm Horn, Mönch und Märtyrer

Der selige William Horn, ein Laienmönch aus der Kartause von London, wurde 1537 mit neun anderen Mönchen, Brüdern und Patres, inhaftiert. Während seine Gefährten im Laufe des Jahres im Gefängnis starben, überlebte er drei Jahre und wurde am 4. August gefoltert und hingerichtet.

Die seligen Claudius Béguinot und Lazarus Tiersot, Märtyrer

Die Patres Claude Béguinot (geboren 1736 in Langres) von der Kartause Bourgfontaine und Lazare Tiersot (geboren 1739 in Semur-en-Auxois) von der Kartause Notre-Dame de Fontenay ließen während der Französischen Revolution ihr Leben für die Verteidigung des Glaubens und die Ehre des Priesteramtes. Sie starben an Verelendung, eingesperrt in den Pontons von Rochefort, der erste am 16. Juli 1794 an Bord des Gefängnisschiffes „Deux-Associés“, der zweite am 10. August 1794 an Bord des Gefängnisschiffes „Washington“. Sie wurden 1995 von Johannes Paul II. seliggesprochen.

Zu den Märtyrern der Revolution zählen auch etwa vierzig weitere Kartäuser, die sich geweigert hatten, den Eid auf die Verfassung abzulegen, darunter Dom Pierre Brizard, der in den Pontons von Nantes ertrunken ist, und die Patres André Jacquet, Marcel Liottier, Michel Poncet, Etienne Ballet und Anthelme Monier, die Ende 1791 in Lyon guillotiniert wurden, sowie Pachomius Lassus, Kartäuser von Montmerle, der am 25. April 1794 in Pontarlier guillotiniert wurde.

Einige andere sind, ohne heiliggesprochen zu sein, innerhalb des Ordens stets im Ruf der Heiligkeit gestanden, wie der Pater General D. Jean Birelle, D. Stefano Maconi und D. Johannes Lansperger (1489-1539).

Für die heiligen Kartäusernonnen, siehe deren Seite.


8. Die Häuser im Laufe der Zeit

Die Jahrhunderte hindurch gab es insgesamt etwa 310 Kartausen. Einige von ihnen wurden sehr lange bewohnt, andere hingegen kannten nur eine kurze Lebenszeit; in manchen wurde das Kartäuserleben mehrmals unterbrochen und wieder neu aufgenommen, andere wurden erst kürzlich gegründet. Die Geographie des Kartäuserordens war stets dem Einfluss der geschichtlichen Ereignisse sowie der persönlichen Initiativen ausgesetzt. Alle Häuser des Ordens im Laufe der Jahrhunderte werden über eine zusätzliche Seite.

Kartause von La Part-Dieu, Schweiz
(Sammlung der Kartause La Valsainte, Schweiz)

Kartause von Molsheim, Frankreich
(Sammlung des Museums der Kartause von Molsheim, Frankreich)
Kartause von Miraflores, Spanien
( Sammlung der Kartause von Miraflores, Spanien)

Die „Karten von La Chartreuse“

Die Große Kartause beherbergt einen Aufbewahrungsort alter Gemälde, die mehrere Häuser des Ordens zeigen. Ende des 17. Jahrhunderts, zu der Zeit als er das Mutterhaus wieder aufbaute, ließ Dom Innocent Le Masson monumentale Malereien anfertigen, welche jedes einzelne Haus darstellten, das zu seiner Zeit existierte. Die Tradition setzte sich bis ins 19. Jahrhundert fort. Diese Gemälde, die auch „Karten von La Chartreuse“ genannt werden und allesamt in der Vogelperspektive gemalt wurden, stellen ein einzigartiges Zeugnis des Lebens und Glaubens der Kartäuser dar und werfen ein Licht auf ihre besondere Architektur.

79 dieser Gemälde existieren noch heute und wurden im Jahr 2001 in das Verzeichnis des staatlichen Denkmalamtes aufgenommen. Sie wurden einer anspruchsvollen Restaurierung unterzogen, die ihren hohen historischen und künstlerischen Wert zum Vorschein brachte. Wir danken nachdrücklich allen Mäzenen sowie öffentlichen und privaten Einrichtungen, die zu dieser Restaurierung beigetragen haben. Diese unvergleichliche Sammlung zeigt die beeindruckende Vielfalt der Kartäuserklöster (Baustile), die Vielfalt der jeweiligen Umgebung (Einöden mit Felsen und Wald, oder in der Nähe von Städten) und die Vielfalt der Künstler, die die Karten umgesetzt haben (vom einfachen Handwerker bis zum anerkannten Meister). Nicht zuletzt ist es das Leben in der Kartause, das diese Karten illustrieren, mit einer Fülle an wertvollen und gelegentlich sogar amüsanten Details, an Personen und Szenen aus dem Alltag.

Bilderserie „Galerie der Karten von La Chartreuse“

Andere Gemälde, welche die alten Häuser des Ordens darstellen (Originale der alten Sammlung, Kopien oder ähnliches), befinden sich in verschiedenen Klöstern und Museen, insbesondere in Österreich (Klosterneuberg besitzt 35 Gemälde). In vielen Fällen sind diese Gemälde die einzigen Zeugen vom Aussehen der mittlerweile verschwundenen Kartausen.

Kartause von Tückelhausen, Deutschland
(Klosterneuberg, Österreich)
Kartause von Bereza, Weißrussland
(Klosterneuberg, Österreich)
Kartause von Ara Christi, Spanien
(Klosterneuberg, Österreich)

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