Kartäuserorden

Die Kartäusernonnen

Zur Ehre und Verherrlichung Gottes hat Christus, das Wort des Vaters, zu allen Zeiten durch den Hl. Geist Männer und Frauen auserwählt, um sie in die Einsamkeit zu führen und sie dort in inniger Liebe an sich zu binden. Um auf diesen Ruf zu antworten, hat Meister Bruno im Jahre des Herrn 1084 mit sechs Gefährten die Einöde von Chartreuse aufgesucht und sich dort niedergelassen. Nachdem diese Männer und ihre Nachfolger sich dort vom Hl. Geist hatten belehren und durch die Erfahrung prägen lassen, schufen sie eine besondere Form des eremitischen Lebens, die sie an die folgenden Generationen nicht in schriftlicher Form, sondern allein durch ihr Beispiel weitergaben.

Die Existenz der Kartäusernonnen reicht fast bis in die Anfänge des Kartäuserordens zurück. Gegen 1145 beschlossen die Nonnen von Prébayon in der Provence, sich die Regel und Lebensweise der Mönche von Chartreuse zu eigen zu machen. Sie wurden von Anthelme, der damals Prior von Chartreuse war, in den Orden aufgenommen. So entstand der weibliche Zweig unserer Ordensgemeinschaft. Seitdem bilden die Kartäusernonnen zusammen mit den Mönchen einen einzigen Orden, der demselben Generalminister, dem Prior der Grande Chartreuse, unterstellt ist.

Obgleich die Nonnen beschlossen hatten, die Kartäuserregel anzunehmen, war ihre Lebensweise jahrhundertelang durch einen größeren Anteil von gemeinschaftlichem Leben geprägt als die der Mönche. Man vertrat damals die Auffassung, daß die weibliche Natur nicht imstande sei, alle Härten der Einsamkeit zu ertragen, in der die Mönche lebten. Nachdem die Nonnen um 1970 herum den dringenden Wunsch geäußert hatten, der Kartäuserregel ohne Abstriche folgen zu dürfen, setzte die Entwicklung zu einem stärker einsiedlerisch geprägten Leben ein, so daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Lebensform der Nonnen mit der der Mönche identisch ist.

Unser Dasein als Kartäusernonnen ist eine kontemplative Lebensform, die von der Einsamkeit geprägt ist. All unser Verlangen ist darauf gerichtet, auf Gottes Ruf zu antworten und seine Liebe in ebenbürtiger Weise zu erwidern. Unsere Klöster, die weitab von den Städten liegen, sind « Wüsten », die den Zweck haben, unsere Begegnung mit Gott zu fördern. Unsere Hauptaufgabe und unsere Berufung besteht ja darin, Gott in der Stille und der Einsamkeit zu finden. Dort pflegen Gott und sein Diener oft vertrauliche Gespräche miteinander zu führen, so wie man es unter Freunden tut.

Mit den Kartäusermönchen verbindet uns also dieselbe Berufung und derselbe Geist. Nichtsdestoweniger gibt es gewisse Eigentümlichkeiten, die uns von den Mönchen unterscheiden und unserer Lebensweise ein eigenes Gepräge geben. Da unsere Statuten nicht auf dieser Internetseite zugänglich sind, beschränken wir uns im folgenden auf die Aufzählung einiger besonders wichtiger Punkte.

Wie im männlichen Zweig des Ordens, so gibt es auch im weiblichen Zweig die Unterscheidung zwischen den Chornonnen, die sich in besonderer Weise dem einsamen Leben in der Zelle weihen, den Konversschwestern und den Donatschwestern. Die Einführung in das Kartäuserleben dauert ungefähr acht Jahre und durchläuft dieselben Etappen wie bei den Mönchen.

Nach der feierlichen Profeß bzw. dem definitiven Donationsversprechen können die Nonnen auf Wunsch die Jungfrauenweihe empfangen. Diese Weihe erfolgt nach einem besonderen Ritus, bei dem der Bischof der betreffenden Nonne nicht nur Ring und Schleier als äußere Zeichen der unauflöslichen Einheit mit ihrem göttlichen Bräutigam überreicht, sondern auch die Stola. Diese verleiht der Geweihten gewisse liturgische Privilegien, insbesondere das Recht, zu gewissen Anlässen das Evangelium zu verlesen.

Das Ordensgewand der Nonnen ist dem der Mönche ähnlich: ein weißer Habit sowie eine Kukulle mit seitlichen Stoffstreifen für die Professen. An die Stelle der Mönchskapuze treten bei den Nonnen Haube und Schleier.

In allen Kartäuserinnenklöstern gibt es ein oder zwei Kartäusermönche, die die priesterlichen Funktionen nach dem Kartäuserritus ausüben, d.h. die Eucharistie feiern und Beichte hören. Außer diesen beiden Patres gibt es für gewöhnlich noch ein oder zwei Brüder, die mit den Arbeiten betraut sind, die die Nonnen nicht selbst durchführen können. Die Patres und Brüder wohnen in einem eigenen Gebäude.

Unsere liturgischen Gebetszeiten sind mit denen der Mönche identisch. Das um Mitternacht gehaltene Nachtoffizium wird jedoch von uns lediglich rezitiert und nicht gesungen, wodurch sich die Zeit unserer Vigil um ungefähr eine halbe Stunde verkürzt.

Jede Woche legen wir einen Abstinenztag ein, wenn auch in weniger strenger Form als die Mönche. An diesem Tag gibt es weder Eier noch Fisch noch Milch, Butter oder Käse. Aschermittwoch und Karfreitag sind ebenfalls Abstinenztage; an diesen Tagen begnügen sich die Nonnen, die dazu in der Lage sind, lediglich mit Wasser und Brot. An gewissen Tagen und zu gewissen Zeiten im Jahr nehmen wir die einzige Hauptmahlzeit mittags zu uns und beschränken uns am Abend auf einen kleinen Imbiß. Zum Frühstück gibt es stets ein Stück Brot und ein Getränk.

Das Eintrittsalter der Kandidatinnen liegt zwischen 20 und 35 Jahren. Wenn jedoch ernsthafte Gründe für eine echte Berufung zu sprechen scheinen, können Ausnahmen durchaus in Erwägung gezogen werden.

Die Kartäusernonnen sind im Laufe ihrer Geschichte denselben harten Prüfungen unterworfen gewesen wie die Mönche. 1794 wurden im Gefolge der Französischen Revolution alle Frauenkartausen aufgelöst, doch konnten 1816 die wenigen noch existierenden Nonnen den weiblichen Zweig neubeleben, der heute in Europa über fünf Klöster verfügt (zwei in Frankreich – im Massif Central und in der Provence –, zwei in Italien und eines in Spanien) sowie über ein in der Gründungsphase befindliches Kloster in Südkorea (siehe die Liste der Ordenshäuser).

Auf den Spuren der ersten Kartäuser wollen die Kartäusernonnen dem Charisma ihres Gründervaters Bruno treu bleiben, indem sie « sich vom Hl. Geist belehren und von der Erfahrung prägen lassen ».

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